Olten
Motion fordert wieder verlängerte Öffnungszeiten der Stadtbibliothek

Die Reduktion der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Olten soll via Motion rückgängig gemacht und wieder auf den Stand des Jahres 2014 ausgedehnt werden. Der Stadtrat empfiehlt dem Parlament, den Vorstoss abzulehnen.

Urs Huber
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Die seit Anfang Jahr geltenden reduzierten Öffnungszeiten der Stadtbibliothek stossen vielen sauer auf.

Die seit Anfang Jahr geltenden reduzierten Öffnungszeiten der Stadtbibliothek stossen vielen sauer auf.

BRUNO KISSLING

Seit Anfang 2015 hat die Stadtbibliothek Olten ihre Öffnungszeiten reduziert; auf wöchentlich 24 Stunden. Grund dafür: Eine auf diesen Zeitpunkt hin erfolgte Stellenreduktion um 50 auf 300 Prozent. Die Motion Simon Haller (glp) fordert nun, dass die Öffnungszeiten per Anfang 2016 wieder auf den Stand von 33 Stunden/Woche anzuheben sei, was der Öffnungsdauer von 2014 entsprechen würde.

Gleichzeitig sollen die Nettokosten für die Bibliothek auf dem Stand des Jahres 2015 gehalten werden. «Nur eine geöffnete Bibliothek ist eine richtige Bibliothek», argumentiert Haller. Denn: Mit der womöglich überdimensionierten Reduktion der Öffnungszeiten auf Einsparungen zu reagieren sei nur auf den ersten Blick zwingend.

Haller und Mitunterzeichnende sind mit diesem Ansinnen im Übrigen nicht allein; Stimmen aus den Nutzerkreisen der Bibliothek schlagen in die selbe Kerbe. Der Motionär schlägt deshalb vor, mit den unterschiedlichsten Massnahmen die Wiedereinführung der Öffnungszeiten von 2014 zu ermöglichen; und dies für die Stadt kostenneutral.

Das Massnahmenpaket

Eine der Massnahmen: der Einbezug der Aussengemeinden. Rund die Hälfte der regelmässigen Bibliotheksnutzer würde aus Aussengemeinden stammen, ohne dass deren Einwohnergemeinden sich an den Kosten beteiligten. Auch sieht der Motionär vor, Freiwillige in die Bibliotheksarbeit einzubinden. Das schaffe gleichzeitig eine noch bessere Verwurzelung der Einrichtung in der Oltner Bevölkerung. Zusätzlich regt der Motionär an, die Nutzerbeiträge zu erhöhen. Diese seien tief und «eher symbolischer Natur».

Der Stadtrat beantragt an der Parlamentssitzung vom 25. Juni, die Motion Haller abzulehnen. Im Vergleich zu andern Bibliotheken stehe die Stadtbibliothek Olten bezüglich Stellenetat «mit grossem Abstand» am hinteren Ende. 500 Stellenprozente und wöchentliche Öffnungszeiten von gut 34 Stunden werden in Zofingen (mit vergleichbarem Bestand) notiert; 400 Stellenprozente mit einer wöchentlichen Öffnungszeit von gut 33 Stunden (bei einem Drittel des Bestandes) in Burgdorf oder 950 Stellenprozente bei einer wöchentlichen Öffnungszeit von 45 Stunden in Aarau, wobei in der Bibliothek der Kantonshauptstadt keine Magazinbestände geführt werden. Diese Aufgabe übernimmt dort die Kantonsbibliothek.

Alles in allem, so der Stadtrat, sei eine richtige Bibliothek nicht nur eine offene, sondern auch eine, die qualitativ hochstehende Dienstleistungen erbringen könne. Damit erteilt die Exekutive der Anregung nach freiwillig Mitarbeitenden eine Abfuhr, denn «sich stundenlang in hoher Frequenz auf neue Fragen und Wünsche, auf neue Personen jeglichen Alters einzustellen, verlangt hohe Flexibilität.» An der Ausleihe könnten daher keine «billigen» Arbeitskräfte oder Freiwillige sitzen. «Ihnen würde schlicht und einfach das Wissen fehlen», so der Stadtrat.

Der Steuersatz als Argument

Auch den Einbezug der Aussengemeinden erachtet der Stadtrat als problematisch. Die Stadt Olten sei eine Zentrumsgemeinde, deren Angebote auch von der Bevölkerung aus der Agglomeration genutzt werden. «Diese konsumiert beim Besuch in Olten bei vielen privaten Oltner Anbietern, die wiederum Steuern zahlen», so die Argumentation. Der Stadtrat verweist auch auf die Tatsache, dass in vielen umliegenden Gemeinden andere Steuersätze gelten würden. «Die Aussengemeinden weisen bei Unterstützungsanfragen gerne auf diesen Umstand hin», so der Stadtrat pointiert.

Schliesslich wendet sich der Stadtrat auch gegen eine Erhöhung der Nutzergebühr. Zwar stimmt er mit dem Motionär hinsichtlich der tiefen Preise überein, aber er argumentiert, dass diese auch den Zugang breiter Kreise ermöglichen. Zudem gebe es viele Bibliotheken, deren Nutzung gratis sei (FHNW-Bibliothek). Auch fehle in Olten vieles, was zu einer «richtigen» Bibliothek gehöre: geschlossener Lesesaal, Räumlichkeiten für Gruppenarbeit, Computerarbeitsplätze mit Druckmöglichkeit, gemütliche Sitzecke, Selbstverbuchung und, und, und.

Eine Erhöhung der Gebühr hätte eine Abwanderung zur Folge, fürchtet der Stadtrat und bilanziert: «Die Stärken der Stadtbibliothek Olten sind deshalb nach wie vor das Know-how, die kompetente Bedienung. Aufmerksamkeit und die persönliche Wertschätzung der Kunden.»