Mein Olten
Gesucht sind Brückenbauer

Martin Grütter
Martin Grütter
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Brücken schlagen: auch eine Aufgabe des Parlaments.

Brücken schlagen: auch eine Aufgabe des Parlaments.

Bruno Kissling

Unser Olten ist bekanntlich eine durch die Aare in zwei Stadtseiten getrennte Stadt. Nein, es geht mir jetzt hier nicht darum, welcher der beiden Stadtteile attraktiver, besser oder was auch immer ist. Persönlich sehe ich auf beiden Seiten positive und negative Attribute. Das gegenseitige Ausspielen empfinde ich entsprechend als überflüssig und ist somit kein Beitrag wert.

Mir geht es viel mehr um die Vereinigung zu einem Ganzen und um Problemlösungen. Bereits zur Zeit der Römer soll in Olten ein Aareübergang bestanden haben. Der Weg über die Aare wurde also schon damals als wichtig erachtet. Inzwischen kamen etliche Brücken dazu. Heutzutage verfügt Olten über Eisenbahnbrücken, Autobrücken, Velo- und Fussgängerbrücken. Diese haben alle dasselbe Ziel: die beiden Seiten miteinander zu verbinden. Zum Glück waren da einige Brückenbauer am Werk.

Vor einigen Wochen fanden in Olten unter anderem die Gemeinderatswahlen statt. Bereits in der letzten Legislaturperiode sprach man von einer Pattsituation zwischen den Linken und den Rechten im Gemeindeparlament. Will heissen, dass beide Seiten gleich viele Stimmen vereinten und sich somit gegenseitig blockierten. Die erste Nachricht, welche ich im Zusammenhang mit dem neuen Wahlergebnis gelesen hatte, lautete: «Weiterhin je 20 Sitze für Links und Rechts im Oltner Gemeindeparlament.»

Was bedeutet das nun? Ist jeder, der politisch nicht rechts ist, somit links und umgekehrt? Habe ich etwas verpasst und es gibt in Olten nur noch zwei Parteien – die Linken und die Rechten? Ich war immer glücklich über das Mehrparteiensystem in der Schweiz. Das stellte stets sicher, dass eine Vielzahl von innovativen Ideen sowie Probleme durch mehrere Meinungen und Einschätzungen schlussendlich mit Kompromissen umgesetzt beziehungsweise gelöst werden konnten.

Natürlich und glücklicherweise haben wir immer noch eine bunte Parteienlandschaft. Aber von aussen her nimmt man diese immer weniger wahr. Eine Partei wird scheinbar links oder rechts zugeteilt. Es wird suggeriert, dass sich zwei Seiten bekämpfen. Sollte es nicht um die gemeinsame Lösungsfindung sowie um die Umsetzung von Innovationen gehen? Es wird weiss gegen schwarz argumentiert, obwohl auch grau eine Lösung sein könnte. Dies bedeutet jedoch, Kompromisse zu finden, von seiner Linie etwas abzuweichen und aufeinander zuzugehen.

Selbstverständlich stellen Kompromisse nicht immer optimale Lösungen dar, aber es sind vertretbare Ergebnisse. Lieber eine graue Brücke bauen als keine Brücke, weil man sich nicht auf eine Farbe einigen kann oder wie man so schön sagt: «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.» Das ist zugegebenermassen nicht immer einfach, aber dafür haben sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier beworben und sind gewählt worden.

Ich bin überzeugt, kenne ich doch einige der Gewählten quer durch die Parteienlandschaft persönlich, dass es darunter einige kompromissbereite Brückenbauer gibt. Was wäre Olten ohne Brücken? Wahrscheinlich gäbe es eine Stadtseite gar nicht. Ich bin froh, dass es beide Teile gibt und diese mittels Brücken miteinander verbunden sind.

Ich wünsche mir, dass es dem Gemeindeparlament weiterhin gelingt, «Brücken» zu bauen. Dazu müssen einige der je 20 Linken und Rechten im Interesse von meinem Olten ab und zu die Seite wechseln, um Lösungen zum Durchbruch zu verhelfen. Viel Glück dabei.