Mein Olten
Kino Lichtspiele: Erinnerungen an die «Revolverküche»

Madeleine Schüpfer
Madeleine Schüpfer
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Das Kino Lichtspiele, einstmals auch als «Revolverküche» bekannt.

Das Kino Lichtspiele, einstmals auch als «Revolverküche» bekannt.

Bruno Kissling

Es gibt Erinnerungen an die Jugendzeit, die prägend sind. Sie tragen unglaublich viele Emotionen in sich, die man, auch wenn man älter wird, nie ganz auslebt.

Eine solche Erinnerung habe ich an die «Revolverküche» von Olten, dem heutigen Lichtspiele-Kino. Ich war noch nicht ganz erwachsen und doch schleppte mich mein um fünf Jahre älterer Bruder in das besagte Kino, um sich mit mir die tollsten Abenteuerfilme anzusehen, die es zu dieser Zeit gab.

Cowboy- und andere Abenteuerfilme

Es waren dies vor allem Cowboy-Filme, aber auch andere Abenteuerfilme, in denen sich viele Aktivitäten abspielten wie etwa verrückte Schiessereien, rasende Pferde in weiten Ebenen, Menschen, die immer auf der Hut sein mussten, um nicht hinterhältig erschossen zu werden.

Ich weiss nicht, warum mich mein Bruder mitnahm in diese Filme. Bis heute ist er mir die Antwort schuldig geblieben. Vielleicht darum, weil ich die Filme einfach genoss, mit Spannung die Abenteuer verfolgte und keinerlei Kritik in den Raum warf. Denn diese hasste er so oder so.

Einst das etwas Besondere

Betrachte ich heute die gepflegte Kulisse des Kinos Lichtspiele am Klosterplatz in Olten, dann muss ich sagen: Das hat sicher auch seinen Zauber, aber die «Revolverküche», wie der heimliche Name des Kinos lautete, war etwas ganz Besonderes, das die Stadt prägte.

Man besass nicht allzu viele Möglichkeiten, Besonderes zu tun, besetzt mit einem Hauch von Verbotenem. Und wenn man schon in den Genuss kam, in diese Welt einzusteigen, dann tat man das mit einem besonderen Vergnügen. Für mich als ein Mädchen von 17 Jahren war es ungewohnt und doch sehr schön, mit meinem Bruder ins Kino zu gehen.

Mein Bruder nahm mich mit als eine Art von Talisman; ich weiss bis heute nicht warum, denn er hatte durchaus seine persönlichen Abenteuer. Er kam bei den jungen Mädchen und Frauen ganz besonders an. Er war attraktiv, witzig und liebevoll, doch so eigenartig das auch klingen mag: Die «Revolverküche» besuchte er nur mit mir.

Ein Gefühl der inneren Freude

Welch schöne Erinnerung – ich sitze auf dem Klosterplatz und schaue mir die Front des Kinos Lichtspiele an. So bekomme ich jedes Mal ein besonders Gefühl von innerer Freude. Was war das für eine herrliche Zeit, voller Spannung und mit ungewohnten Akzenten.

Ich glaube, das macht den Reiz einer Stadt aus, dass sie so viele geheime Dinge in sich birgt. Olten ist so eine Stadt mit wundersamen kleinen Dingen, Erinnerungen. Und wenn man erst noch ein Oltner, eine Oltnerin ist, so geniesst man das ganz besonders.

Nur noch einmal

Nur noch einmal in meinem Leben möchte ich neben meinem Bruder in der «Revolverküche» sitzen und mir einen tollen Cowboy-Film ansehen, dies wäre wunderbar. Es ist grossartig, wenn ich denke, was aus der «Revolverküche» geworden ist: Ein Kino mit viel Niveau, das kulturell hochstehende Filme zeigt; dies alles dank dem begabten Leiterteam um Markus Arnold.

Und träume ich manchmal der «Revolverküche» nach, wenn ich höchst gepflegt im Kinoraum Lichtspiele sitze, so bin ich glücklich, dass es in dieser Form erhalten bleibt und sogar eine besondere Karriere machte. Wer hätte das gedacht!