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Olten, der Ort sind wir!

Cinzia Schmuziger
Cinzia Schmuziger
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Ein Neben- und miteinander von Fussgängern und Radfahrern in der Stadt ist an vielen Orten unumgänglich.Velofahrer Fussgänger Winkelunterführung Alte Brücke Olten

Ein Neben- und miteinander von Fussgängern und Radfahrern in der Stadt ist an vielen Orten unumgänglich.Velofahrer Fussgänger Winkelunterführung Alte Brücke Olten

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Liebes Olten, in meinem letzten Liebesbrief an dich lud ich dich ein, neue Perspektiven für dich einzunehmen. Wie erschaffen wir ein gemeinsames Stadtgefühl? Wie verbinden wir die Menschen mit unserer Stadt?

Wir können nicht wissen, wie die Zukunft nach Corona aussehen wird – aber genau das verleiht uns auch einen Spielraum. Viel spannender ist deshalb die Frage:

Entsteht nicht gerade etwas ganz Neues?

Derzeit ist eine in dieser Form noch nie dagewesene Loyalität zu unserer Kleinstadt zu beobachten. Wir leben von der Nachbarschaft, dem Wirgefühl, dem Miteinander, aber auch dem Aufnehmen von Gästen und Reisenden. Liegt die Zukunft nicht im Lokalen? Mit der Lokalität werden Orte wie du, Olten, wieder einzigartig und charmant, sie bekommen wieder ein Gesicht und einen Charakter.

Doch wie? Lokalität entsteht für mich durch das Wissen und das Miteinander der Menschen in unserer Stadt. Eigentlich eine Art von verdichteter Schwarmintelligenz, was ich einen ganz lustigen Gedanken finde. Verbindungen untereinander machen es doch erst möglich, dass Gesellschaft und Gewerbe voneinander profitieren. Olten, nutze zum Beispiel deine Leerstände oder vergessenen Objekte und entwickle sie! Dieses Potenzial zu entdecken, es zu nutzen und einen Mehrwert für Gäste, dich als Stadt und uns Einwohner herauszuholen, empfinde ich als stärkend.

Bleiben wir mal kurz bei den Gästen: Sie sollen teilhaben an den individuellen Geschichten der Menschen vor Ort, ihrer Lebenskultur und ihrem Charme, oder? Zeigen wir doch den «schäbigen Schick» unserer Kleinstadt, auf welchen wir stolz sind. Zeigen wir ihn auch den Gästen. Verbinden wir sie mit dem Bäcker, der Käserei, der kleinen Vinothek oder dem Friseur um die Ecke. Vermitteln wir ihnen ein Zuhause-Gefühl und ermöglichen ein schnelles Ankommen an anderen Plätzen. Das gibt ein Gefühl der Zugehörigkeit. Denn letztlich fühlt sich der Gast dort wohl, wo er sich zu Hause fühlt.

Ich kenne Städte, die verwandeln ihre alten Geschäftsräume in kleine Übernachtungsmöglichkeiten, um Einblicke in bestimmte Stadtteile zu liefern. Oder Brauereien, welche in der ganzen Stadt ihre Hopfenstauden pflanzen, um Bier mit «echtem lokalen Geschmack» zu brauen. Es gibt genügend Beispiele, auf welche du, mein Olten, auch stolz sein kannst. Wenn ich nur daran denke, in welche Richtung sich unsere Oltner Kinowelt entwickelt hat, was unsere Museen ausmachen oder wie viele Menschen sich freiwillig für lokale Themen einsetzen, und da gibt es noch viele andere Exempel.

Olten, wie kannst du deinem Standort noch mehr Charme geben? Welche Besonderheiten erkennst du in dir?

Wir haben hier so viele engagierte Menschen, wie ich es von keinem anderen Ort kenne, die genau diese Besonderheit ausmachen. Nutzen wir doch diese Stärke. Nutzen wir als Gemeinschaft die örtliche Kultur, unser Wissen und die Lokalität.

Ein Anliegen meinerseits noch: Mach es doch den engagierten Ortsansässigen weniger schwer, weniger politisch. Du wirst sehen, mit mehr Mut und Humor entwickelst du dich weiter und schaffst neue Geschichten, neue Traditionen.