«Dr Ätti» muss ins Altersheim. Seine Tochter hat ihm einen neuen Pyjama gekauft, der alte soll entsorgt werden. Sie hat nicht viel Zeit, gibt ihm eine Stunde. Der gebrechliche alte Mann sieht ein letztes Mal aus dem Fenster, bevor er es schliesst, und setzt sich in den Schaukelstuhl. Schwager überzeugt mit seinen pantomimischen Fähigkeiten. Man spürt förmlich die Müdigkeit und die Beschwerden des alten Mannes. Aber auch Details wie der geschenkte Pyjama zeigen die Beziehung zwischen Vater und Tochter auf. Ein Produkt einer Billiglinie, lieblos in einer Plastiktüte überreicht.

Reise in die Vergangenheit

Auf dem Schaukelstuhl schläft der alte Mann ein, und blickt in seine Vergangenheit, in die geträumte und erträumte. Die Requisiten sind einfach aber genial: Pyjamas aller Art werden zu Symbolen für Stationen seines Lebens. Ein Babystrampler wird zu seiner Tochter, mit der er liebevoll spielt, sie liebkost und zum Lachen bringt. Berührend die Szene, in der ein altes Männernachthemd für seinen Vater steht. Unermüdlich erklärt er ihm, dass Mama auf dem Markt ist. Und obwohl es der Arzt verboten hat, bekommt der alte Mann seinen «vino». Und immer wieder «Mama è al mercato». Was für ein Gegensatz zum heutigen Verhältnis zwischen dem Ätti und seiner Tochter. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind in dieser Szene mit der Beziehung zu den eigenen Eltern konfrontiert.

Während in den ersten Szenen wahre Stationen des Lebens reflektiert werden, erträumt sich der alte Mann später ein Leben, wie es hätte sein können. Auf die Frage, wie er auf das Thema gekommen sei, meint Schwager, dass er die Idee schon länger mit sich getragen habe. Ausschlaggebend sei ein Stück von Carlos Martinez über die Menschenrechte gewesen, in dem er ein elftes Recht proklamierte: «Der Mensch hat das Recht zu träumen.» Martinez ist auch der Regisseur des Stückes.

Es ist noch nicht vorbei ...

In einer Szene träumt der alte Mann davon, wie er als Pirat seinen Gegnern das Fürchten lernt. Dabei wird sein Gehstock zum Säbel und auf den sieben Weltmeeren verbreitet er Angst und Schrecken. Er wirbelt über die Bühne, und plötzlich meldet sich Schwager als Schwager zu Wort. «Ich brauche eine Pause, gehe auf die sechzig zu.» Wenn man ihn auf der Bühne sieht, man würde es kaum glauben. «Aber da muss ich durch, das kommt davon, wenn man einen Spanier als Regisseur hat.» Eine kleine Hommage an Martinez. Schwager zieht das Publikum in seinen Bann, er ist ein genialer Pantomime. Als Parabel des Lebens zu verstehen, ist die Szene, in dem er als Chirurg eine Herzoperation durchführt. Ehrfurchtsvoll nimmt er das Herz in die Hand, dieses pocht und pocht. Ja, er ist noch nicht tot, noch lebt er.

Nach und nach träumt sich Ätti durch sein Leben, und nach und nach entsorgt er die Nachtkleidung. Dabei fällt ihm der Abschied mehr oder weniger schwer, die eine wird achtlos weggeschmissen, von der anderen trennt er sich wehmütig, fast mit Tränen in den Augen. Aber schon ist die Stunde vorbei, die Tochter wartet. Und so wirft er den billigen Pyjama fort, steckt seinen alten in die Plastiktüte. Er weiss, dass das Leben im Altersheim nicht vorbei ist, er hat noch seine Heimat und er hat noch seine Träume. Die Botschaft ist klar: Habt eure Träume und pflegt sie, insbesondere die Tagträume.