Eishockey
Mit «Chrigu» soll sich EHCO-Nachwuchs aus dem Abwärtsstrudel befreien

Christoph Bartlome, ausgewiesener Nachwuchsexperte aus dem Kanton Bern, soll dem EHCO-Sorgenkind neues Leben einhauchen.

Yann Schlegel
Drucken
Teilen

REMO FROEHLICHER

Im Bernbiet wird er «Chrigu» genannt. Und als ebendieser will er in Olten «den ruhigen Berner bewahren», wie er selbst sagt. Christoph Bartlome soll nämlich die unruhigen, von Inkonstanz geprägten Jahre im Nachwuchs des EHC Olten vergessen machen.

Zahlreich waren die Versuche in der Dreitannenstadt, Oltens einst wertvolles Reservoir an Nachwuchskräften zu reformieren, nachdem 2010 Jahren mit dem Abstieg der Junioren Elite B in die Topklasse der Tiefpunkt erreicht war. Sämtliche Versuche, sich aus dem Abwärtsstrudel zu befreien, scheiterten. Ja wem sollte es denn gelingen, Oltens Rehabilitation in die Wege zu leiten, wenn nicht «Chrigu»?

Nach zweieinhalbjähriger Absenz aufgrund gesundheitlicher Probleme, kehrt Bartlome zurück auf die Eishockeybühne. Mit im Gepäck: 18 Jahre Erfahrung als Profi in den Nachwuchsabteilungen von Dragon Thun (16 Jahre) und den SCL Tigers (2 Jahre). Von einem Neuanfang will der neue EHCO-Nachwuchs-Geschäftsführer bei den jungen Powermäusen partout nicht sprechen: «So schlecht steht Oltens Nachwuchs nicht da, wie zuletzt oft gesagt und geschrieben wurde», betont der Münsinger.

«Was mir zugetragen wurde, und was ich auch den Unterlagen entnehmen konnte», spricht Bartlome die Hauptproblematik an, «ist, dass sehr viele Jugendliche – und zwar massiv viele – den EHCO in den letzten Jahren verlassen haben». Als eine der ersten Massnahmen will Bartlome daher dem Aderlass entgegenwirken und nach Möglichkeit einstige Oltner Talente zurückgewinnen.

Nein zu Eishockeytourismus

Zentrales Element in diesem Prozess sei die Information von Spielern und Eltern, so der Berner. «Es sollte nicht mehr so sein, dass die Eltern Lösungen für ihre Kinder suchen.» Für Bartlome, der sich nicht als Fan des «Hockeytourismus» sieht, gilt bei Spielertransfers eine Verhandlungsbasis als Grundsatz: Wenn ein Talent in eine höhere Liga wechsle sei ihm nur gedient, sofern der Spieler in den ersten beiden Linien zum Einsatz komme und somit Verantwortung tragen könne.

An der «Front» wolle «Chrigu» wirken. Deshalb richtete Bartlome seinen Arbeitsplatz im Kleinholz-Büro von Köbi Kölliker ein. Damit soll nicht nur der Austausch zwischen dem EHCO-Nachwuchs und der Spitzensportabteilung – zu der auch die Junioren Top gehören – wiederbelebt werden. Von hier aus will Bartlome die Freude in der Oltner Eishockeyakademie neu wecken: «Wenn man nach Olten auf die Eisbahn kommt, sollte man wieder funkelnde Augen bei den Leuten und Spielern sehen. Dann weiss man: Hier ist Leben.»

Bei der ersten Mannschaft und seinem Umfeld sei das Feuer zu erkennen - im Nachwuchs glänze es noch nicht so. «Es darf nicht mehr ein «wir sind hier und die anderen sind da» sein», will der Münsinger vorderhand das Miteinander-Gefühl implementieren.

Partnerschaft mit Baselbietern

Um den Zustand einer Nachwuchsabteilung metaphorisch zu skizzieren, stellt Bartlome den Vergleich zum Innenleben eines Baumes her. Dessen Wurzeln seien beim EHCO 2000 noch sehr dünn – bei einem Sturm drohe der Baum zu fallen. In den kommenden zwei bis drei Jahren will der Berner deshalb an der Basis ansetzen – die Wurzeln in den jüngsten Jahrgängen stärken. «Als ich als kleiner Bub beim SCB-Nachwuchs mit dem Eishockey begann, sah ich noch Spiele, in welchen der SCB sich harte Duelle mit Olten lieferte. Auch im Nachwuchsbereich war Olten eine grosse Nummer», erinnert sich Bartlome.

Im Alleingang wird es dem EHCO kaum gelingen, eine fruchtbare und zugleich kompetitive Nachwuchsabteilung aufzubauen. Deshalb soll eine intensive Partnerschaft mit Zunzgen-Sissach aufgegleist werden. «Nach gewisser Zeit», erläutert Bartlome das Geduldsspiel, «wollen wir durch Kooperation auf jeder Altersstufe bis zu den Novizen eine Mannschaft in den drei Stärkeklassen A-, B-, und Top-Liga haben».

Letztlich soll dieses Konzept auch helfen, die Sozialaufgabe als Eishockeyklub wahrzunehmen. Breitensport-Mannschaften sollen gleich behandelt werden wie Top-Mannschaften. Oder in Worten von «Chrigu»: «Jeder ‹Giel› soll in Olten Hockey spielen können.»

Wo steht der EHCO-Nachwuchs?

Auch nach Bartlomes Antritt als Geschäftsführer amtet Heinz Brändli beim EHCO-Nachwuchs als Cheftrainer der ganz Kleinen bis zu den Novizen, also den 17-Jährigen. Bei den Moskitos (11–12 Jahre) ist der EHC Olten in der höchsten Spielklasse vertreten – darbte aber in den letzten Jahren auf den letzten Plätzen. Wenn man sich mittelfristig im Mittelfeld klassieren könnte, wäre die Basis für einen Aufstieg der Mini-Novizen (13–14 Jahre) in die Top-Liga gelegt. Momentan gehören die Minis zu den besten A-Mannschaften. Weil der EHCO besonders bei den Minis viele Abgänge zu verkraften hatte, befinden sich die Novizen (15–16 Jahre) gegenwärtig in der tiefsten Leistungsstufe, der A-Liga. Bartlome möchte in dieser Altersstufe binnen zwei bis drei Jahren in die Top-Liga zurückkehren. Würde dies gelingen, wären die Bedingungen gegeben, um bei den Junioren, die der EHC Olten AG angehören, wieder vom Aufstieg in die Elite B zu sprechen. Derzeit gilt für die Junioren Top, wo Bartlome als Assistenztrainer von Alagic Huso wirkt, den Abstieg in die A-Liga zu verhindern. (ys)