Freilicht-Theater

Morgarten ade, der Landesstreik kommt nach Olten

Das beeindruckte Esther Gassler: Zum Jubiläum der 500-jährigen Zugehörigkeit der beiden Appenzell zur Eidgenossenschaft inszenierte Regisseurin Liliana Heimberg im Auftrag der beiden Kantone 2013 auf dem Landsgemeindeplatz in Hundwil AR das Festspiel mit 160 Laien aus Inner- und Ausserrhoden. Daniel Schmid/Photopress

Das beeindruckte Esther Gassler: Zum Jubiläum der 500-jährigen Zugehörigkeit der beiden Appenzell zur Eidgenossenschaft inszenierte Regisseurin Liliana Heimberg im Auftrag der beiden Kantone 2013 auf dem Landsgemeindeplatz in Hundwil AR das Festspiel mit 160 Laien aus Inner- und Ausserrhoden. Daniel Schmid/Photopress

Im Jahr 2018 wird Olten nationale Bühne für die Erinnerung an den Landesstreik von 1918. Für das Freilicht-Theaterprojekt setzt Projektleiterin und Regisseurin Liliana Heimberg auf eine Beteiligung der Bevölkerung.

2015 ist ein Gedenkjahr für zwei alte Schlachten: Morgarten und Marignano. 2018 soll dagegen ein Ereignis ins Gedächtnis gerückt werden, das die Gross- und Urgrossväter der heutigen Generation erschütterte und aus der Schweiz das Land machte, das wir heute kennen: der Landesstreik von 1918. Schauplatz des Projekts «100 Jahre Landesstreik 2018» wird Olten. Der Kanton Solothurn ist «auftraggebender Gastkanton» und zahlt 500 000 Franken.

Projektleiterin ist die Regisseurin Liliana Heimberg (Zürich), Professorin für Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie will die noch vorhandenen Erinnerungen an die Zeit des Landesstreiks nutzen. In einem Vorprojekt, das im Januar 2016 startet, werden Personen mit solchen Erinnerungen gesucht.

Laien zum Mitspielen gesucht

Auch für das Freilicht-Theaterprojekt im Spätsommer 2018 setzt Heimberg auf eine Beteiligung der Bevölkerung. Als Mitwirkende sind bis zu 200 Laien jeden Alters gesucht – aus Theatervereinen der Region, aber auch «Neulinge». Jeder Theaterabend soll dazu Szenen aus andern Kantonen und Städten bieten, auch auf Französisch und Italienisch. Das Landesstreik-Theater in Olten soll Landesgrenzen übergreifende Begegnung ermöglichen.

Die Aufführungen sollen zwischen Mitte August und Mitte September 2018 stattfinden. Olten bietet sich dafür mit seiner zentralen Lage an, aber auch wegen der Rolle des Eisenbahnknotens im Landesstreik. Der genaue Spielort in der Stadt steht noch nicht fest.

Kanton Solothurn als Gastgeber

Die Durchführung des Projekts beschlossen hat letzte Woche der Solothurner Regierungsrat. Er versteht sich als Gastgeber eines «Freilichttheater-Ereignisses mit gesamtschweizerischer Ausrichtung», wie es im Beschluss zur Projektfreigabe heisst. Die Regierung sieht darin eine Chance, dem Kanton gesamteidgenössische Beachtung zu verschaffen. Staatsschreiber Andreas Eng stellt die Beteiligung am Landesstreik-Projekt 2018 in eine Reihe mit den Auftritten als Gastkanton am Marché-Concours von Saignelégier 2012 und an der Olma in St. Gallen 2013. 

Das ist der Regierung eine Stange Geld wert. Sie hat dem Theaterprojekt «100 Jahre Landesstreik 2018» einen Beitrag von einer halben Million Franken aus dem Lotteriefonds zugesichert, zahlbar in vier Tranchen bis Ende 2019.Solothurns Beitrag als «auftraggebender Gastkanton» soll etwa einen Fünftel der Gesamtkosten decken, die auf 2 613 000 Franken veranschlagt sind. Dies entspreche dem üblichen Anteil von Lotteriefonds-Beiträgen, erklärt der Leiter des Amts für Kultur und Sport, Cäsar Eberlin, auf Anfrage.

Die andern vier Fünftel des Aufwands sollen weitere Kantone, der Bund, Wirtschaft und Eintritte beisteuern. Zugesichert ist davon noch nichts. «Aber die Signale sind positiv», erklärt Liliana Heimberg. Das Projekt sei der Konferenz der Kulturbeauftragten der Nordwestschweiz (die neben SO, BS, BL und AG auch die Kantone ZH, BE und LU umfasst) präsentiert worden, ebenso dem Bundesamt für Kultur.

Esther Gassler als Präsidentin

Die Rolle des Partners gegenüber diesen Geldgebern übernimmt ein Trägerverein, der im Dezember gegründet werden soll. Der Kanton tritt dem Verein bei, Regierungsrätin Esther Gassler vertritt darin die Kantonsregierung und ist als Präsidentin vorgesehen.

Durch Esther Gassler kam der Kontakt der Regisseurin zum Kanton zustande. Als Frau Landammann 2013 hatte sie Szenen aus Heimbergs Festspiel zur 500-jährigen Zugehörigkeit der beiden Appenzell zum Bund gesehen. Gassler war beeindruckt von Heimbergs Arbeit mit nichtprofessionellen Darstellern. Auf Anfrage zeigt sie sich fasziniert vom Projekt, den Landesstreik ins Gedächtnis der Bevölkerung zu rufen. Die Regierung versteht ihr Engagement für das Landesstreik-Projekt als Ausdruck der in Artikel 2 der Kantonsverfassung genannten Rolle des Kantons als «Mittler zwischen den Kulturgemeinschaften der Schweiz».

Dem Regierungsrat ist bewusst, dass der Landesstreik bis heute ein umstrittenes Thema ist: «Tendenziöse Deutungen sind im Rahmen der Projektumsetzung nicht ganz auszuschliessen», schreibt er selber im Beschluss. Er setzt aber darauf, dass die Einbindung breiter Bevölkerungsschichten es ermöglichen werde, dem Landesstreik «aus heutiger Sicht möglichst sachlich zu begegnen». Als wissenschaftlichen Fachmann will Liliana Heimberg den Historiker Stefan Keller beiziehen, bekannt als Autor von «Grüningers Fall».

Kontaktadresse für Erinnerungen an den Landesstreik: heimberg@hispeed.ch

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