Die Verantwortlichen nennen es «Vision Haus zur Heimat 2021». Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die 75 Pflegeplätze des Hauses zur Heimat vom bisherigen Standort Olten nach Rickenbach in einen Neubau für 35 Millionen verlegt sein. Das bisherige über 50-jährige Gebäude ist langfristig nicht mehr als Pflegeheim geeignet und soll zu 40 Alterswohnungen mit Spitexleistungen für Senioren umgebaut werden.

An der Generalversammlung haben die Mitglieder des Vereins diesem Ansinnen nun grundsätzlich mit grossem Mehr zugestimmt. Der Vorstand hat damit die Kompetenz erhalten, das Millionenprojekt auszuarbeiten. An einer ausserordentlichen Generalversammlung müssen die Mitglieder allerdings später das ausgearbeitete Vorhaben gutheissen. Damit es aber überhaupt soweit kommt, müssen vorderhand die Rickenbacher an ihrer Gemeindeversammlung nächsten Montag das Ja-Wort geben, um 9000 m2 Gemeindeland an den Verein im Baurecht abzugeben.

Diese Vision sei auch ein «Bekenntnis zum Standort Olten», sagte Heimleiter Marco Petruzzi vor den 100 Stimmberechtigen in der Friedenskirche. Am heutigen Platz hätte man zusammen mit der Stadt gründlich abgeklärt, ob ein solches Projekt möglich sei. Mehrere Varianten lagen vor, um das einzige Alters- und Pflegeheim auf der rechten Aareseite halten können. Doch die Gespräche mit der Baukommission und dem Stadtrat führten schliesslich zu keiner Lösung, respektive zu einer, die für den Verein nicht infrage kam: Nämlich das Gebäude aus dem Jahr 1962 abzureissen und einen Neubau hinzustellen. Zudem sei das Grundstück am jetzigen Standort zu klein: Einen Demenzgarten etwa, wie er in Rickenbach geplant ist, hätte in Olten kaum Platz gehabt.

Voten dafür und dagegen

An der Versammlung vom Donnerstagabend gab es einzelne Mitglieder, die gegen die Vision stimmten. Als einzige äusserte sich allerdings nur die ehemalige Heimleiterin Heidi Müller Leuenberger kritisch. «Ein so ein markanter Wechsel bedeutet einen Rückschritt für die Senioren, wenn sie von Olten nach Rickenbach zügeln müssten.» Selbst demente Menschen realisierten mehr, als man denke. «Rickenbach soll ein Pflegezentrum bauen, aber nicht auf Kosten unserer bewilligten Pflegebetten», rief sie in den Saal und erhielt Applaus. Auf Nachfrage sagt sie, sie hätte einen Neubau am jetzigen Standort vorgezogen und bezweifle, ob die Alterswohnungen überhaupt gefragt seien. «Bis zu einer Stunde Spitexleistung pro Tag bleibt man doch lieber zuhause.»

Längeres Klatschen bekam allerdings das einzige Pro-Votum, geäussert von SVP-Kantonsrat Rolf Sommer, der im Quartier wohnt. Der Stadtrat hätte es verpasst, eine Altersplanung für die rechte Aareseite zu erstellen. Werde die Vision zur Realität, würden sich alle Oltner Pflegeheim auf der linken Aareseite befinden. Trotzdem sprach er sich für die Vision aus, weil Rickenbach mit dem öV gut erschlossen sei und sich mit der Landi Wangen ein Einkaufsladen in Gehdistanz befinde.

Die Vereinsverantwortlichen nahmen die Kritik ernst. Man sei sich bewusst, dass ein Umzug für die jetzigen Bewohner des Hauses zur Heimat zum Teil nicht ideal sei und sich diese in einer Zwangslage befänden, sagten sie nach der Versammlung. Die jetzige Betriebsbewilligung für die 75 Pflegeplätze sei jedoch bereits mit Auflagen verbunden, eine Erneuerung im Jahr 2019 ohne Weiterentwicklung des Hauses nicht klar. Zudem werde später der Markt entscheiden, ob sich das neue Pflegezentrum in Rickenbach bei den Senioren behaupten könne.