Wangen bei Olten
Modellflugzeugbauer mit Leidenschaft und Fingerspitzengefühl

Rolf Weyermann aus Wangen bei Olten baut eigene Modellflugzeuge. Neben Fingerspitzengefühl braucht der 80-jährige viel Geduld beim Ausüben seines Hobbys.

Sarah Kunz
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Rolf Weyermann, Modellbauer und Modellflieger, in seiner Werkstatt
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Dank seinem Vater entdeckte der heute 80-Jährige die Freude an der Fliegerei
Rolf Weyermann, Modellbauer und Modellflieger, in seiner Modellwerkstatt

Rolf Weyermann, Modellbauer und Modellflieger, in seiner Werkstatt

Bruno Kissling

Kleine Plüschtiere dienen als Piloten. Die Herren Dachs, Frosch und Nilpferd bitte einsteigen, anschnallen und den Motor starten. Ready for Take-off.

Das Modellflugzeug gehört Rolf Weyermann aus Wangen bei Olten und ist nicht einfach aus einem fertigen Bausatz entstanden, sondern von Hand millimetergenau aus Depron-Platten ausgeschnitten und zusammengebaut.

Das Sagex-ähnliche Material eignet sich aufgrund seiner Kompaktheit und Leichtigkeit gut für den Modellbau. Der frühere Teilnehmer an Flugwettbewerben hat sogar schon Modelle für ein Hilfswerk gebaut.

Entstehung einer Leidenschaft

Der heute 80-Jährige verdankt die Freude an der Fliegerei seinem Vater. Dieser hat ihm zum 15. Geburtstag ein Segelflugmodell geschenkt, welches beide in den Himmel steigen lassen wollten. Unglücklicherweise brachte jedoch ein Windstoss das Modell zum Absturz und die Frage kam auf, wie man das kaputte Flugzeug denn flicken sollte.

So entwickelte Weyermann den Wunsch, sich das nötige Wissen dafür anzueignen. Dieser wurde verstärkt, als Weyermann ins Militär ging, wo er Freunde mit dem gleichen Interesse an der Fliegerei fand.

Der gelernte Verpackungstechnologe und seine Kollegen übten sich dazumal in Fesselflugmodellen. Mithilfe eines Verbrennungsmotors flogen diese an einer Leine im Kreis.

Anders liessen sich die Modelle noch nicht steuern. Das erste ferngesteuerte Segelflugmodell erwarb Weyermann dann im Jahr 1971. Damals noch mit einem Motoraufsatz, den man nur an-, aber nicht mehr abschalten konnte.

Ab da knüpfte der Wangner erste Beziehungen zur Modellfluggruppe Schöftland und begann seine ersten regionalen und interregionalen Wettbewerbsflüge. «Einige habe ich sogar gewonnen», sagt er stolz. Internationale Wettbewerbe hätte er jedoch nie bestritten. «Das war finanziell nicht mehr tragbar.» Denn solche Modelle kosten rund 15 000 Franken.

Statt Bausatz eigene Modelle

Den letzten Wettbewerb bestritt Weyermann im Jahr 2011. «Leider hatte ich da Pech und mein Modell stürzte ab», erzählt der Wangner. Danach habe er angefangen, einige Modelle zu verkaufen. Behalten hat er nur seine selbst entworfenen. «Die bleiben immer bei mir. Die sind mein ganzer Stolz.»

Aus einer Laune heraus hat Weyermann beim Zusammenbau eines Bausatzes alle einzelnen Teile abgezeichnet und auf Karton übertragen. Diese dienen seither als Vorlage für seine Kreationen.

Aus Depron-Platten schneidet der Hobbyflieger die einzelnen Teile aus und verändert sie mit jedem Modell minimal, um dem Flugzeug jeweils ein anderes Aussehen zu verleihen. «Nur die Tragfläche und das Höhenleitwerk bleiben überall gleich. Sonst würde das Modell ja nicht mehr fliegen», erzählt Weyermann.

Seine Inspiration nimmt der Wangner von überall her. «Das Design entsteht immer nach meinen eigenen Vorstellungen.» Ein Flair habe er jedoch für amerikanische Kampfflugzeuge. Zwei seiner Modelle sind deshalb der amerikanischen Air Force und der Navy nachgebaut.

«Hier drin sitzt Herr Dachs.» Weyermann zeigt auf das getigerte Modell. «Jemand muss das Flugzeug schliesslich steuern», sagt er schmunzelnd. Ein kleiner Scherz am Rande. Denn dies macht natürlich Weyermann selbst, per Fernsteuerung über Funk.

Nachgebautes Hilfsflugzeug

Unter anderem hat Weyermann auch die Cessna 208B Grand Caravan der Mission Aviation Fellowship (MAF) nachgebaut. Die MAF ist ein weltweit tätiges Missionswerk mit Sitz in Aarau, das Hilfswerken in Entwicklungsländern ihre Frachtflugzeuge zur Verfügung stellt.

Der Wangner hat für das Hilfswerk einige Spenden getätigt, bevor man dann miteinander ins Gespräch kam. «Eigentlich war das alles ein glücklicher Zufall», sagt der Modellbauer. «CEO Hansjörg Leutwyler besass einige Bausätze aus China, die er zusammenbauen lassen wollte.» Weyermann erklärte sich bereit, diese Arbeit für die MAF zu übernehmen.

Nach rund 400 Stunden Arbeit war das 1,2 Kilogramm schwere Modell mit einer Spannweite von 1,65 Metern bereit für den ersten Flug. «Das Schwierigste ist immer die Detailarbeit», erzählt Weyermann.

Flugfähig wäre das Modell bereits nach der Hälfte der Arbeitszeit gewesen. Aber bis es dann dem Original entsprach, brauchte es viel Geduld und Fingerspitzengefühl. «Das war mir die ganze Arbeit aber wert», sagt Weyermann. «Die MAF tut da eine gute Sache.» Die drei von Weyermann zusammengesetzten Modelle sind mittlerweile wieder im Besitz der MAF.

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