Spezial-Bäckerei
Meterlange Schlangen vor dem Container für das «Fürobe-Brot»

Bei der unkonventionellen Bäckerei an der Balsthaler Lindenallee ist alles ein bisschen anders: Das berühmte «Fürobe-Brot» aus dem Container, die Parkplatzanweiser, die Zelte und das eigene Mehl. Meterlange Warteschlangen gibts fast täglich.

Carla Stampfli
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Vor dem Container wird auf das «Fürobe-Brot» gewartet, während die Bauarbeiten für die neue Schaubäckerei (Hintergrund) im Gange sind. Bruno Kissling

Vor dem Container wird auf das «Fürobe-Brot» gewartet, während die Bauarbeiten für die neue Schaubäckerei (Hintergrund) im Gange sind. Bruno Kissling

Kaum vergeht ein Tag, ohne dass sich eine meterlange Warteschlange vor dem Verkaufscontainer bilden würde. Grund dafür ist die Spezialität von Bäckermeister Alex Häner: das «Fürobe-Brot». Wer jedoch schon am Morgen in den Genuss des «Fürobe-Brots» kommen möchte, muss sich bis um 14.30 Uhr gedulden. Denn bei der Bäckerei in der Lindenallee in Balsthal beginnen die Öfen erst am späteren Morgen auf Hochtouren zu laufen. So wird das Brot seinem Namen gerecht.

Es ist Mittwochmorgen, zehn Uhr. Der Bäckermeister zieht im Produktionscontainer ein Blech mit Teigbällchen hervor. Sein Mitarbeiter, Bäcker und Konditor Steve Luder, walzt die Bällchen lang und belegt sie mit Nussfüllung. «Einmal pro Woche gibt es auch Nussgipfel», erklärt Alex Häner. So führt die Bäckerei etwa 20 weitere Backwaren im Sortiment: Berliner, Russenzopf, Wienerli im Brotteig oder saisonale Produkte wie Dreikönigskuchen oder Grittibänzen.

Nicht alles gibts jeden Tag. Butterzöpfe beispielsweise werden nur freitags gebacken. Während Steve Luder die Nussgipfel fertigstellt, kümmert sich Bäckermeister Häner um sein «Fürobe-Brot». Dazu gibt er Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Vorteig – aufgegangenen Teig vom Vortag – in die Knetmaschine. Der Vorteig sorgt für den unverwechselbaren Geschmack des «Fürobe-Brots». Der Teig wird einige Minuten durchgeknetet und anschliessend zum Ruhen gelegt. Nach dem Aufgehen wird er abgewogen, geformt und zwischen 45 und 65 Minuten im Ofen gebacken. Heraus kommt das «Fürobe-Brot», das als Halbpfund, Pfund oder Kilo zu haben ist.

«Alles ist bei uns anders»

Die Einzigartigkeit ist für Alex Häner besonders wichtig: «Alles, was wir hier machen, ist im Vergleich zu den anderen Bäckereien anders.» Beginnend mit dem Parkplatzanweiser, der die Kunden lotst, dem kleinen Sortiment, der mechanischen Waage, den Containern, den Zelten und dem heissen Tee, den die Kunden direkt im Zelt unentgeltlich geniessen können. Das Mehl lässt er nach seinem eigenen Rezept von einer Mühle in der Region mahlen und mischen. Graham-, Halbweiss-, Roggen- und Ruchmehl kommen beim «Fürobe-Brot» zum Zug. Produkte, die ausschliesslich aus der Gegend stammen.

Das Bäckereikonzept «kleines Sortiment, kleines Team, frisches Brot zu Feierabend und Kundennähe» soll auch in Zukunft erhalten bleiben. Erst recht, wenn in ein paar Wochen das «Fürobe-Brot» nicht mehr aus den Containern, sondern in der neuen Schaubäckerei in der Lindenallee gekauft werden kann. Die Bauarbeiten sind zwar noch im Gange, trotzdem ist sich der Bäckermeister sicher: «Auch wenn wir bald in den Laden zügeln, will ich mit einem kleinen Sortiment und einem kleinen Team klein bleiben.» Natürlich habe er auch schon Anfragen bekommen, ob nicht auch Gipfeli oder Kaffee verkauft werden könnten, doch für ihn gilt bis auf weiteres die Devise: «Einfach so bleiben, wie wir jetzt sind.»

Zu Beginn, vor drei Jahren, war der Bäckermeister auf sich selber gestellt, inzwischen zählt die Bäckerei auf ein paar Teilzeit-Mitarbeitende. Aus einem Ofen wurden vier, und neben der mechanischen wird nun auch auf einer elektronischen Waage Teig abgewogen. Dieselbe Ausstattung wird in der neuen Räumlichkeit der Schaubäckerei zum Einsatz kommen.