Baselworld

Mit einem Oltner Bijoutier auf Einkaufstour in Basels Glitzerwelt

Der Oltner Bijoutier Ernst Adam (rechts) an der Baselworld im Gespräch mit Chopard-Chef Karl-Friedrich Scheufele.

Der Oltner Bijoutier Ernst Adam (rechts) an der Baselworld im Gespräch mit Chopard-Chef Karl-Friedrich Scheufele.

Ernst Adam war fast täglich an der Baselworld. «An der Messe sichte ich das Angebot der Hersteller, versuche Trends auszumachen und überlege mir, ob und wie ich das Angebot in unseren Läden ausbauen kann», so der Oltner Bijoutier.

Ernst Adam ist guter Dinge. Die heute zu Ende gehende Baselworld ist für sein Bijouterie- und Uhrengeschäft gut gelaufen. Aber die Zeit drängt, es stehen noch Besuche bei einigen Uhrenfabrikanten und Schmuckherstellern an.

Alle Termine müssen im Voraus abgemacht werden, erklärt der Oltner Bijoutier, der fast täglich an der Uhren- und Schmuckmesse anzutreffen war. Für zwei Stunden dürfen wir ihn begleiten. Somit erhalten wir die seltene Gelegenheit, einige der luxuriösen Pavillons (von «Ständen» mag man da nicht mehr sprechen) von innen zu sehen. Viele von ihnen sind zweistöckig und kosten mehrere Millionen.

Audienz bei Chopard

«Wir haben nach elf einen Termin bei Karl-Friedrich Scheufele, dem Mitbesitzer und Leiter von Chopard. Eine Audienz, das bekommen nicht alle», sagt Adam. Audienz? Einen kurzen Moment wähnen wir uns tatsächlich am französischen Königshof.

Der Empfangssalon ist mit galanten antiken Möbeln bestückt, nicht aufdringlich, aber wertvoll, das Parkett von auserlesener Qualität, das Licht gedämpft, überall glitzern Schmuckstücke und Uhren in den Vitrinen.

Doch Schäufele selbst ist ganz und gar umgänglich und ohne Allüren; ein sehr bürgerlicher König. Er zeigt uns die 150-Jahr-Jubiläumsuhr, ein schlichtes Monument der Schweizer Uhrbauerkunst. Nach wenigen Minuten muss er wieder weiter.

Für Adam kein Problem, die Bestellungen bei Chopard hat er schon früher aufgegeben. «Es ist eben sehr wichtig, dass man sich zeigt, mit den Leuten redet. Gerade bei Luxusuhren sind Lieferzeiten von bis einem Jahr nichts Ungewöhnliches», so Adam.

Schaulaufen bei Blancpain

Auch die zum Swatch-Konzern gehörende Marke Blancpain ist im oberen Preissegment angesiedelt. «Brand Manager» Patrick Zubinden zeigt einen Teil der Kollektion – einen kleinen nur. Denn insgesamt haben sie hier 300 Uhren, 35 davon sind Neuheiten.

Oft sind die Zifferblätter durchbrochen, sodass der Blick in das Uhrwerk frei wird. So etwa die Tourbillon Carrousel, deren Unruhe und Ankerrad im Uhrwerk dreht. Damit werde der negative Einfluss der Erdanziehung auf die Ganggenauigkeit überlistet, erklärt Zbinden. Atemberaubende Uhrmachertechnik, besonders wenn man sie unter der Lupe anschaut.

Leider sind Preise von 50 000 bis 100 000 Franken ebenfalls atemberaubend. Das «Einsteigermodell» beläuft sich auf 7500 Franken, beruhigt Adam. Um diese teuren Uhren ranken sich Legenden und Geschichten. So wurde beispielsweise die Blancpain-Taucheruhr in den 50er-Jahren zusammen mit der Tauchertruppe der französischen Marine entwickelt.

Die Zusammenarbeit mit dem Tiefseetaucher Jacques Cousteau war damals sicherlich ein Segen; heute ist er – ebenso segensreich – Bestandteil einer schön aufgezogenen Marketing-Geschichte. Neu ist im Bereich der Blancpain-Taucheruhren die schlichte «Batiscaphe» mit Automatikaufzug.

«An der Messe sichte ich das Angebot der Hersteller, versuche Trends auszumachen und überlege mir, ob und wie ich das Angebot in unseren Läden ausbauen kann. Meine Hauptfrage: Gibt es dafür eine Käuferschicht?» Ausserdem sei es an der Baselworld möglich, die gesamte Kollektion eines Herstellers zu sehen. Blancpain führt Adam schon lange und mit Erfolg im Sortiment. Bereits seien Kaufwünsche von seinen Kunden in Olten eingetroffen. «Das braucht halt manchmal etwas Geduld», sagt Adam.

Keine Detailverkäufe

An der Baselworld selbst gibt es keine Detailverkäufe. Durch Bestellungen der Detaillisten wie Adam bekommt der Hersteller den Überblick, wie die einzelnen Modelle laufen und wie er seine Produktion im laufenden Jahr planen muss. «Wir können beispielsweise nicht beliebig Skelett-Uhren produzieren. Das ist sehr aufwendig», erklärt Zbinden.

Eine Skelett-Uhr hat ein Uhrwerk, dessen Zahnrad-Haltescheiben von allem überflüssigen Material befreit sind. Man sieht also durch das Uhrwerk. Der grosse Erfolg der Schweizer mechanischen Uhr sei bei den chinesischen Kunden zu suchen, für die Edelmarken einen fast unschätzbaren Wert darstellten. «Das hat die Schweizer Uhrenindustrie wirklich gut gemacht, sie sind die Louis Vuittons der Uhren.» Der grosse Erfolg macht auch Mittel frei für die Kommerzialisierung der Schweizer Uhren in anderen Kontinenten – und nicht zuletzt in der Schweiz.

Etwas anders lägen die Dinge in der Schmuckbranche. «Dort haben es nur ganz wenige zu einer weltweiten Bekanntheit wie etwa Cartier geschafft.» Die Branche ist sehr divers. Innovationen finden im Kleinen statt, wie etwa die Kettenverschlüsse und die mit einem Klick veränderbaren Schmuckstücke des deutschen Herstellers Jörg Heinz.

Beim Schaffhauser Schmuckhersteller Furrer Jacot kommt Adam gleich zur Sache. Wir ziehen uns in einen Hinterraum zurück. Adam zückt einen geschliffenen Diamanten, 1,43 Karat, Wert schlappe 18 000 Franken. «Kannst du mir einen Solitär machen?», fragt er Walter Häusermann, den Inhaber. «Und was würdest du empfehlen?»

Es entwickelt sich ein Fachgespräch. «Ich weiss nicht, ob es eine Rose drum herum braucht, der ist gross genug», sagt Häusermann. Vielleicht ein Pavé? Von einem Pavé spricht der Bijoutier, wenn links und rechts des Steines der Ring mit kleinen Brillanten besetzt ist.

Häusermanns Neuheit sind Doppelringe. In den USA sei das wichtigste Geschenk an die Angebetete der Verlobungsring. Bei der Heirat käme der Trauring dazu. «Das muss passen.»

Verspielte Italos

Der Trend gehe hin zu verspielteren Formen, sagt Adam. «Florale Muster. Es darf auch bunt sein.» Tatsächlich ist der Stand von Casato eine recht fröhliche Veranstaltung. Blätter, Blumen, Geflechte.

Und nicht zufällig bieten die Römer auch Duftstäbchen an. «Die habe ich neu im Sortiment, ich habe eine Riesenbestellung gemacht», sagt Adam und lacht: «Hoffentlich läuft das auch.» Er trägt das volle Risiko.

Fälschungen, Blutdiamanten

Zum Schluss landen wir bei Thomas Frieden, Schmuckfabrikant und Gemmologe (Edelsteinfachmann) in Thun. Seine Firma ist seit 60 Jahren auf der Messe und gehörte zu den Gründern des Schmuckpavillons mit damals acht Ausstellern. Heute sind es gegen 1500. Wir sprechen über schöne Edelsteine, aber auch über unangenehme Themen: Blutdiamanten, Fälschungen, Betrug. Während des Krieges in Sierra Leone seien diese Blutdiamanten, mit denen der Krieg finanziert wurde, wirklich ein Problem gewesen.

Heute seien die Diamanten UNO-zertifiziert und die Logistikkette durchgehend unter Kontrolle. Aber die Sicherheit betrage halt auch hier nur 99 und nicht 100 Prozent. Selbst wenn Frieden sich als Experte der Gemmologischen Gesellschaft mit Edelsteinen gut auskennt, als Super-Fachmann möchte er sich niemals bezeichnen. «Niemand kennt die ganze Branche.»

Es gäbe Spezialisten für Rubine aus Burma, Perlen aus Tahiti und Fachleute für Jade. Man müsse sich je nach dem an diese wenden. Selbst Frieden ist schon mal betrogen worden. In Vietnam hatte er einen gelben Saphir erstanden. Relativ günstig, aber trotzdem für 8000 Dollar. Zurück in der Schweiz liess er ihn prüfen. Die Quelle war klar, selbst die Mine wurde identifiziert.

Ein weiterer Test ergab aber, dass der Stein auf 2000 Grad aufgeheizt und mit Beryllium behandelt worden war. Das machte die schöne Farbe aus. «Man kann nie genug bescheiden sein», sagt er.

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