Olten
Mitgliederschwund und sinkende Steuereinnahmen: Die Christkatholiken sind in der Krise

Der christkatholischen Kirchgemeinde der Region Olten machen der Mitgliederschwund und die damit einhergehenden sinkenden Steuereinnahmen zu schaffen. Als Mittel dagegen haben die Gemeindeversammlung unter anderem einem Verkauf von Liegenschaften zugestimmt.

Fabian Muster
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Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr (stehend) und der neue Rat bei seiner ersten Gemeindeversammlung.

Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr (stehend) und der neue Rat bei seiner ersten Gemeindeversammlung.

Patrick Lüthy

An ihrer ersten Gemeindeversammlung, welche die neue Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr coronabedingt in der Oltner Stadtkirche führte, stimmte sie die Gläubigen am Dienstagabend auf schwierige Zeiten ein. Der gesellschaftliche Trend der Säkularisierung mache auch vor den Christkatholiken der Region Olten nicht halt: Seit der turbulenten Kirchgemeindeversammlung im Dezember 2019, als der gesamte Gemeinderat per sofort zurückgetreten war, hat die Gemeinde unter anderem auch deswegen 64 Mitglieder verloren. Mit den inzwischen wieder 7 Eintritten weist die Kirche mit 31 angeschlossenen Gemeinden der Region Olten, Gäu und Thal noch 430 Gläubige auf.

Die sinkenden Mitgliederzahlen haben finanziellen Folgen: «Die Einnahmen sinken bei gleichbleibend hohen Ausgaben.» Es fehlte der Nachwuchs. «Wenn wir jetzt nichts unternehmen, um die Finanzen zu sanieren, dann ist die Kirchgemeinde 2022 am Ende und wird vom Kanton gesteuert.» Rudolf von Rohr schloss mit der unmissverständlichen Ansage, dass «wir etwas tun müssen». Zudem gab sie den Gläubigen mit auf den Nachhauseweg, darüber nachzudenken, wie die Christkatholiken den Mitgliederschwund aufhalten und sich als Institution Kirche neu erfinden könnten.

Ein Blick in die Rechnung 2019 und ins Budget 2021, die beide gleichzeitig behandelt und mit grossem Mehr abgesegnet wurden, zeigt die finanziell düstere Lage auf. Sowohl die Rechnung mit 292'000 Franken als auch der Voranschlag 2021 mit sogar 311'000 Franken weisen ein Defizit auf. Die Steuereinnahmen sind wegen der Austritte stetig am Sinken und seien auch «zu optimistisch budgetiert» worden. Per Ende 2019 beträgt die Nettoschuld pro Mitglied bereits 4100 Franken.

Der Gemeinderat setzt beim Sparen ein Zeichen

Um sich «etwas Luft zu verschaffen», wie es Präsidentin Rudolf von Rohr ausdrückte, wolle die Gemeinde weitere Liegenschaften verkaufen. Bereits im Juni 2019 hat der Souverän dem Verkauf der Kirche, des Gemeindesaals und einer Landparzelle in Starrkirch-Wil an die Einwohnergemeinde mit grossem Mehr zugestimmt. Dieser Verkauf brachte rund 250'000 Franken ein. Nun wird auch noch das dazugehörige Pfarrhaus für 850'000 Franken an die langjährigen Mieter veräussert. Die Gemeindeversammlung stimmte diesem Geschäft nach kurzer Diskussion mit grossem Mehr zu.

Pfarrhaus in Starrkirch-Wil wird verkauft

Die rund 30 Christkatholiken haben an der Gemeindeversammlung am Dienstagabend dem Verkauf des Pfarrhauses für 850'000 Franken klar zugestimmt. Käufer sind die langjährigen Mieter im Haus. Gemäss Daniel Blaser, dem von den Christkatholiken zuständigen Verantwortlichen, sei es «ein sehr guter Preis», der über dem Schätzwert liege. Blaser machte auch auf die hohen Sanierungskosten aufmerksam, die auf die Kirchgemeinde zukommen könnten, wenn das Gebäude im Besitz der Christkatholiken bleiben würde; nämlich in der Grössenordnung von über 300'000 Franken. Vieles an dem Haus sei in sehr schlechtem Zustand, etwa die diversen Leitungen, die Fenster oder das Dach. Die Gemeinde stimmte dem Anliegen mehrheitlich zu. Einzig Fritz Neuhaus meinte, dass «der Kaufpreis zu günstig angesetzt ist». Mit dem Verkauf fielen zudem die Nettomiete von jährlich 23'000 Franken weg. (fmu)

Eine weitere positive Meldung gabs auch bei den Schulden: Weil eine Hypothek in Höhe von 1,5 Millionen Franken für die Sanierung der Stadtkirche nicht benötigt wurde wegen den hohen Spendeneinnahmen, will die Gemeinde künftig auf die Zinskosten verzichten. Dafür zahlen die Christkatholiken aber einmalig eine Vorfälligkeitsprämie an die Raiffeisenbank von 44500 Franken.

Trotz der finanziell nicht rosigen Lage verzichtet der Gemeinderat vorerst auf eine Steuererhöhung, die im vergangenen Dezember 2019 beim Stimmbürger noch durchfiel. Präsidentin Rudolf von Rohr deutete aber an, dass ab nächstem Jahr an der Höhe des Steuerfusses gedreht werden könnte – «je nachdem, wie hoch die Einnahmen ausfallen». Auch der Gemeinderat beteiligt sich zudem an den Sparbemühungen: Wie die Präsidentin zum Schluss informierte, verzichtet die Exekutive auf Entschädigungen in Höhe von rund 10'000 Franken fürs laufende Jahr, was die Anwesenden mit Applaus quittierten.

Christkatholischer Bischof: «Kai Fehringer ist aus der Geistlichkeit unserer Kirche ausgeschieden»

Der Bischof Harald Rein der christkatholischen Kirche Schweiz war an der Gemeindeversammlung der Kirchgemeinde Region Olten am Dienstagabend als Gast anwesend.

Wieso nahmen Sie an der Gemeindeversammlung teil?
Harald Rein: Das war die erste Kirchgemeindeversammlung nach den Turbulenzen mit der Freistellung von Pfarrer Kai Fehringer. Die Gemeinde steht vor grossen Herausforderungen und muss gewisse Dinge aufarbeiten. Mit dem Besuch wollte ich meine Solidarität zum Ausdruck bringen mit der ganzen Gemeinde, aber auch mit dem neuen Kirchgemeinderat.


Wie haben Sie diese Gemeindeversammlung erlebt?
Ich fand die Versammlung sehr offen und fair. Es wurde bei verschiedenen Geschäften zwar Kritik vorgebracht, die aber vollkommen fair und anständig ­rüberkam. Der Kirchenrat hat auf diese auch sehr souverän reagiert. Man wünscht sich, dass eine Kirchgemeindeversammlung immer so vonstattengeht.


Wie geht es mit dem freigestellten Kai Fehringer weiter?
Das weiss ich nicht. Fehringer ist auf meinen Antrag hin aus der Geistlichkeit unserer Kirche ausgeschieden und er hat dagegen nichts einzuwenden gehabt. Das heisst, er hat keine Wahlbefähigung mehr, um in einer christkatholischen Gemeinde der Schweiz als Pfarrer tätig zu sein. (fmu)