Mein Olten
Eine kleine Liebeserklärung ans Riesenrad

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Das Riesenrad an der Chilbi ist für die Autorin Wahrzeichen und Hoffnungsträger zugleich.

Das Riesenrad an der Chilbi ist für die Autorin Wahrzeichen und Hoffnungsträger zugleich.

Bruno Kissling / OLT

Die Diskussion der Oltner Stadtverwaltung, ob die Chilbi 2021 stattfinden kann oder nicht, erfüllt einen mit leiser Wehmut. Denn die Chilbi in unserer Stadt hat ihre besondere Ausstrahlung und ist zum einmaligen Wahrzeichen geworden. Dies soll nicht heissen, dass man die Diskussion nicht versteht, denn die Coronaepidemie ist noch nicht vorbei, sodass man sich getrost zurücklehnen könnte. Dies weiss man. Und doch hofft man, dass wieder mehr Normalität in den Alltag einkehren kann.

Deshalb finde ich den Entschluss grandios, auf dem Klosterplatz das Riesenrad aufzubauen und es kreisen zu lassen; als ein Oltner Wahrzeichen, das man liebt und das seit meiner Kindheit eine bedeutende Rolle im Leben der Stadt spielt. Das Riesenrad auf dem Klosterplatz wird nun für ein paar Augusttage die Silhouette unserer Altstadt verschönern und ein vertrautes Bild aufzeigen, das wir Oltner doch so lieben.

Neben dem Zielempschlösschen kreist das dominante Rad und symbolisiert Freiheit und Vergnügen, Begegnung und Unterhaltung, einfach alles, was wir so schätzen. Es steht am besten Platz in unserer Stadt. Aus allen Richtungen kann man es betrachten. Es verbindet die rechte und linke Stadtseite miteinander und erzählt Oltner Geschichte, die wir lieben. Wir leben gegenwärtig in einer besonderen Zeit, die uns einiges abverlangt. Und doch muss man es richtig sehen: Wir haben immerhin Möglichkeiten, unser Leben, wenn auch in anderen Formen, zu gestalten. Nicht so, wie es in vielen Ländern geschieht, die an der Armutsgrenze stehen mit Menschen, die genau die gleichen Hoffnungen und Vorstellungen von einem Leben haben wie wir auch.

Das Riesenrad wird für mich zu einem besonderen Symbol der Verbundenheit, der Aussage nämlich: Gebt nicht auf, macht weiter und erkennt trotz Einschränkungen die Freiheiten, die uns geblieben sind und hoffentlich noch lange bleiben! So wird das Oltner Riesenrad in seiner ganzen grossartigen Dominanz zu einem Zeichen der Lebensfreude, zum Anstoss nämlich, dass man selbst erkennen muss, wo die kleinen, schönen Dinge liegen, wo man das finden kann, was man sich in einer Stadt wünscht: Begegnungen, den Gedankenaustausch, das Gespräch.

All dies sind wesentliche Befindlichkeiten, wenn eine Stadt lebendig bleiben soll. Und für mich vermittelt das Riesenrad in seiner herrlichen Grösse solche Gefühle, die im Alltag eine besondere Bedeutung bekommen, auch wenn Dinge anders sind, als wir sie manchmal erwarten.

Das Riesenrad dreht sich, beharrlich, zuverlässig, und wer sich in den Himmel hinauftragen lassen will, der kann das; aber auch dessen Betrachtung aus der Ferne hat ihren Zauber, der einem ein feines Glücksgefühl vermittelt, gleichgültig, wie alt man ist. Danke liebes Riesenrad, dass du dastehst, dich drehst, als wäre alles wie immer und müsste auch immer so bleiben.

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