Olten

«Mehr als ein kleines Bukarest»: Die hohe Dichte lebenswert machen

Daniel Schneider (am Fenster) beim Empfang der Exkursionsteilnehmer.

Daniel Schneider (am Fenster) beim Empfang der Exkursionsteilnehmer.

Daniel Schneider lud die 10-köpfige Exkursionsgruppe in eine Hochparterrewohnung und gab Einblicke in die Intentionen der Projektgruppe, wie aus Olten SüdWest mehr als ein «kleines Bukarest» werden könnte.

Vielleicht wirds doch noch was mit einem ansehnlichen Olten SüdWest, dem Entwicklungsgebiet Nummer 1 im östlichen Kantonsgebiet. Seit Leopold Bachmann das Gelände von über 275'000 Quadratmetern im Jahr 2009 erwarb, schiessen die kontroversen Meinungen jeweils durch die Decke, wenns um die Entwicklung einer der grössten zusammenhängenden Bauflächen im Kanton Solothurn geht. Grund genug für den Solothurner Heimatschutz (SH), die traditionelle Auffahrtsexkursion dem Quartier Olten SüdWest zu widmen. Denn «in 50 Jahren wird man sich fragen, welche Überlegungen denn zu dieser Bebauungsform geführt haben», wie Reto Esslinger, Vorstandsmitglied SH, zu Beginn der Exkursion meinte.

Zu trüb

Das Setting für den gestrigen Tag wäre eigentlich ein originelles gewesen, fiel aber grösstenteils dem etwas zu trüben Wetter zum Opfer: Daniel Schneider, Landschaftsarchitekt BSLA, Städtebau NDK, hätte als Leiter des im Herbst 2016 gestarteten Projekts einer kooperativen Anpassung des Gestaltungsplans am Fenster eines Studios gestanden und über eine optimierte Entwicklung des Gebiets philosophiert und daraus konkret Mögliches abgeleitet. Daraus wurde nichts. So lud Schneider die 10-köpfige Exkursionsgruppe in eine Hochparterrewohnung und gab Einblicke in die Intentionen der Projektgruppe, wie aus Olten SüdWest mehr als ein «kleines Bukarest» werden könnte. So nämlich wurde die Bebauung auf Feld 4 auch schon genannt.

Hohe Hürden

Es gab mehrere Indikatoren, welche auf die Schwierigkeiten hinwiesen, die künftig zu überwinden sein würden. Die hohe Dichte (an der übrigens nicht gerüttelt werden durfte), die limitierte Gebäudehöhe, dezentralisiert lokalisierte Spielflächen oder das Fehlen privater Aussenräume erschweren die Gestaltung eines wohn- und lebensfreundlichen Quartiers. Aber: Dies alles und mehr soll künftig nicht mehr so vorkommen. Um die Dichte trotz gesteigerter Gemeinnutzungsfläche beibehalten zu können, «muss in die Höhe gebaut werden», wie Schneider verriet. Eine Milchbuchrechnung sozusagen. Herausforderung also grundsätzlich: Die hohe Dichte lebenswert machen. Im Nordosten des Entwicklungsgebiets sollen bekanntlich vier Hochhäuser zu stehen kommen, die sich in ihrer Höhe in etwa an derjenigen des Stadthauses orientieren und die, «blickt man von der Hammerallee aus Richtung Olten SüdWest, verdeutlichen sollen, dass ennet den Geleisen die Stadt weitergeht», wie Schneider meinte. Eine visuelle Brücke sozusagen.

Allenfalls wird dieser Baugrund an andere private Investoren weiterveräussert, da der jetzige Eigentümer keinerlei Erfahrungen mit grossdimensionierten Hochbauten hat, gab Schneider zu verstehen. Zudem werden sämtliche Spiel- und Begegnungsorte in der mittleren, ausgeweiteten Achse (heute Erfinderstrasse) sowie dem quartierumlaufenden Rundweg entlang angelegt. Das schafft Platz für privaten Aussenraum und soll die Achse nicht nur zum Querungsort machen, sondern zum Platz des sozialen Austausches. «Es muss auch darum gehen, ein entstehendes Quartier Familien mit Kindern zugänglich zu machen», argumentierte Schneider. Dafür brauche es eine lebenswerte Umgebung.

Künftig mit Balkon

Was immer aus dem überarbeiteten Gestaltungsplan hervorgeht: Die Gebäudekuben werden künftig eine maximale Länge von 70 bis 100 Metern und eine variable Höhe aufweisen, aus dem Grundwasser energetisch versorgt sein und die Wohnungen entweder mit Balkon oder Loggia ausgestattet haben. «Mit Balkonen, die diesen Namen auch verdienen», so Schneider präzisierend.

Dass Olten SüdWest hauptsächlich als Wohngebiet ausgeschieden ist, machte die Antwort auf die Frage, ob im Erdgeschoss auch an Gewerberäume gedacht worden sei, klar. «Grundsätzlich schon, aber der Schwerpunkt liegt ganz klar beim Wohnen», gab Schneider zu verstehen. Und nach der Ansiedlung eines Grossverteilers im Quartier wird man sich vorderhand auch nicht umzusehen brauchen. «Kleinere Filialen vielleicht schon», erklärte Schneider. Die eigentliche Stadt ist rund 300 Meter entfernt. Ein Klacks, wenn die umstrittene Personenverbindung Hammer mal gebaut ist.

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