Olten

Mehr als «Proud Mary» in der Schützi Olten

The Frozen Crocodiles gaben unter anderem «Proud Mary».

The Frozen Crocodiles gaben unter anderem «Proud Mary».

Am Dienstagabend präsentierten Oltner Musikschülerinnen und -schüler ihr Können. Eigenkompositionen und Klassiker der Rock- und Pop-Geschichte standen auf dem Programm.

«Früh übt sich, was ein Meister werden will.» So lautet ein altes Sprichwort. Am Konzert der Agostini Drum School und der Musikschule Olten in der Schützi konnten Eltern, Lehrer und Musikfans die künftigen Meister des Fachs Musik in Aktion erleben. Vom Drumensemble über Ausdruckstanz bis hin zu Funk und Rock wurde ein breites musikalisches Spektrum geboten.

Fairplay erwünscht

Die Jungs am Schlagzeug wünschen sich etwas, was im täglichen Leben und auch im Sport gerne vergessen geht: Fairplay. So gab sich die Drumcombo den Namen «Fankurve Fairplay», in Anspielung auf die berüchtigten Fans auf den Stehplätzen in den Fussball- und Eishockeystadien. Im Gegensatz zu den fanatischen Sportfans und ihren angebeteten Helden bot das Septett am Schlagzeug ein faires und synchrones Spiel. Der perfekte Einstieg in einen harmonischen Abend voller Musik.

New York, Paris, Berlin, London; dies waren die Destinationen, an welche die Moderne Dance Gruppe unter der Leitung von Ursula Berger ihr Publikum mitnahm. Zu einem Soundtrackausschnitt des Films «Amelie» und dem von Amy Winehouse verfassten Stück «Back To Black» stellten die einzelnen Tänzerinnen ihre Traumreise dar. Die Choreographien waren nicht bloss Ausdruck für den Wunsch nach der Ferne, sondern auch dafür, Lebensentwürfe und Träume zu verwirklichen.

Punk selbstgemacht

Wer sich am Dienstagabend auf ein Blockflötenquartett und Liedgut im Stil von «Maie-Rösli im Garte» eingestellt hatte, kam auch nach der Pause nicht auf seine Rechnung. Die drei Mitglieder von «The Diepro´s» stellten ihre Verstärker auf und beschallten die ehemalige Turnhalle in der Schützenmatte mit ihren rockigen Eigenkompositionen «Beauty From The Rain» und «Friday Afternoon» sowie dem Green Day-Cover «Holiday». Das Drum war gnadenlos, der Bass wummerte herrlich, Gesang und Gitarre waren kantig und scharf. So muss Musikschule klingen.

Big Wheels Keep On Turnin

«Beim nächsten Song dürfen Sie ruhig aufstehen!» feuerten die beiden Sängerinnen Fiona Lehmann und Ita Müller ihr Publikum an. Für einen kurzen Moment herrschte Stille im Saal. Dann setzte leise die Gitarre ein und die jungen Damen sangen gemeinsam das Intro des CCR-Hits «Proud Mary» in der Version von Ike und Tina Turner. Ike Turner ist tot, aber seine um Längen sympathischere und talentiertere sowie noch lebende Ex-Frau hätte ihre helle Freude gehabt an der Version von Proud Mary gespielt von den «Frozen Crocodiles». Die Nummer wurde auch prompt am Ende des Konzerts vom begeisterten Publikum unter stehenden Ovationen als Zugabe verlangt. Das fünfzehnköpfige Ensemble liess sich nicht zweimal bitten, und spielte noch einmal die Hymne über den Dampfer auf dem Mississippi, die «Proud Mary».

Innovatives Programm

Konzerte von Musikschulen geniessen zu Unrecht einen zweifelhaften Ruf. Viele dem Jugendalter entwachsene Menschen denken dabei an eine Aneinanderreihung von halbherzig eingeübten Evergreens oder gar verhunzten Weihnachtsliedern. Dass dieses Vorurteil keinesfalls den Tatsachen entsprechen muss, hat die Agostini Drum School und die Musikschule Olten mit ihrem vielfältigen und mit Herzblut vorgetragenen Programm in der Schützi bewiesen. Die jungen Musikerinnen und Musiker verfügen über Talent, welches unbedingt weiterhin der Förderung bedarf.

Wer weiss, vielleicht wird Olten in ein bis zwei Jahrzehnten stolz sein auf einen weiteren Sohn oder eine Tochter, welche beide die Stadt an der Aare ein klein wenig berühmter machen, als sie es dank ihres kulturellen Angebots schon ist.

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