Bifangplatz
Mitten im Bifangquartier — hier nahm die Pilloud-Garage ihre Anfänge

Wo heute ein Wohnblock steht, gab es früher die erst kürzlich in Starrkirch-Wil geschlossene Pilloud-Garage. Dort begann 1935 die spannende Geschichte der eben genannten Garage.

Urs Amacher
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So sieht das Gebäude der ehemaligen Bifang-Garage heute aus: Ein Wohnhaus mit dem Supermarkt Alima und der Shishabar Darwin’s Social Club.
4 Bilder
Die Bifang-Garage an der Ecke Florastrasse/Unterführungsstrasse um 1950.
Autogarage mitten im Oltner Bifangquartier
Gustav Pilloud übernahm 1935 die BIfang-Garage in Olten von Vorgänger Hieronymus Born, 1954 zügelte er die Firma nach Starrkirch-Wil, Anfang dieses Jahres ist sie endgültig von der Bildfläche verschwunden.

So sieht das Gebäude der ehemaligen Bifang-Garage heute aus: Ein Wohnhaus mit dem Supermarkt Alima und der Shishabar Darwin’s Social Club.

Bruno Kissling

Mit der Schliessung der Elite-Garage in Starrkirch-Wil vor einigen Wochen ging eine Ära zu Ende, die vor 83 Jahren am Oltner Bifangplatz begonnen hatte. 1935, am 1. Oktober, übernahm Gustav Pilloud von Hieronymus Born die damalige Ford-Autowerkstätte an der Einmündung der Florastrasse in die Unterführungsstrasse. 1954 verlegte er sie an die Aarauerstrasse 16 nach Starrkirch-Wil und änderte den Firmennamen zu Pilloud AG Garage Elite.

Gustave Robert Pilloud, der Firmengründer, wurde am 20. Juni 1899 in Lausanne geboren. Schon früh verlor er seine Eltern und kam nach Oberwil im Simmental, wo er von seiner Grossmutter aufgezogen wurde. Nach der obligatorischen Schulzeit begann er eine Mechanikerlehre. Ein niederländischer Arzt erkannte die Begabung Gustav Pillouds und ermöglichte ihm den Eintritt in die Technische Schule Konstanz. Dort schloss er das Studium als Ingenieur erfolgreich ab. Anschliessend trat er in den Dienst der belgischen Ford-Werke. Die 1922 in Antwerpen frisch gegründete Ford Motor Company Belgium verkaufte die in Belgien gebauten Fahrzeuge auch in die Kolonie Kongo, nach Luxemburg, ins Rheinland und in die Schweiz. Der zweisprachige Gustav Pilloud erhielt von Ford die Zonenleitung für den Schweizer Markt. Als Service- und Garantie-Inspektor bereiste er während zehn Jahren das ganze Land, betreute die Ford-Händler und achtete darauf, dass die technischen Standards erfüllt wurden.

Sohn entwarf neuen Firmensitz

Auf einer solchen Inspektionsreise besuchte Pilloud auch die Bifang-Garage in Olten. Dabei verriet ihm Hieronymus Born, der Inhaber dieser «offiziellen Ford-Vertretung», dass er seine Autowerkstatt am Bifangplatz aufgeben wolle. Gustav Pilloud griff zu und so konnte er am 1. Oktober 1935 die Garage mietweise übernehmen. Born allerdings behielt die Wohnung samt der Esso-Tankstelle an der Einmündung der Florastrasse in die Aarauerstrasse. Pilloud blieb mit dem Stammhaus verwachsen und reiste regelmässig ins Ausland an die westeuropäischen Versammlungen und Veranstaltungen der Ford-Werke. Zeitlebens blieb er Mitglied der Sektion Olten des Verbandes reisender Kaufleute.

Mit der Firmengründung verlegte Gustav Pilloud auch seinen Wohnsitz nach Olten. Zusammen mit seiner Frau Marguerite und Sohn Charles bezog er eine Wohnung im Haus Florastrasse 44. Im Sommer 1939, nach der Geburt eines zweiten Sohns Jeanpierre, zügelte die Familie an die Sonnhaldenstrasse und wechselte im März 1942 ins Haus Pfarrweg 15.

Mutter Marguerite Pilloud war häufig krank und verstarb, als Jeanpierre sieben Jahre alt war. Sie war über lange Zeit von Martha Müller gepflegt worden. Martha Müller, die ehemalige «Schwester Mary» des Kantonsspitals Olten, hatte auch den Haushalt besorgt und die beiden heranwachsenden Söhne betreut. Schliesslich schlossen Gustave Pilloud und Martha Müller im September 1949 den Bund der Ehe.

Ingenieur Gustav Pillouds Garage entwickelte sich zu einem blühenden Auto-Gewerbe. Am Bifangplatz war allerdings die räumliche Ausdehnung des Betriebs gehemmt. Deshalb entschloss sich Pilloud zum Bau einer neuen Garage an der Oltner Stadtgrenze. An der Aarauerstrasse in Starrkirch-Wil entwarf der ältere Sohn Charles einen neuen Firmensitz. Charles Pilloud studierte Architektur an der ETH in Zürich und konnte das Neubau-Projekt gleichzeitig als Examensarbeit bei seinem Hochschulprofessor einreichen.

Das Grundstück am Bifangplatz wurde später vom Consum-Verein Olten übernommen, der anfangs der Sechzigerjahre durch den Härkinger Architekten Hans Wyss ein neues Coop mit 32 Wohnungen erstellen liess. Mit der Verlegung der Autogarage vom Bifang nach Starrkirch-Wil 1954 wandelte Pilloud seine Einzelfirma in eine Aktiengesellschaft um. Gleichzeitig änderte er logischerweise den Namen des Unternehmens von «Gustav Pilloud Ing. Bifang Garage» um in «Pilloud AG Garage Elite».

Die legendäre Auto-Ausstellung

1961 erkrankte Gustav Pilloud schwer und verstarb Ende November 62-jährig. Deshalb musste sein jüngerer Sohn Jeanpierre, obwohl erst 22 Jahre alt, die Führung des Geschäfts übernehmen. Jeanpierre Pilloud verbrachte die Freizeit häufig in der väterlichen Autogarage gegenüber. Nach der Bezirksschule absolvierte er die Handelsschule in Neuenburg, die er nach drei Jahren mit dem Diplom abschloss. Um sich praktische Berufserfahrungen zu erwerben, trat er seine erste Stelle bei der Winterthurer Autofirma Hugo Erb AG an; sein effektiver Einsatzort als kaufmännischer Angestellter war die Filiale Talbach-Garage in Frauenfeld. Er kehrte nach Starrkirch-Wil zurück und wirkte anschliessend über vierzig Jahre im Autogewerbe.

Legendär ist die erste Auto-Ausstellung im Oltner Konzertsaal 1951: Fensterpfosten mussten durchgesägt und eine Holzrampe errichtet werden, damit die Autos in das Gebäude kamen. Zusammen mit seiner Frau Doris führte Jeanpierre Pilloud die Elite-Garage bis zu seiner Pensionierung. Da ein Nachfolger fehlte, wurde die Firma an Bobnar aus Hägendorf verkauft. Die Geschäftsübergabe erfolgte am 1. Oktober 2005. 2010 konnte noch das 75-Jahre-Jubiläum gefeiert werden. Anfangs 2018 aber gab Bobnar den Standort auf.

Quellen Mündliche Auskunft durch Doris und Jeanpierre Pilloud-Siegrist sowie Victor Rüegger, Stadtarchiv Olten, Stadtbibliothek Olten.