Oltner Kabarett-Tage
«Mir ist aufgefallen, dass ich nichts Nettes über Olten zu sagen weiss»

Bänz Friedli hielt an den 27. Kabarett-Tagen in Olten die traditionelle Turmrede und sprach vor allem über Dinge, die er eigentlich nicht sprechen wollte. Vom Ildefonsturm herab nahm Bänz Friedli die Oltner und ihre Stadt auf die Schippe.

Alice Guldimann
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Bänz Friedli hält die Turmrede.

Bänz Friedli hält die Turmrede.

Oltner Tagblatt

«Heute Morgen ist mir aufgefallen, dass ich nichts Nettes über Olten zu sagen weiss. Da war es aber schon zu spät zum Absagen.» Migrosmagazin-Kolumnist Bänz Friedli nahm an seiner gestrigen Turmrede kein Blatt vor den Mund. Auch wenn er immer wieder das Gegenteil behauptete. «Ich werde nicht auf billigen Klischees herumreiten und nicht über unangenehme Dinge reden.»

Er sei nur hier, um ein paar nette Sachen über Olten zu erzählen, wolle nicht über den Dialekt – welcher übrigens von allen rund um Olten herum anders gehört und bezeichnet werde – und auf gar keinen Fall über den Bahnhof reden.

Beides tat er...

...schliesslich doch. Zu den Dialekten erzählte er eine Anekdote über einen Freund, dessen Navi im Auto auf Berndeutsch eingestellt sei. Warum man das nicht überall so mache, fragte sich der in Zürich wohnende Berner. Baseldeutsche, bündnerische, thurgauerische und eben Oltner Navis. Mit Special-Editions für rechts- und linkspolitisch Orientierte, für Raser und Jugendliche. «Jedem sein Navi!»

Ein berndeutsches Navi – für Bänz Friedli keine Option, da er gar kein Auto besitzt. So sei er, mit dem Zug, bestimmt schon mindestens 6000 Mal an Olten vorbeigefahren. «Manchmal stelle ich es mir schön vor, in Olten zu wohnen», sagt er. «Vor allem dann, wenn ich um ein Uhr morgens bei Eiseskälte am Bahnhof stehe, der Zug nach Zürich 17 Minuten Verspätung hat und der Automat nur noch tiefgefrorene Schoggistängeli und Schwangerschaftstests anzubieten hat.»

Bänz Friedli liess es sich natürlich auch nicht nehmen, die Oltner Eishockeyfans ein bisschen zu provozieren. Der Name der Mannschaft – Powermäuse – ist seiner Meinung nach auch nicht mehr so passend. «Da ist kein Power mehr, nur noch Mäuse.» Sein Vorschlag für einen richtig guten, zu Olten passenden, englischen Namen war «The Railwaystationers».

Lange schien es,...

...als würde Friedli kein gutes Haar mehr an Olten lassen. Doch gegen Ende seiner Rede fielen ihm doch noch einige Details ein, welche Olten allen anderen Schweizer Städten voraus hat. «Der Hamburger aus dem Chöbu ist bis nach Zürich bekannt», sagt er. Ausserdem führe Olten dieses Jahr im August die Faustball-Europameisterschaft durch und sei Weltmeister im Minigolf. Und obwohl er sich bei den beiden letztgenannten Dingen ein Kichern kaum verkneifen konnte, gab er trotzdem zu, dass Olten immerhin darin Weltklasse sei.

Ebenfalls als Kulturstadt sei Olten nicht zu verachten, meint Friedli. Auch wenn die Kabarett-Tage nur deshalb in Olten durchgeführt würden, weil Olten als einzige Stadt so viel Anlass zur Satire gibt. Und kurz bevor er sich mit den Worten «Sorry, ich muss auf den Zug», vom Publikum auf dem Ildefonsplatz verabschiedete, meinte er noch. «Alle reden immer über Olten, aber niemand kennt es wirklich.»

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