Mein Olten
Der König ist tot. Es lebe der König!

Rebekka Salm
Rebekka Salm
Merken
Drucken
Teilen
Toulouse, der König von Olten, macht immer wieder von sich reden.

Toulouse, der König von Olten, macht immer wieder von sich reden.

Bruno Kissling

Er gehörte zu den berühmtesten Einwohnern der Stadt Olten – der Kater Toulouse. Brust und Schnauze weiss, die Pfoten auch, der Rest des kurzhaarigen Fells ein edles Schwarz. Zeit seines Lebens relaxte der eigenwillige «Maudi» auf dem besten Kundensessel in der Kreuzapotheke, ging in die «Waadtländerhalle» mit den Männern einen Jass klopfen, übernachtete im Blumenladen oder gleich in einer Wohnung, in der es ihm gefiel. So berichtete es das SRF Regionaljournal im Sommer 2015. Berühmt gemacht hatte ihn allerdings der hiesige Autor Alex Capus mit seinem Büchlein «Der König von Olten». Achtzehn Jahre lang trieb sich Toulouse durch die Gassen der Altstadt, bis seine Majestät im Sommer 2017 altershalber eingeschläfert werden musste.

Nur wenige Monate nach seinem Tod erhielt er – wie es sich für einen König gebührt – ein Denkmal auf dem Kaplaneiplatz. Dort sitzt er nun in Bronze gegossen und mit Krone versehen und schaut den Leuten dabei zu, wie sie Kugeln «Kalte Lust» aus Kartonkübeli oder Waffeln schlecken.

Man könnte meinen, dies sei das Ende des Oltner Katzenkönigs. Doch da täuschen Sie sich vielleicht. Erst wenige Wochen ist es her, da blickte mir aus dem Computer ein vornehmes Katzengesicht entgegen. Brust und Schnauze weiss, die Pfoten auch, der Rest des Fells ein edles Schwarz. Zwar hatte dieser Kater ein langes Fell, dennoch war die Ähnlichkeit mit Toulouse frappant. Aufgetaucht war das Bild in der öffentlichen Facebook-Gruppe «Olten». Dort hatte eine besorgte Dame vermuten lassen, dieses arme Büsi sei vom Besitzer rausgeschmissen worden. Immer wieder sei es in der Region Starrkirch-Wil, vor allem aber beim Coop Wilerfeld anzutreffen. Mit Vorliebe fläze es sich auf den Kohlensäcken neben der Eingangstür und beobachte das Treiben der Menschen.

Unter dem Foto entbrannte sofort eine hitzige Diskussion, ob die Katze zu dünn sei, das Fell zu verfilzt und ob man dem armen Tier wohl helfen müsse. Schliesslich habe man es auch schon im Hirschgehege des Wildparks Mühletäli und in zahlreichen Gärten und Stuben auf der rechten Aareseite gesehen. Ich las die zahlreichen Facebook-Posts und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Ich kannte diesen Kater. Ich kannte ihn (leider) nur zu gut. Er gehört meiner Tochter. Was glauben Sie, wo wir den Weltenbummler auf vier Pfoten schon überall gesucht und abgeholt haben? Alle paar Wochen klopfen wir an fremde Haustüren, weil ihn besorgte Oltnerinnen und Oltner – in der Annahme, er habe sich verlaufen – bei sich aufgenommen und bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale als zugelaufen gemeldet haben. Einmal bin ich sogar bis ins zürcherische Regensdorf gefahren, um unseren Streuner heimzuholen. Mit dem Personal des Coop Wylerfeld sind wir beinahe schon per Du, weil das Katzentier sich dort tatsächlich am liebsten rumtreibt. Auch im Ladeninneren notabene, wo es im Sommer so herrlich kühl ist.

Zurück zur Facebook-Diskussion: Ja, der Kater wird gefüttert und getrimmt. Und nein, er wurde nicht rausgeschmissen. Er kommt und geht, wann es ihm passt. Die gesamte rechte Aareseite ist sein Reich. Und so hat dann auch eine Frau S. in ihrem Kommentar treffend geschrieben: «Er ist der neue Toulouse vom Säliquartier.» Wenn Sie also seine Wege kreuzen, lüften Sie besser respektvoll den Hut. Ein kleiner Knicks ist ebenfalls angebracht. Wenn Sie ihm flattieren möchten, sein Name ist Paul oder eben «eure Hoheit». Sind Sie dem neuen König von Olten vielleicht schon mal irgendwo begegnet?