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Konrad Schibli
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Kino Palace und die «sichtBar» sind nicht mehr. Und jetzt: wie weiter mit den Räumlichkeiten?

Kino Palace und die «sichtBar» sind nicht mehr. Und jetzt: wie weiter mit den Räumlichkeiten?

Bruno Kissling / OLT

Ich musste letztes Jahr das Kino Palace an der Aarauerstrasse schliessen. Das war bitter, hat doch mein Grossvater im Jahre 1927 das Haus eröffnet, bin ich doch dort mit meinem Bruder Roland aufgewachsen. Anfang der 00er-Jahre haben wir das Kino umgebaut und die «sichtBar» im Foyer integriert. Das Geschäft hat pulsiert; mehr als 50’000 Gäste haben jährlich das Kino und die Bar besucht. Die Pandemie hat dem einst blühenden Konzept den definitiven Todesstoss bereitet.

Und nun wälzen wir Ideen, wie der Gewerbeteil des Gebäudes mit neuem Leben erfüllt werden könnte: vom Verkauf des Gebäudes über einen Coworking-Space oder eine Escape-Room-Nutzung bis hin zu einer coolen Stadtwohnung auf 300 Quadratmetern, in deren Wohnzimmer der Mieter oder die Mieter mitsamt Auto hineinfahren kann… Falls jemand von euch, liebe Leserschaft, eine Idee hat – es dürfen auch weniger extravagante sein – sind wir sehr offen dafür! Und nein, Vorschläge für Shisha Lounges oder Kebab-Take Aways haben wir bereits zu Genüge erhalten.

Kinosaalbau abreissen?

Es gibt diese eine Idee, die mich nicht losgelassen hat: Hinter dem Kino befindet sich ein Innenhof. Dieser ist ca. 1’200 Quadratmeter gross. Was wäre, wenn wir den Kinosaalbau vom Wohnhaus entfernen und mit den Nachbarn eine neue Nutzung für die gesamte Fläche finden? Zum Beispiel einen Tiny House-Park mit 20 bis 30 Tiny Häusern. Tiny Häuser sind Häuschen auf 20 bis 30 Quadratmetern Fläche, die dennoch über alles Wesentliche, was man zum Wohnen braucht, verfügen: einen Wohnbereich mit Kochnische, einen Sanitärbereich mit Dusche und Toilette sowie eine Schlaffläche. Tiny Häuser werden fixfertig angeliefert, sind nachhaltig produziert und halten ewig.

Die Zielgruppen wären Studentinnen und Studenten, Lehrerinnen und Lehrer der Fachhochschule sowie Berufsleute, die in Olten arbeiten, aber deren Heimatorte mehrere hundert Kilometer entfernt liegen. Eine Anfrage bei den Schulen und grösseren Unternehmen hat ergeben, dass sie die Idee genial finden. Sogar die meisten Grundstücksbesitzenden dieses Hinterhofs waren offen für die Idee und die Zusammenarbeit.

Fragen über Fragen

Beim Bauamt habe ich dann vernommen, dass gemäss zukünftigem Leitbild Hinterhöfe begrünt werden sollen. Anfänglich fand ich diese Idee auch ganz gut. Aber mit jedem weiteren Gedanken sind Fragen aufgetaucht: Wer begrünt die Fläche? Müssen die heute bestehenden Garagenboxen und Lagerhäuschen dann zwangsweise entfernt werden? Vor allem habe ich mich gefragt: Wie lange wird dieser Hinterhof noch in seinem heutigen (und nicht wirklich schönen) Zustand sein, wenn nicht jemand mit einem Gesamtkonzept eine ästhetisch ansprechende Lösung, notabene mit viel Grünfläche, entwickelt?

Vielleicht liefert das Leitbild 2045, das in dieser Zeitung vor genau einer Woche präsentiert wurde, Lösungen. Das Mitwirkungsverfahren ist eingeleitet, lese ich. Jetzt doch ein bisschen frustriert meine ich: Bei Leitbildern, welche sich in ferner Zukunft manifestieren, dürfen wir mitwirken – aber wenn es zu eigentlichen, zeitgemässen Umsetzungen kommt, wird’s manchmal sehr kompliziert.

Wirken - gross schreiben

Ich durfte schon viel Unterstützung seitens der Dienstleistungsbetriebe der Stadt erfahren. Trotzdem wünschte ich mir manchmal, auch für meine zahlreichen Architekten- und Unternehmer-Freundinnen und -Freunde, der gute Unterstützungswille und das Wohlwollen sollten wieder Überhand nehmen, ohne dass Gesetze missachtet werden müssen. Für eine lebenswerte Stadt, wo das Wirken wirklich grossgeschrieben wird. Leitbild hin oder her: Das Mitwirkungsverfahren «Gewerbefläche Ex-Palace» ist eröffnet. Ich freue mich über eure Vorschläge.

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