Olten

Nach Alpiq-Aktien-Verkauf: «Wir hatten das Gefühl, die Aktien werden weiter steigen»

Die Alpiq war einst der beste Steuerzahler der Stadt Olten. Nun hat der Stadtrat entschieden, das seit Jahren gehaltene Aktienpaket an der Alpiq und der früheren Atel zu verkaufen.

Für 3,5 Millionen Franken hat die Stadt Olten ihre rund 50 000 Aktien verkauft. Insgesamt kann die Stadtkasse nach diversen Abzügen noch einen Gewinn von 2,65 Millionen Franken verbuchen. Dieser Betrag war im überarbeiteten Budget 2019 mit einem prognostizierten Plus von 43 000 Franken bisher nicht vorgesehen.

Die Alpiq Holding AG will ihre Aktien nicht mehr länger an der Börse handeln lassen. Damit stand auch die Stadt Olten vor der Frage, was sie mit den 50'092 Aktien macht, die sie seit dem Zusammenschluss der Atel mit der Lausanner EOS im Jahre 2008 hält. Der Stadtrat hat sich in der Sitzung vom 2. September entschieden, das Verkaufsangebot der Depotbank Credit Suisse anzunehmen und ihre Aktien für 70 Franken an die drei Grossaktionäre zu veräussern. Dies teilt die Stadtkanzlei am Donnerstag mit. Der Verkaufspreis von 3,5 Millionen Franken ist am Donnerstag aufs Bankkonto überwiesen worden.

Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli ist mit dem erzielten Verkaufspreis nicht ganz zufrieden: «Persönlich finde ich 70 Franken zu wenig, weil Alpiq mit dem Fokus auf erneuerbare Energien eine gute Zukunft hat.» Der Stadt Olten blieb allerdings fast nichts anderes übrig, das Angebot der Grossaktionäre anzunehmen. «Wir waren unter Zugzwang und haben schweren Herzens entschieden, die Aktien zu verkaufen», sagt Finanzverwalter Urs Tanner auf Anfrage. Ohne die Ankündigung, die Aktien künftig nicht mehr an der Börse zu handeln, hätte die Stadt diese wohl nicht verkauft, vermutet Tanner. Zudem sei aufgrund des minimalen Aktienanteils der Stadt Olten von 0,18 Prozent «eine aktive Einflussnahme auf die Steuerung der Unternehmung und die Dividendenpolitik nicht möglich» gewesen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Auch das Festhalten an den Aktien stand zur Diskussion. Doch diese hätten dann ausserhalb der Börse verkauft werden müssen. Aus Sicht von Finanzdirektor Savoldelli wären die Aktien aber dann «nur schwer handelbar» gewesen. Ebenfalls nachgedacht wurde über einen eigenen Aktionärsbindungsvertrag. Einen solchen hatte der Kanton Solothurn mit seinem Aktienanteil in Höhe von 5,6 Prozent im Konsortium mit anderen Minderheitsaktionären mit der Alpiq abgeschlossen. Doch die drei Grossaktionäre zeigten laut Savoldelli kein Interesse daran.


Der Stadtrat legte eine Verkaufsstrategie fest


Nicht zuletzt hat der Stadtrat versucht, die Aktien selbst zu verkaufen. In seiner Sitzung vom 25. September 2017 verabschiedete die Oltner Regierung eine Verkaufsstrategie, die nie öffentlich kommuniziert wurde. Darin ist festgehalten, dass die Aktien ab einem Kurswert zwischen 82 und 85 Franken pro Aktie verkauft werden dürfen. Die Kompetenz dazu hatte die Finanzdirektion. Diese Option wurde allerdings nie eingelöst, obwohl die Aktien danach im August 2018 nochmals den Höchstwert von Fr. 88.90 erreichten. «Wir hatten das Gefühl, die Aktien werden weiter steigen, da diese ein paar Monate zuvor noch bei Fr. 61.85 notierten», sagt Finanzdirektor Savoldelli dazu. Hätte die Stadt die Aktien für den genannten Höchstwert verkauft, wären 4,45 Millionen Franken in die Stadtkasse geflossen – also knapp eine Million mehr als die Stadt mit dem Verkauf nun tatsächlich erhalten hat. Allerdings wären noch Gebühren von rund einem Prozent abgezogen worden, die jetzt nicht anfallen.

Noch besser hätte es ausgesehen, wenn der Stadtrat die Aktien gleich nach der Überführung vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen veräussert hätte. Im Verwaltungsvermögen hatten die Aktien nämlich einen Wert von Fr. 177 105,75. Savoldelli zufolge könnte dies der ursprüngliche Kaufpreis der damaligen Atel-Aktien gewesen sein. Im Rahmen der neuen Rechnungslegung nach HRM2 wurden die Aktien per Anfang 2016 ins Finanzvermögen überführt und auf 5,25 Millionen Franken neu bewertet. In den letzten Jahren musste der Buchwert in der Bilanz aber regelmässig nach unten korrigiert werden. Dies ist neben der Auflösung von Neubewertungsreserven mit ein Grund, wieso schliesslich von den 3,5 Millionen Franken netto nur noch 2,65 Millionen als Gewinn übrig bleiben, der im Budget 2019 nicht vorgesehen war.

Übrigens: Der Höchststand erreichte die Alpiq-Aktie im Juni 2008 mit knapp 760 Franken: Bei einem Verkauf zu diesem Kurswert wären über 38 Millionen in die Stadtkasse geflossen.


Städtische Betriebe fahren höheren Gewinn ein


Finanziell zu einem besseren Zeitpunkt gehandelt haben die Städtischen Betriebe Olten. Der Energieversorger verkaufte seine 15 332 Aktien – was einem Anteil von 0,06 Prozent entspricht – am 18. Mai 2018 für 76 Franken und fuhr damit einen Gewinn von 1,2 Millionen Franken ein. Der Entscheid des Verwaltungsrates fiel gemäss Kommunikationsleiter Beat Erne drei Tage zuvor. Der Ausschuss legte fest, dass ab einem Minimalkurs von Fr. 73.50 die Aktien veräussert werden dürften. Das heisst: Im Vergleich zur Stadt Olten hat der Energieversorger zwar die tiefere Minimallimite festgelegt, aber die Aktien trotzdem zu einem höheren Kurs verkauft.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1