Doch, die «alten Knochen und Scherben», wie Stadtpräsident Martin Wey sagte, haben durchaus ihre Freunde: Rund 150 Personen drängten sich am Donnerstagabend in den Räumen des Historischen Museums Olten. Angesagt war die Neueröffnung des Archäologischen Museums des Kanton Solothurn im 3. Stock mit der Vernissage einer neuen Sonderausstellung.

Was in den Monaten seit der Finissage der 34 Jahre alten Vorgänger-Ausstellung im letzten August passiert war, führte Kuratorin Karin Zuberbühler den Gästen vor Augen: Ausbau und Entsorgung der asbesthaltigen Eternit-Vitrinen, Sanierung der Räume durch die Stadt Olten, Konzeption der neuen Ausstellung durch das Team der Kantonsarchäologie Solothurn und einige externe Fachleute. Dann gings an die Realisierung, die buchstäblich bis in die letzten Minuten vor der Vernissage gedauert haben soll …

«Es kann eine gute Sache werden»

«Die Oltner Museumslandschaft ist in Bewegung – wir wissen noch nicht genau, wohin es geht», nahm Zuberbühler Bezug auf die noch ausstehenden Entscheide der Stadt Olten über ihre Museen. Doch zeigte sie sich optimistisch: «Es kann eine gute Sache werden – wir bleiben gerne hier.»

Was genau in Olten in Sachen Museen passiert, konnte auch Regierungsrat Roland Fürst – als Baudirektor zuständig für die Kantonsarchäologie – nicht verraten. Er stellt sich darauf ein, dass die jetzt eröffnete Archäologie-Schau im Jahr 2016 als Wanderausstellung in andere Teile des Kantons gehen wird, weil Olten dann sein Museumsgebäude an der Konradstrasse umbaut. Im Jahr 2018 sollte dann die Kantonsarchäologie wieder nach Olten «heimkehren» können, dannzumal wieder mit der Vernissage einer neuen Ausstellung.

Kanton hilft Olten finanziell

Dann konnte Fürst das Fenster zur Zukunft doch einen kleinen Spaltbreit öffnen: «Es könnte sein», kündigte Fürst an, «dass der Lotteriefonds die Überarbeitung der Museumslandschaft in Olten finanziell unterstützen würde. Im Regierungsrat haben wir jedenfalls schon darüber gesprochen.» Über den genauen Betrag sei noch nicht entschieden, aber der Grundsatzentscheid für einen Beitrag des Kantons sei gefallen, ergänzte Fürst auf Nachfrage.

Stadtpräsident Martin Wey wurde von dieser Ankündigung offensichtlich nicht überrascht: «Mit Hilfe des Kantons wird es uns gelingen, die Museen unter ein Dach zu bringen», bestätigte er in seiner Ansprache an der Vernissage. Gemeint ist damit das Naturmuseum Olten, das künftig mit dem Historischen und dem Archäologischen Museum zusammen im gleichen Haus Platz finden soll. Wey zeigte sich stolz, «dass Olten Hauptstadt der Archäologie des Kantons Solothurn sein kann.»

«Wer is(s)t denn da?»

Nach diesem museumspolitischen Vorspann nahm Karin Zuberbühler die Gäste mit auf den Rundgang durch die neue Ausstellung mit dem Titel «Wer is(s)t den da? 80 000 Jahre Essen und Trinken». Den Einstieg bildet ein Grabungszelt, wie es jeweils an aktuellen Ausgrabungen verwendet wird: Darin zu sehen ist ein echtes frühmittelalterliches Grab mit dem perfekt erhaltenen Skelett eines 22-jährigen Mannes. Es handelt sich um eines der 62 Gräber eines Friedhofs aus dem 6. und 7. Jahrhundert, der kürzlich in Grenchen ausgegraben wurde.

Rohe Leberli vom Murmeltier

Die zweite Station der Ausstellung ist eine Tafelrunde – der Tisch ist gedeckt für sechs Personen aus sechs verschiedenen Orten des Kanton Solothurn und sechs unterschiedlichen Zeitaltern. Dort können sich die Besucher selbst zu Tisch setzen und die für uns zum Teil verwunderlichen Menüs studieren, mit denen «Solothurner» der vergangenen 80 000 Jahre – so alt sind die ältesten Funde im Kanton – ihren Hunger und Durst stillten. Aus einer Kochgrube der Altsteinzeit kam etwa Wildpferdragoutsuppe mit Renmark und Türkenbundzwieblen; rohe Leberli vom Murmeltier mit gerösteten Engerlingen und gebratenen, braunen Schnecken; geschmorte Forelle oder Kugeln aus gedörrtem Schneehuhnfleisch mit Lachsfett und Bärentraubenbeeren. An Flüssigem gabs allerdings bloss Wasser aus dem Fellsack …

An den weiteren Stationen lernen die Besucher die sechs Personen und ihre Lebensumstände näher kennen. Als Informationsquellen dienten solothurnische Fundstätten: Für die Altsteinzeit Winznau und Gempen, für die Jungsteinzeit der Burgäschisee, für die Bronze- und Eisenzeit Obergösgen und Subingen, für die Römerzeit Rodersdorf, für das Mittelalter Altreu, Solothurn und Beinwil – und für die Moderne ein Einkaufszentrum in Olten.

Öffnungszeiten des Archäologischen Museums Kanton Solothurn an
der Konradstrasse 7 in Olten:
Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr.

Internetseite: www.amsol.ch