Insgesamt werden dem 29-jährigen Angeklagten 14 verschiedene Delikte vorgeworfen. Darunter (versuchte) einfache Körperverletzung, mehrfache versuchte Brandstiftung, mehrfache Sachbeschädigung und Diebstahl.

Der Somalier Ali S.* hat alle Delikte mehr oder minder zugegeben – bis auf eines: Vor zweieinhalb Jahren soll er in Buchs AG an zwei aufeinander folgenden Tagen zwei Frauen mit Steinen beworfen und dadurch verletzt haben.

Ob sich diese Ereignisse so zugetragen haben, kann der Angeklagte weder bestätigen noch widerlegen: «Ich habe damals viele Drogen konsumiert und kann mich deshalb nicht erinnern.»

Mit Küchenmesser zugestochen

Die gravierendste Tat, welche Ali S. vorgeworfen wird: versuchte vorsätzliche Tötung. Nach einer durchzechten Nacht in Basel, wie er dahin gekommen ist, weiss er nicht, ist der Beschuldigte in einem Taxi nach Olten gefahren. Auf der Autobahn hat er bemerkt, dass er kein Bargeld mit sich führt, um die Dienstleistung zu bezahlen. In Hägendorf, der Beschuldigte dachte, er befinde sich bereits in Olten, wollte er aus dem Auto, dass aufgrund einer Umleitung in Schritttempo fuhr, springen. Als sich die Tür nicht öffnen liess, bedrohte er den Taxifahrer zuerst mit einem mitgeführten Küchenmesser.

Da die Drohung keine Wirkung zeigte, stach er mehrfach zu. Während die Staatsanwaltschaft von einem Stich im Halsbereich, was lebensbedrohliche Folgen gehabt hätte, spricht, sagt Ali S. ganz klar, dass er den Taxifahrer nicht habe töten wollen: «Es ging mir lediglich darum, aus dem Auto zu steigen, ohne zu bezahlen.»

Der Taxifahrer konnte den Angriff abwehren und wurde dabei am linken Unterarm und am Hals verletzt. Durch Faustschlägen erlitt er eine weitere Verletzung an der Unterlippe. Er konnte den Wagen daraufhin zum Stehen bringen und Ali S. mit anderen Automobilisten überwältigen.

Hoher Drogenkonsum

Ali S. wurde mit Handschellen, Fussfesseln und in Begleitung zweier Kantonspolizisten dem Amtsgericht vorgeführt. Die Handschellen wurden ihm während der Verhandlung abgenommen. Er trug Jeans, einen Pullover, abgelatschte Sneakers und eine Brille, machte einen gefassten Eindruck, wurde jedoch immer wieder nervös. Vor allem, als Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset ihn auf seine Kindheit, seine privaten Probleme oder seinen Drogenkonsum ansprach.

Der Beschuldigte wiederholte mehrmals, dass er sich damals, vor zweieinhalb Jahren «neben den Schuhen» befand und sein Leben hasste. «In der Therapie habe ich herausgefunden, dass ich ungestillte Bedürfnisse habe, die ich mit den Drogen zu kompensieren versuche», erklärte der verheiratete Familienvater wortgewandt. Zudem betonte er mehrmals, dass ihm seine Taten leidtun und dass er sich bessern will. «Aber vor allem bereue ich, dass ich meinen Kindern kein gutes Vorbild sein kann.»

Nach der Befragung des Angeklagten folgten die Plädoyers. Staatsanwältin Kerstin von Arx forderte in ihren gut vierzigminütigen Ausführungen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Einerseits sei er der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig zu sprechen, andererseits sei auch in allen anderen Anklagepunkten nachgewiesen worden, dass es sich beim Somalier um den Täter handle – auch, so von Arx, bei der versuchten einfachen Körperverletzung, an welche sich der Angeklagte nicht zu erinnern vermag. Die Freiheitsstrafe sei zugunsten einer stationären Massnahme aufzuschieben. «Dort soll er seine Drogensucht in den Griff bekommen», erläutert von Arx.

Markus Jordi, der amtliche Verteidiger des Angeklagten, plädierte auf Freispruch hinsichtlich des Vorhalts der versuchten vorsätzlichen Tötung. «Er ist der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig zu sprechen.»

Seine Forderungen begründete Jordi damit, dass die Aussagen seines Mandanten glaubwürdig seien und er nicht im Vorsatz, den Taxifahrer töten zu wollen, gehandelt habe. Der Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Ebenfalls zugunsten einer stationären Massnahme. Das Urteil wird morgen Freitag schriftlich eröffnet.

* Name von der Redaktion geändert