Im Gedenken
Mit Karl Frey geht ein unermüdlicher Kämpfer

Das Oltner Original Karl Frey ist im Alter von 100 Jahren verstorben. Der Zeit seines Leben äusserst engagierte Bürger hat mit seiner Tätigkeit im Bildungswesen und als Wetterfachmann Spuren hinterlassen. So auch im Oltner Tagblatt, wo er seine fundierten meterologischen Aufzeichnungen der Allgemeinheit zugänglich machte. Eine Würdigung von Chefredaktor Beat Nützi.

Beat Nützi
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Im runden Alter von 100 Jahren von uns gegangen: Karl Frey.

Im runden Alter von 100 Jahren von uns gegangen: Karl Frey.

Bruno Kissling

Es ist noch keine fünf Monate her, seit OT-Redaktor Urs Huber zum 100. Geburtstag von Karl Frey schrieb, dieser Mann sei trotz seines hohen Alters «noch immer eine Wucht». Jetzt ist Karl Frey tot. «Nach einem langen und reich erfüllten Leben ist er friedlich von uns gegangen», steht in der Todesanzeige der Familie geschrieben. Und weiter: «Trotz zunehmenden Altersbeschwerden bewahrte er seinen Humor und den Willen zu einem eigenständigen Leben bis zuletzt.»

So haben auch wir beim Oltner Tagblatt Karl Frey erlebt: Bis zuletzt schrieb er als engagierter Staatsbürger Leserbriefe und vermittelte über das OT sein enormes Wissen als fachkundiger Meteorologe. Als solcher wird er der OT-Leserschaft in bester Erinnerung bleiben.

Lehrer und Wetterfachmann

Hier ein paar wichtige Stationen aus dem aktiven Leben von Karl Frey:

  • 1936 bis 1943: zahlreiche Stellvertretungen an Primar- und Bezirksschulen
  • 1936 bis 1944: Studium an den Universitäten Basel und Zürich (Hauptfach: Meteorologie, Nebenfächer: Mathematik, Physik, Chemie)
  • 1940: Solothurnisches Bezirkslehrerexamen
  • 1943 bis 1980: Bezirkslehrer in Olten
  • 1944 bis 1991: Vorträge an internationalen Kongressen in Mailand, Innsbruck und Berlin sowie an Tagungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft
  • 1955: Mitglied der Neutralen Überwachungskommission nach dem Koreakrieg
  • 1961 bis 1979: Präsident des Solothurner Lehrerbundes
  • seit 1981: nach der Pensionierung klimatologische Arbeiten sowie wissenschaftliche Arbeiten über Klima- und Föhnprobleme; Auswertung der Daten der Wetterstation Olten.

Karl Frey hat insbesondere durch sein Engagement im Bildungsbereich und als Wetterfachmann Spuren hinterlassen. Seine profunden Oltner Wetterberichte haben für die Dreitannenstadt einen nachhaltigen dokumentarischen Wert. Und mit einer Wetter-Geschichte, die auf das Jahr 1943 zurückgeht, hat sich der umtriebige Oltner Meteorologe, der seinerzeit auch beim militärischen Wetterdienst tätig war, sogar die Widmung eines Zimmers im Hotel Schweizerhof in Luzern gesichert – unmittelbar neben dem Zimmer von Richard Wagner.

Original aus währschaftem Holz

Zweifelsohne war Karl Frey eine ganz besondere Persönlichkeit. Liebenswürdig und humorvoll als Mensch, leidenschaftlich und zielstrebig als Berufsmann, engagiert und kämpferisch als Staatsbürger. Auch wenn er im hohen Alter hin und wieder mit dem Zeitgeist haderte, verlor Frey den Zukunftsglauben nie, setzte sich unermüdlich ein für alles, was ihm wichtig erschien. Zum Beispiel für die Unabhängigkeit der Schweiz und für solide Schulen. Karl Frey war ein aus währschaftem Holz geschnitztes Original, das man in Olten vermissen wird.