Vereinzelt dringen Sonnenstrahlen durch die dichte Krone der grossen Platane auf dem Munzingerplatz. Darunter steht Beate Hasspacher und blickt in die Blätter hinauf. In einigen Monaten wird an dieser Stelle nur noch ein Stumpf an den Baum erinnern. Denn dieser ist von einer Pilzkrankheit befallen und muss aus Sicherheitsgründen Ende Herbst gefällt werden, wie der Werkhof Olten mitteilte.

Nun hat die Ex-Grüne-Gemeinderätin an ihrer letzten Sitzung Ende Juni — sie wurde vom Volk abgewählt — zwei Motionen eingereicht, damit eben solche Bäume besser geschützt und weitere Grün– und Freiräume in Olten gefördert werden.

Mehr Grünraum im Zentrum

Olten hat mit dem Stadtpark, dem Vögelipark oder der Römermatte bereits einiges an Grünraum in der Stadt vorzuweisen. Hasspacher ist jedoch der Meinung, dass diese aufgrund der stark wachsenden Bevölkerungsverdichtung nicht mehr ausreichen. Vor allem im Oltner Zentrum würden ausgiebige Grünflächen fehlen, die zum Verweilen einladen und als Treffpunkte dienen.

Sie fordert deshalb, dass die künftigen Freiräume primär in den dicht bewohnten Quartieren gefördert und bei der kommenden Ortsplanungsrevision gesichert werden. Ausserdem sollen Grünflächen in Zukunft vermehrt bereits in grosse Bauprojekte eingeplant werden, um präventiv gegen Grünknappheit vorzugehen.

Für die diplomierte Forstingenieurin ist eine nachhaltige Planung unausweichlich bei der Erhaltung der Lebensqualität. Und diese ist das Ziel der neuen Grünflächen. Optisch und physikalisch haben Bäume und Wiesen für eine Stadt viele Vorteile: In Siedlungsgebieten sorgen sie durch Verdunstung zusätzlich für Abkühlung und fördern so die Aufenthaltsqualität.

Dies wird durch die wärmer werdenden Sommer immer wichtiger. Zusätzlich verschönern sie die Ästhetik einer Stadt. Zum kühlenden Effekt halten die Baumkronen auch das Sonnenlicht ab. «Schliesslich sitzt im Sommer jeder gerne im Schatten», fügt Hasspacher an, die bereits Ideen für die Verbesserung der Grünflächen im Kopf hat: Im Kloster- und im Musikschulgarten könnte die Stadt die Vegetation aktiver fördern und öffentlich zugänglicher machen.

Baumfällung als letzter Ausweg

Die Ex-Gemeinderätin will nicht nur neue Grünflächen begünstigen, sondern bisherige auch vermehrt sichern. Darum bemüht sich auch René Wernli, Leiter des Werkhofs Olten. «Ich habe kein schlechtes Gewissen, wir schauen gut zu unseren Bäumen», meint dieser überzeugt. Entgegen Hasspachers Auffassung sei die Stadt um die Erhaltung der Altbäume sehr bemüht und würde die nötigen Massnahmen treffen.

Bei Spezialfällen, wie der Platane auf dem Munzingerplatz, ist es jedoch eine Frage des Aufwandes und des Budgets, bemerkt Wernli. Ein beauftragtes Gremium erstelle jeweils ein unabhängiges Gutachten über den Gesundheitszustand eines Baumes. Im Fall der Platane hätte der Gutachter festgehalten, dass der Baum mit aufwendigen Massnahmen noch knapp zehn weitere Jahre bestehen könnte. Die Stadt hätte sich jedoch aus Kostengründen gegen diese Massnahmen entschieden.

Die Platane hat ihre Lebenserwartung so oder so erreicht, meint der Werkhofleiter. Fällungen seien allerdings der letzte Ausweg. Laut Wernli machen Altbäume über 70 Jahre rund 20 Prozent des aktuellen Bestandes in Olten aus. Über die Hälfte bestehe aus Bäumen zwischen 21 und 70 Jahre, der Rest seien Jungbäume unter 21 Jahren. «Besser wäre es natürlich, wenn die Zahlen gedrittelt wären», meint Wernli.

Bedürfnis weiterer Parteien

Hasspacher und Wernli sind sich einig, dass Jungbäume kein gleichwertiger Ersatz für Altbäume sein können. Neuanpflanzungen haben erst nach 50 bis 100 Jahren denselben klimatisierenden Effekt. Ausserdem haben die neuen Bäume kaum eine Chance, so gross zu werden. Denn Park- und Frostschäden behindern das Wachstum. Unterschiedlicher Meinung sind sie jedoch, wenn es um die Pflege der Altbäume geht. Hier fordert Hasspacher, dass dafür mehr Geld investiert wird und die Stadt für gute Baumstandorte mit ausreichend Wurzelraum sorgt.

Die eingereichten Motionen sind von Gemeinderäten unterschiedlicher Couleur wie SP, CVP oder sogar der SVP unterschrieben worden. Dies zeigt, dass mehr Grün in Olten nicht nur ein grünes Anliegen ist, sondern auch das Bedürfnis anderer Parteien repräsentiert.