Olten

Nach ausgearteten Fight Night stehen rechtliche Schritte im Raum

Ein Feuerwerk im Vollkontakt-Stil: Guido Kessler (vorn) realisierte zu spät, worum es ging.

Ein Feuerwerk im Vollkontakt-Stil: Guido Kessler (vorn) realisierte zu spät, worum es ging.

Guido Kessler fühlt sich nach dem «Kampf der Legenden» an der Fight Night in Olten unfair behandelt. Er stellte sich auf einen Semikontakt-Kampf ein, sein Gegner aber kämpfte Vollkontakt.

«Ich war völlig geschockt, als Kazim wie ein Besessener auf mich reingeschlagen hat, fragte mich in diesem Moment, ‹warum stoppt das niemand???›.»

Guido Kessler (49), der Schwyzer, Gegner von Kazim Carman (42) im Hauptkampf der dritten Oltner Fight Night, hat die deutliche Niederlage gegen seinen türkischen Herausforderer auch Tage später noch nicht verarbeitet, wie ein Kommentar zur Berichterstattung des Kampfsportanlasses im Oltner Tagblatt beweist.

Weder physisch noch psychisch. Kessler leidet noch immer unter den Folgen der harten Schläge und Tritte, klagt über Kopfschmerzen, Ohrensausen. Dabei hatte sich der Innerschweizer den «Kampf der Legenden» ganz anders vorgestellt.

Vollkontakt statt Semikontakt

Geht es nach Kessler, so hätte der Kampf im Semikontakt-Stil ausgetragen werden müssen. Er habe in diversen Gesprächen im Vorfeld mit Carman, aber auch mit dessen Manager Raphael Galliker, immer nur von Semikontakt gesprochen – gekämpft sei dann jedoch im Vollkontakt worden.

«Ich weiss, was es heisst, einen Vollkontakt-Kampf zu bestreiten, schliesslich habe ich vor mehr als 20 Jahren selber so gekämpft. Doch heute bin ich 49 und würde dem nie mehr zustimmen. Ebenso wenig einer Kampfdauer von dreimal drei Minuten. Vertraglich abgemacht waren dreimal zwei Minuten.»

Etwas anders sieht dies die Gegenseite. «Es bestand ein Vertrag, in welchem die Modalitäten festgehalten wurden», stellen Raphael Galliker und Kazim Carman ihre Sicht der Dinge dar – unisono. «Darin stand unter anderem, dass bei diesem Legenden-Kampf keine Wägung notwendig war. Beide Kämpfer haben den Vertrag unterschrieben.»

Carman pocht auf den Vertrag

Carman macht deutlich, dass er sich Vorwürfe bezüglich des Vertragswerks nicht gefallen lässt und schiebt die Verantwortung zurück zu seinem Gegner. «Wir leben in der Schweiz. Hier gilt der Vertrag. Wenn man einen solchen unterschreibt, muss man ihn zuvor sehr gut lesen.»

Spätestens hier gehen die Wege der beiden Kampfsportasse jedoch auseinander. Es sei stets die Rede von einem Showkampf gewesen, sagt beispielsweise Kessler, im Vertrag selber gar von einer Show.

Carman wiederum entgegnet, dass man sich beim «Kampf der Legenden» an die K1-Regeln gehalten habe. Immerhin räumt Kessler ein, es versäumt zu haben, auf entsprechende Anpassungen im Vertragswerk zu bestehen und diese auch durchzusetzen. Laut Galliker sei im Vertrag weder von Semikontakt noch von Rundenzeiten à 2 Minuten die Rede gewesen.

«Es war ein super Kampf»

Ein Vorwurf von Veranstalterseite betrifft zudem das (zu) späte Erscheinen Kesslers. «Weder Guido noch jemand aus seinem Umfeld war bei der Ringrichterbesprechung um 18 Uhr anwesend», sagt Carman.

Man habe mehrfach versucht, Kessler telefonisch zu erreichen – umsonst. Dieser will nichts von einem solch frühen Zeitpunkt wissen. «Abgemacht war, zwischen 18.30 Uhr und 19 Uhr in der Halle zu erscheinen. Dazu hatte ich das ausdrückliche Okay von Kazim.»

Als der Kampf mit einer massiven Verspätung auf den ursprünglichen Zeitplan startete, sei es zu spät gewesen, zu reagieren. «Klar, der Ringrichter hat noch etwas von K1-Regeln ohne ‹Low-Kicks› gesagt, doch ehe ich das Ganze realisierte, hatte ich bereits mehrere Treffer an den Kropf bekommen. Erst da merkte ich: ‹Hey, der meint das tatsächlich ernst!›.»

«Wenn er auf die Ringrichterbesprechung gekommen wäre, hätte er eingreifen können», will das Duo Galliker/Carman nichts von einem unkorrekten Kampf wissen.

Im Gegenteil: «Kessler hat nach dem Kampf im Ringmikrofon keinerlei negative Äusserungen gemacht und Carman zum verdienten Sieg gratuliert. Auch meinte er, im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein, wenn die Gage stimmt. Erst eine Viertelstunde später äusserte er mir gegenüber erstmals Bedenken», konkretisiert Galliker.

Carman befürchtet zudem, dass Kessler seine fehlende Medienpräsenz im Vorfeld auf diese Weise wettmachen will. Das sei alles andere als fair: «Damit macht er unseren Sport kaputt, und er schadet unseren Namen. Zudem: Wer hatte im Vorfeld grosse Sprüche gemacht?»

Folgen rechtliche Schritte?

Gemeint hat er damit die erste verbale Auseinandersetzung anlässlich einer Medienkonferenz im April. «Der Kebabfresser hat seinen Mund nun genug weit aufgetan.

Am 23. Mai gehst du nach zehn Sekunden k. o.», schnauzte Guido Kessler damals sein Gegenüber an. «Rede du jetzt nur noch, denn in Olten kannst du das nicht mehr, weil ich dir nach fünf Sekunden den Kiefer brechen werde», konterte der 41-jährige Carman.

Was auf den ersten Blick wie eine gegenseitige Kampfansage tönte und auf einen handfesten Fight schliessen liess, das sei, versichert Kessler, reine Show gewesen. «Das Ganze war eine abgemachte Sache, reine Promotion für die Medien. Der eine ist der Gute, der andere der Böse.»

Man habe sich schliesslich darauf geeinigt, dass er der Böse sei. Logisch, da in der Halle sowieso die Mehrheit der Zuschauer hinter Carman gestanden hatte.

Nach all den Vorkommnissen überlegt sich Guido Kessler übrigens gewisse rechtliche Schritte.

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