Das in Hägendorf ansässige Medizinaltechnikunternehmen Sensile Medical steht etwas im Schatten der viel grösseren Medtech-Vertreter am Jurasüdfuss wie DePuy Synthes, Stryker, Mathys oder Ypsomed. Dabei hat das 2004 gegründete Unternehmen gute Perspektiven.

Im vergangenen Herbst gewannen die Hägendörfer den Swiss Technology Award in der Kategorie «Innovation Leader». Er gilt als wichtigste Auszeichnung für Innovation und Technologietransfer in der Schweiz. Und das junge Unternehmen befindet sich auf Wachstumskurs.

«Wir haben zwei Grossaufträge zur Entwicklung neuer Medizinalgeräte an Land geholt», erklärt Sandra de Haan, Verkaufsleiterin bei Sensile Medical. Basierend auf der eigens entwickelten und patentierten Pumpenplattform-Technologie fertigt das Unternehmen Hightech-Mikropumpen für die dosierte und patientenspezifische Abgabe von Flüssigmedikamenten.

Die Kunden seien namhafte Pharma- und Biotechfirmen, erläutert de Haan weiter. Die neuen Aufträge bewegten sich in einer signifikanten Grössenordnung und sorgten auch langfristig für eine gute Entwicklung. Umsatzzahlen gibt die Firma zwar nicht bekannt, aber wohl das mögliche Wachstum. «Wir erwirtschaften derzeit einen positiven Cashflow und erwarten in den kommenden Jahren ein jährliches Umsatzplus von 50 Prozent.»

Lange Liste offener Stellen

Das wird sich auf den Personalbestand positiv auswirken. Die Liste der ausgeschriebenen Stellen auf der Sensile-Homepage ist lang, sehr lang. Das Unternehmen werde in allen Bereichen ausgebaut und die notwendigen Strukturen für das Wachstum geschaffen. «Wir werden zwischen 30 und 40 neue Arbeitsplätze aufbauen», sagt de Haan.

Derzeit beschäftigt Sensile am Standort Hägendorf 65 Mitarbeitende sowie einen Verkaufsmitarbeiter in den USA. Allerdings gestalte sich die Suche nach Fachkräften ziemlich schwierig. Einerseits seien viele namhaften Grossunternehmen im Umkreis ebenfalls auf der Suche, andererseits fehlten in Bereichen wie Qualitätsmanagement bei Medizinaltechnik-Produkten schlichtweg Studiengänge in der Schweiz.

De Haan: «Wir sind daher gezwungen, für spezifische Bereiche Mitarbeitende im Ausland zu rekrutieren.»

Was 2004 in einer Garage im zugerischen Baar begonnen hat, entwickelte sich bis heute zu einer respektablen Denkschmiede in Hägendorf. Entstanden sind bislang mehrere Abgabesysteme für Flüssigmedikamente.

Die Mikropumpen können von den Patienten auf der Haut getragen werden. Die Kleinstpumpen befördern flüssige Medikamente aus einer Ampulle subkutan in den Körper.

Die Pumpe könne unterschiedliche Flüssigkeitsmengen über längere Zeit abgeben – von einer Träne bis zu einem Liter während mehrerer Stunden. Typische Anwendungsfelder seien Diabetes, multiple Sklerose, Parkinson oder Schmerztherapie.

In Hägendorf selbst sind die Bereiche Engineering, Elektrotechnik, Softwareentwicklung, Mikrosystemtechnik und Management angesiedelt. Produziert wird aber anderswo. Zu Sensiles Startzeiten wäre eine eigene Produktion sehr risikobehaftet gewesen, erklärt Verkaufsleiterin de Haan.

«Deshalb haben wir Produktionspartner mit dem notwendigen Know-how und Erfahrung gesucht.» Diese seien hauptsächlich in Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern ansässig.