Tattoos

«Mein Rücken wird nie mehr so aussehen wie vorher»

Geduld und Ausdauer sind gefragt: Dreieinhalb Stunden darf Barbara Mühleisen nun so liegen und stillhalten.

Geduld und Ausdauer sind gefragt: Dreieinhalb Stunden darf Barbara Mühleisen nun so liegen und stillhalten.

Tätowierer und Tätowierte berichten von ihren Erfahrungen mit dem Körperschmuck, der unter die Haut geht.

Ein leichter Hauch von Desinfektionsmittel bleibt in der Nase hängen, die Augen erblicken zahlreiche gezeichnete Tattoos an den Wänden, im Hintergrund ertönt Rockmusik. Die Rede ist vom Oltner Tattoostudio «La Rebelle Suisse», vormals «Stichfreudig», in welchem sich Barbara Mühleisen an diesem Nachmittag ihr drittes Tattoo stechen lässt. «Es ist ein Segelschiff und kommt auf den Rücken», sagt sie erwartungsvoll. Nervös sei sie nicht, meint sie. Und Angst habe sie schon gar nicht. «Nach vier Kindern schmerzt ein Tattoo nicht mehr.»

«Chemie muss stimmen»

«Das Schmerzempfinden der Kunden ist ganz unterschiedlich. Die Stellen, die am meisten wehtun, sind die Rippen und die Innenseiten der Oberarme», erklärt Geschäftsführer Dave Horvath. Er selber macht nur Piercings. Für das Tätowieren sind Nicole Straubinger und Will Walas zuständig. «Das Faszinierendste am Tätowieren ist, die Reaktion der Kunden zu sehen. Die meisten sind total zufrieden», sagt der Spanier, der seit acht Jahren als Tätowierer tätig ist. «Und wenn mal einer enttäuscht ist, dann versuchen wir eine geeignete Lösung zu finden»

Bisher immer sehr zufrieden mit dem Ergebnis ist auch seine heutige Kundin Barbara Mühleisen. «Schon meine beiden anderen Tattoos habe ich von Will stechen lassen und war beide Male hell begeistert.» Für sie ist wichtig, dass die Chemie zwischen Tätowierer und Tätowierten stimmt. Und dies tut es, meint sie.

Zu den beliebtesten Motiven gehören laut Geschäftsführer Horvath Schriftzüge wie die Namen der Kinder, Blumenblüten und -ranken. Auch gibt es immer wieder Modetrends, aktuell zum Beispiel das Zeichen für Unendlichkeit in Form einer liegenden Acht oder Vögel die aus einer Feder herausfliegen. Ganz alle Wünsche werden allerdings nicht erfüllt. «Ich würde es zum Beispiel ausschlagen, einer jungen Frau als erstes Tattoo eine Rose auf den Hals zu tätowieren», erklärt Tätowiererin Nicole Straubinger. «Einfach weil der Hals eine sehr exponierte Stelle ist.» Geschäftsführer Horvath ergänzt: «Manche Kunden sind sich nicht immer bewusst, dass ein Tattoo wirklich für immer ist, deshalb ist eine ausführliche Beratung wichtig.» Allgemein könne man aber sagen, dass sich die Leute mehr Gedanken über ihre Tattoos machen als früher. «Das Endergebnis soll im Idealfall eine Mischung aus der Idee des Kunden und dem Gestaltungsvermögen des Tätowierers sein», weiss Dave Horvath.

Dreieinhalb Stunden

Barbara Mühleisens erste Sitzung dauert schätzungsweise dreieinhalb Stunden. Für ein Tattoo dieses Kalibers sind deren drei vonnöten. Zum Tätowieren gehört allerdings nicht nur das Stechen allein. Zuerst muss das Motiv gezeichnet werden. Ein professioneller Tätowierer tue dies immer selbst, meint Horvath, so auch in diesem Fall. Dann wird überprüft, ob das gezeichnete Motiv auch wirklich auf die entsprechende Hautstelle passt. Anschliessend wird eine spezielle Flüssigkeit auf die Stelle aufgetragen und Thermofaxpapier, das ein bisschen so aussieht wie Backpapier, daraufgelegt und angedrückt. Dadurch wird das Motiv vom Papier auf die Haut kopiert. Der Tätowierer kann im Anschluss nach dieser Vorlage arbeiten. Bei Barbara Mühleisen gibt es ein mehrfarbiges Tattoo, laut Dave Horvath liegt dies im Trend. Obwohl sie das von Will Walas konstruierte Motiv zuvor abgesegnet hat, weiss sie nicht, wie ihr neues Tattoo dann am Schluss aussehen wird. Denn: «Die Farbgebung überlasse ich Will.»

Ein wenig Wehmut kam bei Barbara Mühleisen schon auch auf. Beim Betrachten des Rückens am Vorabend des Termins bemerkte sie, dass ihr Rücken nie mehr so aussehen wird wie vorher. «Das war ein spezielles Gefühl.»

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