Mein Olten
Olten kennen und schätzen lernen – auch in der Schule

Gabriela Allemann
Gabriela Allemann
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Die Stadt in der Schule kennen zu lernen findet Autorin Gabriela Allemann «richtig gut».

Die Stadt in der Schule kennen zu lernen findet Autorin Gabriela Allemann «richtig gut».

Patrick Luethy

Meine beiden Kinder haben sich in den vergangenen Wochen in der Schule mit Olten befasst. Der Lehrplan scheint dies vorzusehen, und ich finde das richtig gut. Wie liegt Olten eingebettet im Kanton? In der Umgebung – was ist die Bedeutung der «Drei-Tannen-Stadt»? Wer sind unsere Nachbargemeinden? Könnten Sie die neun Gemeinden aufzählen? Ja, auch Rothrist ist ein Nachbar, habe ich staunend gelernt. Welche Gewässer gehören auf Oltner Boden, welche Berge umgeben uns?

Unsere Töchter können nun dazu Auskunft geben und wissen sich in ihrer Heimatstadt zu orientieren. Bei der Frage, welches wichtige Bauten der Stadt sind, gab es längeres Überlegen: Gehört der Sälipark dazu? Die Stadtkirche sicher, die Badi auf jeden Fall. Und da kam dann doch auch ziemlich heftige Sehnsucht auf nach dem nächsten Sommer. Der Nebel, der leider auch zu Olten gehört, vergällt uns doch grad sehr das ohnehin nicht so lustige Leben.

Es gehört aber zu Olten – um fair zu bleiben, muss auch das gesagt sein –, dass wir in zehn Minuten übers Nebelmeer gelangen können: Mit dem Läufelfingerli durch den Tunnel und schon sind wir im hellsten strahlenden Spätherbstlicht. Wunderschön. Danach lässt sich auch der Nebel wieder besser ertragen. Und die Weihnachtsdekoration in der Altstadt stimmte mich letzte Woche tatsächlich auch etwas adventlicher, als mir sonst zurzeit zumute ist.

Zurück zu dem, was für Kinder zu Olten gehört – oder, um weiter zu denken: Was Olten für Kinder so lebenswert macht. Auf der Stadtkarte, welche für die jüngere Tochter wichtig wurde beim Lernen, sind etliche kleinere und grössere Spielplätze zu finden; mit dem Angebot der offenen Kinder- und Jugendarbeit sind sie ein wichtiger Ort der Entdeckungen, der Möglichkeit, mit anderen zu spielen, auszutauschen und sich auszutoben – auch in Coronazeiten.

Die Schulareale fallen auch ins Auge: Sie sind vielfältig gestaltet und ausserhalb der Schulzeiten für alle zugänglich. Dass auf dem Bifangplatz an manchen Sonntagnachmittagen Erwachsene auf Besen fliegen – oder so – war eine so skurrile wie wunderbare Entdeckung in meinem ersten Jahr in Olten. Die Badi habe ich schon erwähnt, aber sie gehört mit dem Hallenbad, der Eisbahn und weiteren Sportanlagen – vielleicht bald auch dem Pumptrack – mit zu dem, was Olten für Kinder zu einem Wunschwohnort macht. Dies trotz der Schwierigkeiten, die es auch gibt: Einige Strassen sind zum Beispiel für sie richtig gefährlich und Unterführungen ein unheimlicher Ort.

Viele Freiräume sind es, die wir entdeckten. Und damit Möglichkeiten, sich zuerst mit den Eltern, später immer mehr selbst- und eigenständig auszuprobieren. Das ist ein grosser Schatz für eine Stadt. Ich wünsche mir, dass Olten sich dessen bewusst ist und diese Freiräume hegt und pflegt. Olten ist kein Paradies: Es ist reales, pures Leben. In Olten finden Menschen zusammen aus allen sozialen Schichten, aus allen Religionen, aus allen Gegenden, mit unterschiedlichsten politischen Haltungen. Menschen leben in grossen Villen, Menschen verbringen ihre Tage vor der Stadtkirche. Sie leben nebeneinander und oft auch miteinander, zum Beispiel viele Stunden am Tag im Schulzimmer.

Ich finde es grossartig, dass die Kinder in der Schule ihren Lebensmittelpunkt von verschiedenen Seiten kennen lernen. Bei einigen folgt aus dieser Beschäftigung später der Wille und die Bereitschaft, sich einzusetzen für ihren Ort, damit manches bleibt, anderes sich verändert. Früh beginnt, was zu Beteiligung erwachsen soll, wie wir sie uns von den jungen Menschen wünschen.

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