Seit 25 Jahren pflegt die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sehr gute Beziehungen zu China und nimmt diesbezüglich in der Schweiz eine führende Rolle ein. Allein in den letzten zehn Jahren haben über 1000 Chinesische Unternehmensleiter und hohe Kaderleute an der FHNW in Olten zwei- bis dreiwöchige Trainingsprogramme absolviert und dabei je nach Bedarf verschiedene Bereiche der Wirtschaft und der Bildung kennengelernt.

Seit dem 8. Januar weilen rund 20 Frauen und Männer aus der chinesischen Provinz Guizhou in Olten, um mit Referaten, Workshops und Feldstudien das Schweizer Berufsbildungssystem kennenzulernen. «Unser duales System ist für China ein Kernthema», sagt Projektleiter Jürg Schneider. Wie der pensionierte Fachhochschul-Professor ausführt, seien die Chinesen sehr an dessen Durchlässigkeit interessiert.

«Die Schweiz dient als Vorbild», sagt der Verantwortliche des Bildungssystems in der im Südosten Chinas gelegenen Provinz. «Und wir wollen mit dem verbesserten Berufsbildungssystem ebenso erfolgreich werden.»

«Ein wichtiger Unterschied zur Berufsbildung in China besteht darin, dass bei uns hauptsächlich theoretisch gelernt wird. In der Schweiz sind der theoretische und der praktische Teil, den die Lernenden in den Unternehmen verbringen, viel besser kombiniert», stellt der Direktor des «Light Industry College fest.

Und der Direktor der Mechanisch-Industriellen Schule in Guizhou ergänzt: «Die Kooperation zwischen den Unternehmen und den Schulen soll in China verbessert werden. Durch dieses Projekt mit den Pilotschulen, wie meine eine ist, kommen wir dem Schweizer Lehrlingssystem immer näher.»

Wissensvermittlung und Firmenbesuche

Während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes kamen und kommen die Kaderleute aus dem Bildungsbereich an mehreren Orten in der Schweiz mit verschiedensten Sparten der Berufsbildung in Kontakt und lernen auch diverse Unternehmen und Organisationen kennen. So besuchte man unter anderem die Victorinox in Brunnen und Login, den Ausbildungsverbund der Verkehrsbranche in Olten.

Auch im Oltner Gerolag Center, wo die überbetrieblichen Kurse und die Prüfungen der Koch- und Restaurationsberufe des Solothurner Gastrogewerbes stattfinden, konnten die chinesischen Gäste die Struktur der Berufsbildung kennenlernen.

«Eigentlich ist es bei uns ein triales System, mit der Ausbildung im Betrieb, einem Tag pro Woche Fachunterricht in Solothurn sowie den einmal pro Semester stattfindenden überbetrieblichen Kursen bei uns», sagt der Verantwortliche Daniel Brändli.

In jener Küche, wo Brändli sonst die Auszubildenden unterrichtet, durften diesmal die Chinesen an den Herd. Unter Mithilfe von Yufan Jiang, dem Leiter des China-Offices an der FHNW, wurden Gschwellti geraffelt, Zwiebelsauce zubereitet, Bratwürste gebraten – und jeder Schritt mit dem Handy festgehalten.

Dass am Ende auch noch Chinakohl und anderes Gemüse den Weg in die Pfanne fanden, war aus Schweizer Sicht nicht vorgesehen, aber für die kochenden Gäste wohl unabdingbar. (mgt)