Magen-Darm-Spezialist

Nach 33 Jahren schliesst Alex Straumann seine Praxis - und wird für sein Lebenswerk gewürdigt

Alex Straumann wurde für sein Lebenswerk als Gastroenterologe ausgezeichnet.

Alex Straumann wurde für sein Lebenswerk als Gastroenterologe ausgezeichnet.

Arzt Alex Straumann aus Olten ist von der Schweizerischen Gesellschaft Gastroenterologie für seine wissenschaftliche Arbeit und sein Lebenswerk gewürdigt worden.

Ende Dezember 2017 schliesst Professor Alex Straumann die Türen seiner Praxis nach 33 Jahren erfolgreicher Praxistätigkeit. Neben der praktischen Tätigkeit als Magen-Darm-Spezialist folgte Alex Straumann seinem wissenschaftlichen Hunger und ist heute ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der eosinophilen Oesophagitis (chronische allergieartige Entzündung der Speiseröhre, die zu erheblichen Schluckbeschwerden beim Schlucken fester Nahrung führt). Seine wissenschaftliche Karriere ist umso beeindruckender, als er seine Forschungsarbeiten in der Praxis in Olten und nicht an einem Universitätsspital angefangen hat.

Alles beginnt 1989

Die Geschichte beginnt im Jahr 1989: Alex Straumann bekommt in diesem Jahr mehrere Patienten zugewiesen, die alle über Schwierigkeiten beim Schlucken fester Nahrung klagen. Bei der Spiegelung der Speiseröhre stellt er nur minime Veränderungen fest, die aber zu keiner bekannten Krankheit passen wollen. Er entnimmt deshalb Gewebeproben, die er zur mikroskopischen Analyse schickt.

Das Resultat ist unerwartet: In der Speiseröhrenschleimhaut der Patienten finden sich massenhaft Infiltrate von eosinophilen Granulozyten, weisse Blutzellen, die in der Speiseröhre eigentlich nichts zu suchen haben. Die eosinophilen Granulozyten werden 1993 zum Namensgeber der neuen Krankheit: eosinophile Ösophagitis (EoE). «Früher, als die Krankheiten noch nach ihren Entdeckern benannt wurden, wäre sie auf Morbus Attwood-Straumann getauft worden», sagt Straumann mit spitzbübischem Lächeln.

Denn praktisch gleichzeitig hat auch der Brite Stephen Attwood die eosinophile Entzündung in der Speiseröhre erkannt. Das Leitsymptom der EoE sind Schwierigkeiten beim Schlucken fester Nahrung, sodass der Patient würgen muss. Er sei immer wieder erstaunt, wie viele Patienten solche Schluckstörungen einfach hinnehmen, sagt Straumann. Statt zum Arzt zu gehen, entwickeln sie Ausweichstrategien, indem sie faserig-trockene Speisen nicht mehr essen, oder diese fein schneiden und besonders gründlich kauen.

Ein Alarmzeichen

Die Bevölkerung sollte solche Schluckbeschwerden als Alarmzeichen einstufen, kann sich dahinter doch neben einer EoE oder sogar Speiseröhrenkrebs verbergen. Dass die EoE alles andere als selten ist, hat die epidemiologische Forschung klargemacht: Auf etwa 2500 Einwohner kommt heute ein Patient mit diagnostizierter EoE. Laut Straumann gibt es gute Gründe anzunehmen, dass die Krankheit in den 1980er Jahren neu entstanden und deren Häufigkeit weltweit massiv zunimmt. Der typische EoE-Patient ist männlich, zwischen 20 und 50 Jahre alt und mit Allergien belastet. Inzwischen ist erwiesen, dass es mindestens eine Genmutation gibt, die das Risiko eine EoE zu bekommen erhöht.

Bei der Krankheitsentstehung spielt aber auch die individuelle Verträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel eine Rolle. Zudem wird vermutet, dass die industrialisierte Nahrungsmittel-Produktion allenfalls zu vermehrt allergisierenden Speisen, und damit zur charakteristischen Entzündungsreaktion im Ösophagus führen könnte. Das ist aber noch Spekulation und Gegenstand laufender Forschung.

Auch in «Nature» publiziert

Da bei diesem Krankheitsbild die Immunologie eine tragende Rolle spielt, hat Alex Straumann viele Studien zusammen mit Hans-Uwe Simon, Professor für Immunologie am Inselspital Bern, durchgeführt. Zusammen haben Straumann als klinischer Forscher, und Simon als Grundlagen-Forscher bis heute eine Vielzahl von Studien in den weltweit renommiertesten Fachzeitschriften für Gastroenterologie und Immunologie publiziert. So ist Alex Straumann heute international einer der meist zitierten Schweizer Gastroenterologen und hat unter anderem auch im «Nature» - was, sportlich ausgedrückt, der Champions-League der Wissenschaft entspricht - publiziert.

Trotz des Aufstiegs in die «Champions League» ist Alex Straumann ein engagierter Arzt geblieben, für den das Schicksal eines jeden seiner zahlreichen Patienten immer höchste Priorität hat.

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