«Verabschiedung von Hansruedi von Arx»: Mit dieser Zusatzinformation hat die katholische Kirche Olten die Eucharistiefeier vom vergangenen Sonntag auf ihrer Homepage versehen. Ein Narr, der glaubt, dies sei mehr oder weniger eine Zusatzinformation für Insider. Nein.

Hansruedi von Arx muss man wohl niemandem näher vorstellen. Von Arx ist Oltner und seit 1983 Organist zu St. Martin, besser gesagt, war Organist zu St. Martin. Am 30. Dezember hatte er seinen letzten Einsatz. Nicht nur «Grosser Gott, wir loben dich» kennt er auswendig. «Die gängigen Kirchenlieder gehören ins Repertoire», sagt von Arx.

Wie begrüsst, so verabschiedet

Für seinen letzten Auftritt hatte er zwei Wünsche formuliert: Zum einen sollte ein ganz normaler Gottesdienst seine offizielle Laufbahn als Organist beenden. Zum anderen wollte er sich mit denselben Klängen von der Orgel verabschieden, die er ihr zu deren Einweihung 1992 schon entlockt hatte: «Apparition de l’Eglise éternelle» von Olivier Messiaen. Von Arx sagt: «Ein grandioses Stück, auch mit Disharmonien versehen, dessen eindeutig zu erkennender Höhepunkt auf einem zehnstimmigen C-Dur-Akkord im fünffachen Forte erreicht wird.»

Hansruedi von Arx spielt Olivier Messiaen

Dass der Sohn eines Lehrers nicht Lehrer blieb, sondern Kirchenmusiker wurde, war eine Fügung. «Wie so vieles im Leben», sagt der 65-Jährige. Zur Mittelschulzeit nämlich hatte der junge von Arx genug vom Gymnasium und beschloss, ans Lehrerseminar zu wechseln. «Und weil man am Seminar ein Instrument spielen musste und ich völlig genug hatte vom Klavierspiel, wählte ich die Orgel als Instrument.» Sein Musiklehrer, der Walliser Ernest Loretan, erkannte die Affinität seines Schützlings und befahl ihm eines Tages: «Rüedi, du schpiilsch denn!» Und zwar während des Gottesdienstes an der Orgel zu St. Martin. Das sei eigentlich so etwas wie der Anfang seiner Laufbahn als Kirchenmusiker gewesen, lächelt von Arx, der übrigens auch im Martinschor mitsang. Später studierte er Orgel und Chorleitung an der Musikhochschule Basel. Rund 8000 Gottesdienste hat er seither an der Königin der Instrumente, der Orgel, mitgestaltet. Vor kurzem habe er das überschlagsmässig errechnet, meint von Arx.

Streben nach Neuem

Was man über ihn sagen hört: 35 Jahre hätten nicht gereicht, um seine Innovationskraft zu erschöpfen. Logisch: Er hat im Laufe seines Wirkens unzählige Projekte mitinitiiert, jenseits seines eigentlichen Dienstauftrags: Matineen, Taizé-Feiern, Weihnachtsmusicals, Bach-Konzerte, Projektchöre. «Für mich war St. Martin ein Ort, an dem ich mich als Kirchenmusiker einbringen und in verträglicher Umgebung wirken konnte», bilanziert von Arx seine Tätigkeit. Andernfalls wäre er nicht so lange geblieben, reicht er nach.

Haften bleibe aber auch, dass er sich des Eindrucks nicht erwehren könne, die Kirchenmusik würde von den Offiziellen der Kirche manchmal zu rudimentär gewürdigt. «Dabei ist gerade eine geglückte und unter allen Beteiligten abgesprochene Dramaturgie zwischen Wort und Musik in der Kirche von entscheidender Bedeutung», fährt er fort. Der Mann ist Kirchenmusiker mit Leib und Seele. Jeder seiner Sätze zeugt davon, dass er an Teamgeist glaubt, an die Wirkung der Musik und des Wortes, die es zu bündeln gilt. «So entstehen Atmosphäre, Stimmungen und so werden die Kirchenbesucher berührt», ist von Arx überzeugt. Diesbezüglich liege in diesem weiten Feld noch einiges brach.

Hartes Stück Arbeit

Der Organist war zudem entscheidend beteiligt am Findungsprozess für die neue Orgel in der Martinskirche, einem Millionenprojekt. «Es war ein hartes Stück Arbeit, die Kirchgemeinde davon zu überzeugen, die neue Orgel vor der Rosette, dem grossen Fenster auf der Ostseite der Kirche, zu platzieren», meint von Arx im Rückblick. Nur an diesem Standort nämlich konnte das Instrument seine optimale Wirkung entfalten.

St. Martin war schon immer, seit 1910, mit grossen Instrumenten ausgestattet, um das gewaltige Raumvolumen mit rund eintausend Sitzplätzen bespielen zu können. Von Arx lebt auf. Unschwer zu erkennen: Die Mathis-Orgel ist auch sein Kind. Und sich davon zu trennen auch nicht ganz einfach. «Ein bisschen kribblig» sei ihm schon, meint er. Er hat sich denn auch anerboten, das Amt des Organisten zu St. Martin über das Pensionsalter hinaus auszuüben. Vergeblich. Bis Ende Jahr liess sich der Ruhestand noch hinauszögern. Nun werden Christoph Mauerhofer und Francesco Pedrini, beides Organisten im Pastoralraum Olten, in die Bresche springen.

Seit Neujahr ist von Arx im Ruhestand. Als Kirchenmusiker allerdings nicht. In der Klosterkirche wird er weiterhin an der Orgel aktiv sein, für die Missione Cattolica ebenfalls. Für Letztere an «seiner Orgel» in St. Martin, wie man so schön sagen könnte. An den Attributen fachliche Kompetenz, Empathie und Freude an der Musik will von Arx den guten Organisten festmachen. Und dann sagt er noch, fast ein bisschen verstohlen: «Angefressen muss man sein.» Ist von Arx angefressen? «Das kam mit der Zeit», erklärt er. Wie hatten doch seine «Fans» gemeint: 35 Jahre hätten nicht gereicht, seine Innovationskraft zu erschöpfen.