Olten

Mit neuem Taxireglement sind nicht alle Probleme vom Tisch

Der Bahnhof Olten ist jener Ort, wo die allermeisten Taxikunden anfallen.

Der Bahnhof Olten ist jener Ort, wo die allermeisten Taxikunden anfallen.

Oltner Taxihalter beklagen sich jetzt über verweigerte Kurzstreckenfahrten, die Höhe der Tarife und die nach wie vor hohe Anzahl an Taxiunternehmen.

Seit Anfang Jahr gilt in Olten das neue Taxireglement. Dieses wurde eingeführt, weil das alte aus dem Jahr 1997 zu wenig Handlungsspielraum bot und die Behörden die fehlbaren Taxifahrer bei Verstössen kaum aus dem Verkehr ziehen konnten. Kam hinzu, dass auch die Anzahl der Taxifahrer am Standort Olten kaum zu regulieren war. «Praktisch jeder, der als Taxifahrer arbeiten wollte, erhielt die Konzession», so Franco Giori, Abteilungsleiter Ordnung und Sicherheit der Stadt Olten.

Mit dem neuen Reglement sind die Anforderungen an die Taxifahrer und die Taxiunternehmen gestiegen. Unter anderem werden Strafregisterauszug und Leumund überprüft, genauso wie Deutsch- und Ortskenntnisse. Zudem werden die Konzessionen nicht mehr unbefristet vergeben, sondern lediglich noch für einen Zeitraum von fünf Jahren. Und es wurde ein Qualitätssiegel eingeführt, damit die Fahrgäste sofort sehen, welche Taxis offiziell in der Stadt Olten unterwegs sind. «Mit diesem neuen Reglement wollen wir die Qualität des Taxiwesens in Olten verbessern, die Anzahl der Taxifahrer besser regulieren und bei Missachtung der Regeln einfacher Konsequenzen durchsetzen», sagt Giori.

Zudem erhofft man sich mit der Lancierung des neuen Reglements eine Beruhigung der zuletzt angespannten Situation unter den Taxifahrern. Das neue Reglement ist seit etwas mehr als einem halben Jahr im Einsatz. Ein guter Zeitpunkt, um mit den Beteiligten ein Zwischenfazit zu ziehen.

Mehr Fingerspitzengefühl gewünscht

Rolf Siegrist, Geschäftsinhaber der Aare Taxi Siegrist AG, die seit 1952 in Olten aktiv ist, hat die Auswirkungen des neuen Taxireglements zu spüren bekommen. «Ich finde es grundsätzlich gut, dass die Stadt bei den Taxifahrern genauer hinschaut und nicht mehr einfach jedem eine Konzession gibt. Aber dass die Konzession plötzlich viel teurer geworden ist und teilweise auch Fahrer, die über viele Jahre in Olten Taxi gefahren sind, keinen Taxiausweis mehr bekommen haben, ist schon speziell», so Siegrist. «Aber das ist halt nun mal so. Das habe ich längst akzeptiert. Ich hätte mir aber schon etwas mehr Fingerspitzengefühl und Entgegenkommen gewünscht vonseiten der Stadt. Immerhin fahren wir seit fast 70 Jahren in Olten Taxi. Leider wurden im neuen Reglement einige Dinge über unseren Kopf hinweg entschieden, die in der Praxis schwerwiegende Auswirkungen haben – beispielsweise die angepassten Tarife. Je nach Fahrt verlieren wir 30 Rappen pro Kilometer im Vergleich zu früher.»

Erika Bur ist Geschäftsführerin der Taxi A. Bur AG, die seit mehr als vier Jahrzehnten in Olten fährt. Genau wie Rolf Siegrist begrüsst sie die genaueren Kontrollen, erachtet jedoch den Anstieg der Konzessionskosten als unverhältnismässig. «Ich verstehe nicht, warum die Konzession plötzlich doppelt so teuer ist. Vor allem weil sie ja nur noch fünf Jahre gültig ist», so Bur.

Noch mehr als die teureren Konzessionen stört sich Bur an der Zahl der Taxifahrer in Olten. «Es sind seit dem neuen Taxireglement noch mehr Mitbewerber hinzugekommen. Die meisten davon fahren nur in der Nacht. Entsprechend ist das Nachtgeschäft massiv rückläufig», so Bur.

Mehr Konzessionen vergeben

Ein Blick in die Statistik zeigt: Im Jahr 2019 wurden mit dem neuen Taxireglement tatsächlich mehr Konzessionen vergeben als im letzten Jahr. 2018 waren es 29 Konzessionen für Taxidienstleistungen von öffentlichen Standplätzen und deren 3 von privatem Grund aus. 2019 sind es 32 für die öffentlichen Standplätze und 1 für den privaten Grund. Die Anzahl der ausgestellten Taxichauffeurbewilligungen ist dagegen von 95 auf 73 gesunken. «Wir haben es nicht geschafft, mit dem neuen Reglement die Zahl der Konzessionen zu senken», gibt Franco Giori zu. «Aber immerhin ist es aktuell deutlich ruhiger. Wir haben nur noch ganz selten Reklamationen vonseiten der Taxiunternehmen. Auch sind weniger Meldungen eingegangen, dass fremde Taxis in Olten unterwegs sind.»

Dies führt Giori unter anderem auf das neu eingeführte Qualitätssiegel – den sogenannten städtischen Taxibalken, den alle Oltner Taxis mit gültiger Konzession auf dem Dach ihres Fahrzeugs montiert haben – zurück. «So erkennt man auf den ersten Blick, welche Taxis offiziell in Olten fahren und welche nicht. Das ist auch eine Hilfe für die Polizei», sagt Giori. «Die Erkennbarkeit der Oltner Taxis ist mit dem neuen Balken sicher besser geworden, und dies hat auch zu einer gewissen Beruhigung der Situation beigetragen», bestätigt Bruno Gribi von der Kantonspolizei Solothurn, die in Olten jedes Jahr mehrere «Taxi-Spezialkontrollen» und regelmässige Betriebskontrollen bei sämtlichen Taxiunternehmen durchführt. Das sehen Siegrist und Bur anders. «Man sieht jetzt zwar dank Taxibalken, welche Taxis offiziell am Bahnhof warten dürfen, aber das ändert nichts daran, dass immer noch viele fremde Taxis unterwegs sind», sagt Siegrist. Und Bur ergänzt: «Die fremden Taxis sind nach wie vor da, und wenn abends viel los ist, stehen sie sogar am Bahnhof.»

Fazit: Obwohl das neue Taxireglement in einigen Bereichen eine Verbesserung gebracht hat, sind noch längst nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. «Ich wünsche mir, dass die Stadt genauere Kontrollen durchführt. Und zwar nicht am Bahnhof, wo kontrolliert wird, ob wir die Taxiausweise im Fahrzeug aufgehängt haben. Das wird schon genügend gemacht. Sie sollen die Buchhaltung der Taxiunternehmen genauer kontrollieren und überprüfen, ob die Mehrwertsteuer, die Suva und die AHV-Zahlungen korrekt abgerechnet werden», findet Rolf Siegrist, der sich zudem wünscht, dass auf den Standplätzen die Positionswechsel von Fahrzeugen derselben Firma wieder erlaubt werden.

Und Erika Bur bringt noch ein weiteres ungelöstes Problem ins Spiel: «Es gibt Taxifahrer, die Fahrten verweigern, weil die Strecke zu kurz ist. Eine zu kurze Strecke ist kein Grund, um eine Fahrt abzulehnen, aber trotzdem wird das regelmässig gemacht.» Noch bleibt also einiges zu tun. Ein erster Schritt zur Lösung der noch offenen Probleme könnte die Taxikonferenz im September sein, an der die Stadt und die Taxifahrer von Olten gemeinsam die aktuelle Situation besprechen.

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