Mein Olten
Junge Menschen, junges Olten

Lukas Lütolf
Lukas Lütolf
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Eine Welt ohne Kunst? 35. Jahresausstellung der Solothurner Künstler/innen im Kunstmuseum Olten.

Eine Welt ohne Kunst? 35. Jahresausstellung der Solothurner Künstler/innen im Kunstmuseum Olten.

Bruno Kissling

Was wäre eine Welt ohne Kunst? Dieser Frage geht aktuell das Kultourmuseum Olten in den aufgefrischten Räumen des Jugendlokals Garage 8, ehemals Provisorium 8, nach. Ich konnte diesem durch Schauspielerinnen geführten Rundgang beiwohnen und dabei unterschiedliche lokale Kultur entdecken, von Fotografie und Film über Malerei bis hin zu Musik. Alles mit durchdachtem Schutzkonzept und bestimmten Zeitfenstern für eine begrenzte Anzahl Personen, sodass während der Ausstellung die ganze Coronapandemie für einmal in den Hintergrund rückte.

Das für mich Besondere an dieser Ausstellung? Von den Organisatorinnen bis hin zu den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern ist niemand älter als Jahrgang 1992, also maximal neun Jahre älter als ich selbst. Eine neue Oltner Kulturgeneration, welche mit ihrem Schaffen dem Horror-Szenario einer total rationalisierten Welt ohne Kunst entgegenwirkt. Ich bin optimistisch, dass unsere lebendige (Jugend-)Kulturszene so trotz erschwerten Bedingungen durch die Pandemie und dem schmerzenden Wegfall des «Coq d’Or» weiter bestehen wird und es schafft, Kunst aus den Museen hinaus auf die Strasse und in unseren Alltag zu bringen.

Doch nicht nur in der Kulturszene drängen wir uns langsam aber sicher auf: Bei den vergangenen Gemeindeparlamentswahlen vom 25. April haben es viele junge Oltnerinnen und Oltner – sprich jünger als 30 Jahre – parteiübergreifend in die Legislative geschafft. Wir machen nun einen Fünftel des Parlaments aus. Ein wichtiges Zeichen. Denn ich bin überzeugt, dass ein grosser Teil der Menschen in meinem Alter bereit ist, auf irgendeine Art Verantwortung zu übernehmen. Das bietet die Möglichkeit für unsere Stadt, dass auch mal – auf den ersten Blick – unkonventionelle Lösungen auf den Tisch kommen. Wir wollen jetzt unseren Teil dazu beitragen und unsere Zukunft mitgestalten.

Es warten Veränderungen, die uns direkt betreffen werden; seien es global zusammenhängende Probleme wie die Klimakrise oder Themen auf Stadtebene wie die Attraktivierung öffentlicher Plätze, Ausbildungs- und Arbeitsplätze und, wie erwähnt, eine lebendige Kulturszene. Ich spüre dieses Verlangen auch abseits der Politik in Gesprächen mit Freundinnen und Freunden, beispielsweise beim Überqueren der Kirchgasse. Dann wird fleissig debattiert, ob der neue Kebabladen Noon eine gute Sache ist fürs Stadtzentrum. Oder wieso in der Altstadt, trotz bester Lage, ständig leere Gewerbeflächen zu finden sind. Auch das Ende der alten Minigolfanlage – übrigens auch als Thema mit künstlerischer Umsetzung im Kultourmuseum zu finden – wird interessiert beobachtet und kommentiert. Nicht immer sind diese Gespräche ernsthaft und lösungsorientiert. Trotzdem bemerke ich die aktive Auseinandersetzung mit unserer Stadt. Ich erinnere mich an eine Radiosendung, noch vor der Pandemie, als eine Zuhörerin gefragt wurde, ob es in ihrem Wohnort eine 1.-August-Feier gäbe. Sie antwortete: «Kei Ahnig, eg wohne nume do.»

Doch wir wollen nicht nur hier «wohne», wir wollen uns mit Olten identifizieren und uns aktiv einbringen. Denn unsere Stadt liegt uns am Herzen. Ich bin stolz, Teil dieser Generation zu sein, welche trotz der psychisch und physisch niederschmetternden Pandemie neue Wege sucht und die eigenen Bedürfnisse und Visionen nicht kleinreden lässt. Olten kann und sollte junge Stimmen zulassen. Denn – um die eingangs gestellte Frage etwas sarkastisch abzuändern: Was wäre Olten ohne Junge? – Alt.

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