Ein Dutzend Jahre lang hat Joseph Bisig als Dirigent den Chor der Oltner St. Martinskirche geleitet. Nun beendet der gebürtige Einsiedler und in Thun aufgewachsene und wohnhafte Musiker sein Engagement in Olten und verabschiedet sich zu Weihnachten mit einer gefälligen Produktion in der Martinskirche: mit Kempters Pastoralmesse in G. Bisig selbst nennt die Komposition Kempters feierlich, eingängig. «Das Werk ist eigentlich ziemlich bekannt und sehr weihnachtlich in seiner Ausprägung», fügt er hinzu.

Bisig studierte nach der Matura am Konservatorium Bern Orgel und Chorleitung, bildete sich anschliessend an der Kantorenschule Zürich weiter und erwarb das Kantorendiplom. Von 1985 bis 2003 wirkte er als Kirchenmusiker an der Dreifaltigkeitskirche Bern. Mit Olten ab dem Jahr 2004 bekam er wieder mehr Freude am Chorgesang. Der 59-Jährige führt dies auf den Martinschor selbst, die phänomenale Infrastruktur und das gute Klima hier zurück. Aber: Er kam nicht unbedarft nach Olten.

«Ich kannte zumindest den Ort und dessen Protagonisten kirchlicher Musik schon vorher», meint er, auch wenn sich seine hiesige Verankerung nach 12-jähriger Tätigkeit im Wesentlichen auf die nähere und weitere Umgebung des Kirchenchores beschränkt. «Sonst bin ich wohl ein weitgehend Unbekannter geblieben», hält er fest.

Wenig erstaunlich. Denn wer mit Bisig spricht, merkt schnell: Das Wesen des Berner Oberländers ist eher introvertiert. Seine Wirkung als Chorleiter kann er mit einem Satz umschreiben: «Wenn die Sängerinnen und Sänger finden, ich sei musikalisch überzeugend, dann reicht mir das.»

Repertoire vergrössert

Seine Bilanz nach 12 Jahren Martins-chor: «Wir haben sicher unser Repertoire erweitert», meint er, «und den Kreis für Chorinteressierte geöffnet.» Rund 50 Mitglieder etwa wirken beim Auftritt von Heiligabend und Weihnachten mit; darunter finden sich 15 Gastsängerinnen und -sänger. «Es stimmt: Während meiner Amtszeit hat der Chor nur wenig personelle Änderung erfahren. Man wird gemeinsam älter», weiss er.

Von der Werbewirksamkeit Cantars, den legendären Kirchenmusikfesten aus den vergangenen Jahren, habe der Martinschor jedenfalls nicht viel gespürt. Für Bisig auch kein Wunder: Ein Kirchenchor sei nicht zwingend projektartig zu führen. «Dafür ist das Programm einfach zu dicht.» Mehr als ein Dutzend Auftritte jährlich bewältigt das Ensemble. «Da brauchts längerfristiges Engagement», so Bisig.

Vorteil: Es lässt sich etwas aufbauen. Etwas Tragendes, Beständigeres. Das sonst inflationär im Gebrauch stehende Wort nachhaltig vermeidet er in diesem Zusammenhang; zum Glück. Und was der Mann auch noch weiss: In einem festen Ensemble ist die Motivation nicht immer gleich gross. «Man muss sich vor Augen halten, dass die Chormitglieder Amateure sind und neben dem Singen auch der gesellige Aspekt eine Rolle spielt.» Bisig versucht jeweils, jede der einzelnen Chorstimmen ins richtige Licht zu rücken, dem Werk angepasst zu tempieren, um so dem Ensemble ein Optimum abzugewinnen.

«Das ist manchmal gar nicht so einfach», sagt er. Aber: Er war damit erfolgreich. Auch sein letztes Vorhaben in Olten ist auf guten Wegen. «Natürlich ist man ein bisschen nervös vor der Aufführung», sagt er heiter. «Aber wir sind gut vorbereitet.» Da bleibt die ganz grosse Anspannung aus und macht ausschliesslich der Freude Platz. «Musik ist eine Freude», sagt er. Und: «Musik machen macht glücklich.»

In Thun aktiv

Ab Neujahr übernimmt Silvan Müller, Chorleiter und Gesangspädagoge aus Günsberg den Taktstock. Bisig zieht weg, obwohl die Anstellung in Olten, wie er sagt, «eine sehr gute» war. Er übernimmt in Thun das Organisten- und Dirigentenamt, bezeichnenderweise in zwei Pfarreien, die sich in ihrer Namensgebung an Olten anlehnen. Bisig lacht: «In einer Martins- und Marienpfarrei.»

Daneben bleibt er Chorleiter beim Cäcilienchor Thun und beim reformierten Kirchenchor Thun-Strättligen. Ob reformierte Kirchenchöre anders getaktet sind? Der Chorleiter muss ob der Frage schmunzeln und verneint. «Nein, es ist im Wesentlichen der selbe Schlag von Sängerinnen und Sängern; da macht die Konfession keinen Unterschied.» Denn Tenorregister sind erfahrungsgemäss immer am schwächsten besetzt; wie überhaupt grundsätzlich weniger Männer mitsingen. Ein Chorleiter wie Bisig weiss damit umzugehen. Nicht nur in Olten.

Samstag, 24. Dezember, 23 Uhr: Mitternachtsmesse; Kempter, Pastoralmesse in G; Sonntag, 25. Dezember, 9.30 Uhr: Weihnachtsgottesdienst; Kempter, Pastoralmesse in G