StadtLesen
Mit München, Wien und Graz auf gleicher Höhe: Auch Olten ist eine Buchstadt

Im Oktober gastiert das Happening StadtLesen mit 3000 Büchern auf der Kirchgasse. Zusätzlich wird ein Rahmenprogramm geführt, das einen offenen Bücherschrank und Literaturspaziergänge beinhaltet.

Urs Huber
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Mitte Oktober wird die Kirchgasse zur «Büchergasse»: Sandra Näf-Frei (links) und Doris Rauber; Frauen der ersten StadtLesen-Stunden.

Mitte Oktober wird die Kirchgasse zur «Büchergasse»: Sandra Näf-Frei (links) und Doris Rauber; Frauen der ersten StadtLesen-Stunden.

Bruno Kissling

Olten, genannt im gleichen Atemzug mit München, Graz, Saarbrücken, Freiburg, Wien und Innsbruck – das ist doch zum Zungenschnalzen. Der Grund dafür: Olten ist mit obig genannten Städten einer von 23 Orten, in denen heuer das Happening Stadtlesen haltmacht. StadtLesen – das ist so etwas wie eine Roadshow für Schmöckerer, Gwundernasen, Buchwürmer, die vom 17. bis 20. Oktober auf der Kirchgasse gastiert und zwischen zehn Uhr morgens und acht Uhr abends rund 3000 Bücher präsentiert.

Das alles unter freiem Oktoberhimmel; gratis und franko. Und sollte das Wetter – was niemand wirklich ernsthaft in Betracht zieht – «himmeltraurig» sein, so steht die Stadtkirche als «Ort des Lesens» zur Verfügung, wie Doris Rauber, zusammen mit Sandra Näf-Frei eine der Koordinatorinnen des hiesigen Rahmenprogramms, versichert. Darüber hinaus hat die einstige Stadträtin und aktuelle Präsidentin von Oltner Bücher Stützen auch für den Anstoss gesorgt, dass Olten überhaupt Gastort von Stadtlesen wurde.

Sie setzte ihre Heimatstadt auf die offene Nominationsliste und – Olten wurde von einem Expertenteam zur StadtLesen-Stadt erkoren, wobei sich die Selektionskriterien stark an der Kultur- und Literaturaffinität der Stadt, der Anzahl der Nominierungen und der Verfügbarkeit eines hochfrequentierten und zentralen Platzes anlehnten. Olten hatte all dies zu bieten: Et voilà – Olten kommt.

Nicht bloss Roadshow

«Dass die Wahl auf unsere Stadt fiel, freut uns natürlich ganz besonders», meinen die beiden StadtLesen-Frauen unisono. Denn die Zwei verstehen Olten auch als Buchstadt: «Capus, Lenz, Hohler, Bichsel», zählt Doris Rauber auf. Hinzu kommen Knapp Verlag und Buchmesse. «Die Stadt hat auf literarischer Ebene doch einiges zu bieten», so Sandra Näf-Frei.

Und deshalb verwundert auch nicht, dass in Olten eine simple Roadshow – bei der ausschliesslich per Lastwagen hergebrachte Fläzermöbel und Bücher die uneingeschränkte Hauptrolle spielen – den StadtLesen-Frauen dann doch zu wenig war. Die Chance, möglichst vielen einen breiteren ungezwungenen Zugang zum Buch zu ermöglichen, allenfalls auch «einen neuen Zugang», wie Sandra Näf-Frei meint, war zu verlockend. Also musste ein Rahmenprogramm her. Ein gutes halbes Dutzend hiesige StadtLesen-Enthusiasten haben innert eines halben Jahres Ideen geboren und zum Laufen gebracht.

Nun – einen Monat vor Torschluss – steht das Programm. Und so finden in diesen Tagen des StadtLesens in Olten ein gutes Dutzend spezieller Veranstaltungen statt; vom offenen Bücherschrank, der sich im Laufe der Tage mit Büchern füllen soll bis hin zum Textkiosk, an dem Mann und Frau sich für zehn Franken auf einer Schreibmaschine einen Text schreiben lassen und diesen dann nach kurzer Wartezeit auch mitnehmen können. Wofür sich denn die beiden Koordinatorinnen am Textkiosk erwärmen könnten? Kurzes Stutzen. Dann: «Ich glaube, ich würde mich für einen Liebesbrief entscheiden», lacht Doris Rauber. «Wär’ keine schlechte Idee», schmunzelt auch Sandra Näf-Frei.

Keine hiesigen Protagonisten

Ein sogenanntes «bibliophiles Highland» ist ebenfalls fixer Bestandteil eines jeden Austragungsortes von Stadtlesen. Was nichts anderes bedeutet, als dass ein Wunschautor oder eine Wunschautorin für eine Lesung vorbeischaut. In Olten wird dies Milena Moser sein, die am Donnerstagabend aus ihrem neusten Werk «Das wahre Leben» vorliest.

Natürlich wären auch Schreibende aus der Region sehr willkommen gewesen; deren Namen sind bekannt. Jedoch: «Terminliche Kollisionen haben samt und sonders deren Kommen verhindert», erklären die Koordinatorinnen, die derzeit Capus Neuling «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer» (Sandra Näf-Frei) und Suppinos «Wasserstadt» (Doris Rauber) auf dem «Nachttisch» liegen haben.

Literaturspaziergänge und Co.

Und was gibts sonst noch bei StadtLesen, einer Produktentwicklung der Innovationswerkstatt Sebastian Mettler aus Salzburg, welche ganzheitliche Problemlösungen in Form von Kommunikationsprodukten entwickelt «und diese marktreif macht», wie die Internetseite verrät? Vieles eben.

Literaturspaziergänge mit Martina Kuoni (Gründerin Literaturspur), eine Geschichtenstunde mit Sylvia Aspinall, ein Auftritt der interkulturellen Bibliothek, wo Menschen mit Migrationshintergrund eine Kurzgeschichte lesen und übersetzen, die musikalische Präsentation der NarRagenda, in einer Lesung kommen Värsli, Sprüchli, und Geschichte für Wichte zum Zug, gibt Rhaban Straumann Reisekolumnen aus Kanada zum Besten, folgen Lesungen und Prämierungen des lancierten Schreibwettbewerbs (bislang rund 20 Beiträge), derweil am Sonntag die Starrkircherin Raffaela Caccialepre aus ihrem Buch «Bella Italia, Erlebnisse eines Auswanderer» liest und Piero Stutz aus «Ein Stück Himmel im Alltag» liest. Und richtig: Da wär noch die Schnitzeljagd, ein Rätselparkour, der korrekt absolviert ein Lösungswort ergibt.

Ob nicht der unentwegte Betrieb das eigentliche Klima des Lesens und Schmöckerns zu stören vermag. Sandra Näf-Frei glaubt das nicht. «Das Rahmenprogramm nimmt lediglich punktuell Einfluss auf den rund zehnstündigen Betrieb und besteht aus relativ kurzen Sequenzen.» Na also dann: Lasst den Lastwagen heranrollen, der Olten ins Licht des StadtLesens taucht.

www.oltentourismus.ch/stadtlesen