Olten

«Mit dem Schriftstellerweg wollen wir etwas Authentisches bieten»

Stefan Ulrich (links) ist Geschäftsführer von Olten Tourismus.

Stefan Ulrich (links) ist Geschäftsführer von Olten Tourismus.

Mit der Eröffnung des Schweizer Schriftstellerwegs will die Stadt touristisch neue Zielgruppen erschliessen. Olten-Tourismus-Chef Stefan Ulrich zum neuen touristischen Leuchtturmprojekt.

Herr Ulrich, diesen Samstag wird der Schweizer Schriftstellerweg eröffnet. Sie preisen ihn im Prospekt als Leuchtturmprojekt an, das die Stadt neu positionieren wird. Was erhoffen Sie sich touristisch davon?

Stefan Ulrich: Bisher war Olten als Seminar- und Kongressstadt bekannt mit der Zielgruppe Geschäftsleute. Mit dem Schriftstellerweg wollen wir Freizeitreisende ansprechen und zugleich dafür sorgen, dass die Hotels nicht nur wochentags mit Geschäftsleuten, sondern auch am Wochenende ausgelastet sind. Zudem bietet der Weg auch für Geschäftsleute einen Anreiz, in einer Pause aus dem Seminar rauszugehen und sich in der Stadt umzuschauen.

Olten war für Freizeitreisende bisher eigentlich nur als Durchgangsbahnhof bekannt.

Das ist so. Wir wollen daher mit der Marke «Olten LiteraTour Stadt», zu welcher der Schriftstellerweg gehört, die zur Kongressstadt fehlende ergänzende Positionierung vornehmen und so das touristische Gesamtbild schärfen. Es ist wichtig, dass wir etwas Authentisches bieten, was nicht aufgesetzt wirkt, und das ist mit dem Schriftstellerweg der Fall: Viele Deutschschweizer Autoren haben einen Bezug zu Olten, was für eine Kleinstadt ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal ist. Wenn Geschäftsleute und Besucher eine Tour des Schriftstellerwegs absolvieren, ist der Besuch der Alt- und Innenstadt ein gewollter und wichtiger Effekt. Allein eine hübsche Altstadt oder eine lebendige Kulturszene zu haben, reicht heute nicht mehr aus, um sich überregional oder gar national erfolgreich zu positionieren und zu vermarkten.

Olten wird über die Region hinaus von Aargau Tourismus vermarktet. Warum?

Mit Region und Kanton Solothurn Tourismus arbeiten wir innerhalb des Kantons sehr eng zusammen. Doch für die überregionale und nationale Vermarktung benötigen wir einen geografisch nahen und für beide Seiten interessanten Partner. Von daher ist es touristisch das Einzige, was Sinn macht, wenn wir bei Aargau Tourismus angeschlossen sind. Verbunden sind wir mit dem Aargau mit der Aare, den Städten Aarau, Aarburg und Zofingen oder auch damit, dass Olten wie auch der Aargau in Sachen touristisches Image noch Aufholpotenzial haben. Die Aargauer sind zudem seit letztem Jahr bei Schweiz Tourismus eine eigene Tourismusregion. Für den Gast ist es eh nicht so wichtig, in welchem Kanton Olten liegt, Hauptsache, er macht seine Erlebnisse und Entdeckungen. Die Partnerschaft, die wir bis vor anderthalb Jahren mit Bern Tourismus hatten, bestand eigentlich nur auf dem Papier.

Zurück zum Schriftstellerweg: Die Geschichten an den 33 Standorten sind je höchstens drei Minuten lang. Warum?

Die Vorgabe war, dass der Besucher eine Route inklusive den Geschichten in weniger als einer Stunde ablaufen kann. So kann eine Route auch mal in einer Mittagspause, auf einer Shoppingtour oder verbunden mit einem Restaurantbesuch gemacht werden. Es ist zwar ein Stück weit schade, dass es heutzutage immer weniger möglich ist, dass sich Leute mehrere Stunden mit einem Thema beschäftigen. Andererseits können wir die Besucher so vielleicht motivieren, wieder mal zu kommen und sich eine weitere Tour anzuhören.

Es gibt eine Capus-, Lenz- und Hohler-Tour. Das sind aber nicht alle Schweizer Schriftsteller mit Oltner Bezug. Ist ein Ausbau geplant?

Bereits für nächstes Jahr planen wir eine Erweiterung anlässlich des 30-jährigen Geburtstags der Kabarett-Tage: Es soll eine eigene Tour geben. Nach den Sommerferien werden wir mit den Verantwortlichen zusammensitzen und die Sache planen. Nach zwei bis drei Jahren müssen wir zudem an die Erneuerung der bisherigen Touren denken. Wir können nicht immer dieselben Geschichten bringen. Bei einem weiteren Ausbau könnten auch die Familien mit Kindern eine Zielgruppe sein. Zudem stellen wir als regionale Tourismusorganisation den Anspruch an uns, den Schriftstellerweg in den folgenden Jahren auch in die Dörfer rund um Olten zu bringen. Ob wir die Standorte dann mit E-Bikes anfahren, mit dem öV verbinden oder wandernd erschliessen, müsste diskutiert werden.

Wie ist die Idee zum Schriftstellerweg eigentlich entstanden?

Die ursprüngliche Idee eines Gewerblers war es, einen Bänkliweg zu realisieren, bei dem man sich auf ein Bänkli setzen und eine Geschichte hören kann. Das gibts aber an anderen Destinationen auch schon. Wir von Region Olten Tourismus haben den Faden aufgenommen und zusammen mit Partnern in den letzten zwei Jahren bis zum heutigen Projekt weitergesponnen.

Plan Schriftstellerweg Olten

Plan Schriftstellerweg Olten

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