Wangen

Meistermost ist im Gruebacker daheim

Sarina und Mathias Anderegg – die Meistermoster im Gruebacker Wangen.

Sarina und Mathias Anderegg – die Meistermoster im Gruebacker Wangen.

Sarina und Mathias Anderegg gewinnen Schweizer Süssmost-Qualitätswettbewerb in der Sparte naturtrüb.

Gruebacker Wangen: Der Ort, wo Meisterehren gefeiert werden können. Das Landwirtepaar Sarina und Mathias Anderegg hat just den naturtrüben Apfelsaft gekeltert, der eben für das Jahr 2017 schweizweit zum Besten erkoren worden ist. Kein Wunder: Die Andereggs sind ein Mostproduzentenpaar vom Scheitel bis zur Sohle. Oder anders gesagt: Lediglich die Gebinde, in welche das Meistergetränk abgefüllt wird, stammen nicht aus eigenem Hause.

Das Mischverhältnis ist unbekannt

Unter insgesamt 57 Finalisten, die am Schweizer Süssmost-Qualitätswettbewerb Finale des Schweizer Obstverbandes teilnahmen, haben sich die Andereggs die Titelehren in der Kategorie naturtrüb geholt. «Welche Sorten in welchem Verhältnis schliesslich zum Meistermost geführt haben, kann ich wirklich nicht sagen», erzählt der Meisterkelterer, der unter anderem die Apfelsorten Gala, Rubinette, Boskoop, Diva und Jonagold zu Apfelsaft verarbeitet und mit Sicherheit weiss, dass der Meistersaft nicht mit Birnensaft versetzt wurde.

«Nur Äpfel waren dabei», sagt er. Bei der seinerzeitigen Auswahl des späteren Siegerpodukts hat er sich voll und ganz auf seinen eigenen Geschmack verlassen. Und auf den kann er vertrauen, denn Anderegg trinkt täglich rund einen halben Liter Most; aus Eigenproduktion, versteht sich. «Natürlich könnte man gewisse Parameter chemisch erheben», sagt er. Aber der 33-Jährige schert sich keinen Deut darum. Denn er ist überzeugt: «Selbst ein Meistermost ist letztlich Geschmacksache.»

Den Geschmack jedenfalls hat er getroffen. Der Saft in lichter goldbrauner Farbe weist den samtenen Klang von Apfelgeschmack auf, wobei man gelegentlich glaubt, die eine oder andere Sorte herausschmecken zu können. Mit «sehr fruchtig» im Gaumen bewertete die Fachjury den Meistersaft, als «intensiv und typisch» die Wahrnehmung durch die Nase. Die Frage, welche Apfelsorte denn den besten Most ergebe, beantwortet Anderegg mit einem Lächeln. «Ich glaube, es ist eher eine Frage des Sortengemischs, welches die Qualität des Mostes bestimmt.»

Bricht die Mostsaison im September an, ist sicher die Sorte Gala mit im Spiel. Und als letzter Apfel kommt der Braeburn vom Baum und damit in die Mosttrotte. Während der Ernte übrigens isst Anderegg halbstündlich einen Apfel; so kann er deren Reifegrad am besten erkennen und entscheiden, ob und wie sie Verwendung finden. «Wir mosten ausschliesslich aussortiertes Tafelobst», verrät er. Die Zeiten, als noch von Mostobst die Rede war, sind vorbei.

1000 Liter Meistermost

Rund 1000 Liter des preisgekrönten Safts sind aktuell noch zu haben; entweder auf den Wochenmärkten in Olten oder dann eben im eigenen Hofladen im Gruebacker. Woran der Meistersaft zu erkennen wäre? Keine Spur von Gebinden, die in siegerhaftem Habitus daher kämen und etwa Eichenlaub im Design aufweisen würden. Halb- und Anderthalbliter des preisgekrönten Safts gibts in der Flasche, 5- und 10 Liter Mengen in der Bag-in-Box. Ob sich der Meistersaft darin befindet, dass wissen Andereggs und deren Angestellte.

Aprikosen als Herausforderung

Jährlich produzieren Andereggs an die 15 000 Liter Most aus Obst, das an rund 10 000 Bäumen wächst. An weiteren 2000 Bäumen reifen Birnen, Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen oder auch Pfirsiche heran. Am glückhaften Anbau von Aprikosen werkelt Anderegg noch herum, ist noch auf der Suche nach dem gewissen Dreh. Die Wirtschaftsflächen liegen am Südhang und Aprikosenbäume ertragen schnell wechselnden Frost mit Tauwetter durch Sonneneinstrahlung schlecht. «Vielleicht finde ich noch einen Kniff», lacht Anderegg.

Mit den eigenen Pfirsichen, eigentlich auch nicht unbedingt eine Frucht aus hiesigen Breitengraden, ist er jedenfalls ziemlich zufrieden. Was kann den Obstbauern und Mostproduzenten, der auch auf Legehennen und auf Mutterkuhhaltung setzt, noch aus der Ruhe bringen? Anderegg stutzt nicht lange ob der Frage.

«Am ehesten nervös ist man in der Blütezeit. Warten Nachtfröste? klappts mit der Bestäubung? Da sind immer Unsicherheitsfaktoren darunter», meint er. Aber bis dahin dauerts noch ein paar Wochen. Mindestens solange können sich Andereggs noch am Meistermost freuen.

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