Er führt seit 1988 erfolgreich ein Clubrestaurant im Londoner Diplomatenviertel Belgravia, bekocht immer wieder die britische Königsfamilie und ist mit den Stars dieser Welt per Du. Doch die Kleinstadt Olten war für den heute 70-jährigen Starkoch Anton Mosimann eine Nummer zu gross.

Zwischen 2001 und 2003 versuchte er erfolglos, das Clubkonzept auf das Sälischlössli auszuweiten: Firmen sollten auf dem umbenannten «Château Mosimann» Zimmer ausstatten und waren im Gegenzug Namensgeber. Clubmitglieder konnten dann in den Räumen gediegen speisen – eine Mitgliedschaft kostete 1000 Franken pro Jahr. Mosimann hat rund drei Millionen Franken in das Gebäude hoch über Olten investiert – er ersetzte etwa die alte Wirtewohnung mit einem zweigeschossigen Anbau inklusive Lift auf die Dachterrasse.

In der kürzlich erschienenen Autobiografie «Life is a circus» schrieb Mosimann über seine Oltner Zeit, dass diese das «schmerzlichste Kapitel meines Berufslebens» gewesen sei. Er sei wohl bei Vertragsabschluss «zu gutgläubig, zu verliebt in das Schlösschen und die tolle Aussicht» gewesen, resümiert er.

Am Anfang hätte es noch gut ausgesehen, «2002 war es harzig geworden». Immer wieder sei er in die Schweiz geflogen, «zunehmend mit Bauchweh», wie der im seeländischen Nidau in einer Wirtefamilie aufgewachsene Mosimann schreibt. «Bis ich mir eingestehen musste, dass das Clubkonzept hier bei Olten nicht funktionierte.» Olten sei zu weit weg von Zürich und «ich konnte nicht gleichzeitig in London und Olten sein.»

Sälischlössli kostete halbe Million

Auch ein anderer Protagonist der damaligen Zeit kommt heute zum selben Schluss. Felix Frey, der seit 1997 Oltner Bürgergemeindepräsident ist, sagt zur kurzen Ära Mosimann: «Wenn wir damals gewusst hätten, dass Mosimann sein Clubkonzept nicht nur auf dem Sälischlössli, sondern zeitgleich auch in Berlin und Frankreich kopieren wollte, hätten wir keinen Vertrag abgeschlossen.»

Von diesen Projekten, die beide auch gescheitert sind, habe die Bürgergemeinde erst später erfahren. «Damit hat sich Mosimann übernommen», sagt Frey. Trotzdem ist Frey überzeugt, dass das Clubkonzept auf dem Sälischlössli nicht von Beginn weg zum Scheitern verurteilt war. Wäre er häufiger selbst anwesend gewesen, hätte die Sache laut Frey funktionieren können.

Aus Sicht der Bürgergemeinde sei es «schade, dass es nicht geklappt hat, weil es eigentlich eine gute Sache war». War das Sälischlössli für die Bürgergemeinde bis dahin ein Negativgeschäft, holten die Bürger mit Mosimann eine schwarze Null heraus.

Mit dem vertraglich abgemachten Baurechtszins von 70'000 Franken pro Jahr konnte die Bürgergemeinde die weiteren Kosten rund um das Sälischlössli berappen wie die des Winterdienstes auf der Zufahrtsstrasse oder der Instandhaltung diverser Leitungen wie Wasser oder Strom. Zudem steckte Mosimann wie eingangs erwähnt rund drei Millionen Franken ins Sälischlössli. So viel Geld hätte die Bürgergemeinde kaum in die Hände genommen: «Wir hätten nur in die Verbesserung der Bausubstanz, aber kaum in Umbauten investiert», sagt Frey.

Der Baurechtsvertrag erstreckte sich über 50 Jahre, «eine sehr lange Zeit», so Frey, aber Mosimann sei davon ausgegangen, dass sein Werk auf dem Sälischlössli mal weitergeführt werde. Und was bisher noch nicht bekannt war: Nach dem Scheitern des Clubkonzepts übernahm die Bürgergemeinde Olten das Sälischlössli zum gleichen Preis wieder, wie sie es damals an Mosimann verkauft hatte, das war unter den Parteien so ausgemacht: nämlich für 500'000 Franken.

Anton Mosimann: «Life is a circus», Friedrich Reinhardt Verlag, 400 Seiten.