Am kommenden Montag fällt der Startschuss. Der Startschuss zur Pilotphase «Umweltfreude». Beteiligte: Die Suchthilfe Ost GmbH, deren Klienten und Grundlagenwerk, eine Konzeptschmiede mit Praxisbezug, wie sich Letztere nennt. Aber: Eine Pilotphase, beziehungsweise ein Projekt, ist nichts oder nicht viel ohne Kundschaft. Und so gehört auch die Bevölkerung Oltens dazu.

Diese kann sich noch bis Ende Monat für die kostenlose Testphase registrieren und erhält danach alle zwei Wochen einen Umweltsack in den Briefkasten gelegt. Und über diesen Umweltsack können rezyklierbare Abfälle (siehe Box) unsortiert entsorgt werden.

Ein- bis zweimal im Monat stellt der Kunde den Sack, ob voll oder nicht, nahe der Strassen auf dem Privatgrund zur Mitnahme hin. Privatgrund deshalb, weil die Verwechslungsgefahr mit dem ordentlichen Haushaltkehricht am Strassenrand minimiert wird.

Für den bereitgestellten Sack bekommt der Kunde einen frischen in den Briefkasten gelegt. Eingesammelt werden die Säcke von den Umweltfreunden, Klienten der Suchthilfe Ost. Diese trennen später in den Betriebsräumlichkeiten an der Aarburgerstrasse den Abfall nach Sorten, liefern die wertvollen Teile wie Metalle, Papier oder Karton gemäss Übereinkunft an den städtischen Werkhof und den Rest an die üblichen Sammelstellen.

«Dass die vergüteten Wertstoffe abgeliefert werden, darauf hab’ ich bestanden», sagt der städtische Werkhofchef René Wernli. Er sieht im Projekt «Umweltfreunde» durchaus die sinnvolle Möglichkeit, Konsumenten an eine noch differenziertere Entsorgung von Abfall heranzuführen. «Da gibts schon noch Nachholbedarf. Denn im üblichen Haushaltkehricht finden sich noch zu viele Dinge, die eigentlich in eine Spezialsammlung gehören würden», wie er meint.

Pilotphase von drei bis vier Monaten

Die Pilotphase ist von den drei Hauptverantwortlichen Reno Sami, Christoph Hess und Beni Brennwald für die Monate November, Dezember und Januar veranschlagt worden. «Gut möglich, dass wir die Pilotphase verlängern werden», räumt Reno Sami, Geschäftsführer der Suchthilfe Ost ein.

Aber man ist im Männertrio guter Dinge, Ende Januar über die definitive Einführung der «Umweltfreunde» befinden zu können. «Ich bin sonst eher skeptisch», sagt Christoph Hess, Abteilungsleiter Unterstütztes Arbeiten bei der Suchthilfe Ost, aber diesem Projekt blicke er positiv entgegen.

«Wir arbeiten da in einem schon fast geschlossenen Kreislauf», meint er. «Rund zehn Personen sammeln und sortieren Abfall. Dieser Arbeit wohne eine gewisse Dynamik und Sinnhaftigkeit inne. «Das kommt meinen Mitarbeitenden, wie ich sie nenne, absolut entgegen», so Hess.

Der Umstand, dass die Pilotphase ausgerechnet in die Wintermonate fällt, schreckt niemanden aus dem Männertrio. Viel eher argumentiert man dort: «Wenns im Winter klappt, dann sicher auch im Sommer.» Die Infrastruktur jedenfalls steht bereit: Ein E-Bike mit Kupplung samt Anhänger warten. «Wir haben von einem sogenannten Cargovelo abgesehen; schon nur wegen dessen Eigengewicht», verrät Hess. Das angeschaffte E-Bike hingegen könne auch für andere Zwecke gebraucht werden, meint er.

Rund 40 Interessenten sind derzeit beim Piloten dabei

Bislang haben sich gegen 40 Haushalte für die Pilotphase «Umweltfreunde», angemeldet und lassen ihren speziellen Kehrichtsack wie bereits erwähnt, ein- bis zweimal pro Monat abholen. «Es ist uns wichtig, dass sich alle Interessierten noch bis spätestens Ende November anmelden», sagt Beni Brennwald vom Grundlagenwerk.

Er hat Marke und Software zum Projekt entwickelt; so auch eine App, die dem Fahrer – nach Bedarf – den optimalen Weg durch die vier Quartiere Oltens weist. Je nach Quartier sind die Sammeltage zwar unterschiedlich, aber stets auf Montag oder Mittwoch angesetzt, wie der Flyer verrät.

Zu verwenden sind ausschliesslich die grünen Umweltsäcke der Umweltfreunde. Während der Pilotphase erfolgt der Dienst übrigens gratis und unverbindlich; später soll die Dienstleistung mit rund 15 Franken pro Monat zu Buch schlagen. «Wir liegen damit unter dem branchenüblichen Preis, der in Zürich beispielsweise bei 18 Franken liegt», sagt Sami, der das Projekt auch vom Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung, Peter Hodel, gutgeheissen weiss.

Neben Olten, Gösgen und Gäu sind im Übrigen auch die Bezirke Thal, Dorneck und Thierstein als Gesellschafter an der GmbH beteiligt. «Weitere Ableger der Umweltfreunde im Wirkungsgebiet der Suchthilfe Ost sind in Planung.

«Müheloses Recycling braucht nur die richtigen Freunde.» Unter diesen Vorzeichen tritt das Projekt in seine Pilotphase, wie der Klappprospekt verrät. Auch weil die damit verbundene Arbeit «eine sinnvolle Alltagsgestaltung für Personen in besonderen Lebenslagen bietet», so der Prospekt weiter.