EHC Olten
Mit Sponsorenlücke bis in den Oktober – nicht alle Schüler kommen gratis ans Spiel

An den Heimspielen des EHC Olten sind nicht alle Schüler gleichgestellt. Die einen kommen gratis ans Spiel, andere hingegen müssen pro Eintritt 10 Franken bezahlen.

Jürg Salvisberg
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Nicht alle Schüler in der Stadt Olten kommen in den Genuss des Gratiseintritts an die Spiele des EHC Olten.

Nicht alle Schüler in der Stadt Olten kommen in den Genuss des Gratiseintritts an die Spiele des EHC Olten.

Bruno Kissling

An den Heimspielen des EHC Olten gibt es beim jungen Publikum eine Zwei-Klassen-Gesellschaft – und dies im ganz wörtlichen Sinn. Klassen aus gewissen Gemeinden kommen dank gesponserten Jugendabos gratis ins Stadion, Klassen aus anderen Ortschaften hingegen nicht. Speziell sind die zwei Welten in der Stadt Olten. Wer zum Beispiel die Sek P oder das Gymnasium besucht, kommt als Kanti-Schüler gratis ans Spiel, wer die Primarschule, die Sek B oder Sek E absolviert, zahlt hingegen pro Einzeleintritt 10 Franken. Allesamt gratis kommen Kinder bis und mit Jahrgang 2009 an einen Match.

«Wir haben uns vor dem Startspiel gegen Langenthal nach dem Verbleib der Schülerkarten erkundigt. Da hiess es beim EHCO einfach, man habe dafür keinen Sponsor gefunden», schildert Jan Rechsteiner, der Leiter Dienste in der Direktion Bildung und Sport. Früher habe es schon Komplikationen wegen verspäteten Lieferungen seitens des EHCO-Sekretariats gegeben, doch diesmal leiden die städtischen Schulen nicht an einer blossen Verzögerung. Auch zum Herbstferien-Beginn, wenn der EHCO am Samstag gegen die Ticino Rockets spielt, stehen die Oltner Volksschüler der Jahrgänge 2002 bis 2008 noch mit leeren Händen da. Jan Rechsteiner sagt, dass die städtischen Schulen ihren Sponsor in den Vorjahren nicht gekannt hätten und nun auch nicht in irgendwelcher Form dazu aufgefordert worden seien, selber aktiv zu werden. «Das sähen wir allerdings auch nicht als unsere Aufgabe an.»

Marketingbudgets unter Druck

Seitens des Vereins bestätigt Peter Rötheli, dass die seit mehreren Jahren laufende und schweizweit einzigartige Jugendabo-Aktion noch Lücken aufweist. Sie erfasst aktuell bei weitem nicht alle vier Bezirke plus die Kanti Olten, wie dies in der Saison 2017/18 der Fall war. Schon im Mai und Juni habe sich abgezeichnet, dass die Partnersuche schwieriger werde. «Viele Firmen entscheiden sich häufig kurzfristig und oft auch erst ab Mitte August.» Gewisse Sponsoren hätten ihr Package verkleinert. Zudem seien auch Partner, die teils nur die Schüleraktion, teils auch sonst den Swiss-League-Klub unterstützen, abgesprungen, sagt der CEO der EHC Olten AG.

Allgemein spürt der Verein, dass die Marketingbudgets in den Unternehmen unter Druck sind. Statt eines Gesprächs brauche es nun oft drei oder vier Meetings, um zum Abschluss zu kommen. Irgendwann sei die Decke bei den oft gleichen wieder angefragten Unternehmen erreicht, sagt Rötheli. Dass das Potenzial auch für eine Goodwill-Aktion mit sozialem Engagement mal ausgeschöpft sein könnte, lässt die Hundertschaft an Sponsoren auf der EHCO-Website vermuten. Der EHCO habe zwar letzte Saison, ohne die Businessclubs gerechnet, Werbeeinnahmen von 3,5 Mio. Franken generiert, aber «ganz verschenken können wir die Schülertickets nicht.»

Besserung bis in drei Wochen

Dennoch will Peter Rötheli alles daransetzen, seiner «vielleicht besten Idee», die ihm immer noch sehr am Herzen liege, wieder voll zum Durchbruch zu verhelfen. Sein Ziel ist es, dass ab Mitte Oktober und damit ab dem fünften Heimspiel wieder alle Schüler in den Genuss des Gratiseintritts kommen. Dann soll die sehr aufnahmefähige Stehrampe wieder zum grössten Jugendtreffpunkt der Region werden.

Potenzielle Nutzniesser der Jugendabos waren letzte Saison rund 6500 Schüler. Für deren Tickets haben Sponsoren pro Stück 20 Franken aufgeworfen. Damit hat der EHCO einen Zehntel der Kosten über Gönner gedeckt. Denn ein Saison-Schülerabo kostet normalerweise 195 Franken. Da die effektive Abo-Nutzung viel tiefer ist, lohnt sich die Rechnung für den Klub dennoch. Wochenendspiele mit Spitzenzahlen von 1000 bis 1500 jugendlichen Besuchern waren eher die Ausnahme.

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