Feuerwehr Olten
Mehr als acht Jahrzehnte an Erfahrung sagen Ende Jahr «Servus»

84 Dienstjahre hat das Trio Kaderli, Hengartner und von Arx bei der Feuerwehr Olten auf dem Buckel.

Urs Huber
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Philipp Hengartner, Martin Kaderli und Roman von Arx (von links) quittieren Ende Jahr den Feuerwehrdienst in Olten.

Philipp Hengartner, Martin Kaderli und Roman von Arx (von links) quittieren Ende Jahr den Feuerwehrdienst in Olten.

Bruno Kissling

Was verbindet Martin Kaderli (54), Roman von Arx (53) und Philipp Hengartner (48)? Alle wohnen in Olten. Stimmt. Das ist aber lediglich die Basis der Verbindung, nach der hier gefragt ist. Des Rätsels Lösung: Gemeinsam zählt das Trio satte 84 Dienstjahre in der städtischen Feuerwehr. Martin Kaderli als Ältester kommt auf 30, Roman von Arx auf 29 und Philipp Hengartner auf 25 Dienstjahre.

Ende Dezember geben die drei ihren Rücktritt. Ordnungsgemäss. «Solche Austritte bedeuten auch immer Lücken im Korps», sagt Kommandant Philipp Stierli. Viel Fachwissen breche weg. Und der Umstand, so lang gediente und erfahrene Feuerwehrkräfte ehren zu können, werde künftig sicher nicht häufiger. «Die Verweildauer in der Feuerwehr nimmt eher ab», so der Kommandant. Das sei eben auch der schnelllebigeren Zeit geschuldet, dem Wechsel des Arbeitsplatzes und damit verbundenen Umzügen etwa.

Dienstzeit ohne Ambitionen angetreten

Für Kaderli, Offizier Intervention der SBB, von Arx, Operator der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs und Hengarnter, Landwirt, trifft solches nicht zu. Sie blieben. Obwohl interessanterweise seinerzeit keiner unter ihnen die Dienstzeit mit besonderen Ambitionen angetreten hatte. «Man musste einfach zur Feuerwehr, nur so viel war damals klar», sagt Kaderli, der zuletzt als Feldweibel tätig war.

Gleiches gilt für Oberleutnant von Arx, der geneigten Besuchenden des Stadttheaters vielleicht auch als Chef der dortigen Wache bekannt sein könnte. «Man wächst irgendwie in die Sache hinein», meint er. Nur der Gefreite Hengartner hat eine etwas aussergewöhnliche Vorgeschichte vorzuweisen: «Wir hatten seinerzeit einen vom Feuerwehrdienst vollständig begeisterten Nachbarn. Der hat mich schliesslich dazu gebracht, ebenfalls mitzumachen.» Der Gefreite lacht.

Dass der Feuerwehrdienst gegenüber früheren Jahren anspruchsvoller weil komplexer geworden ist, bestreitet keiner aus dem Trio. «Wir können es uns gar nicht leisten, weniger qualifiziert zu agieren als unsere Kollegen aus der Berufsfeuerwehr», meint Kaderli.

Einsatzbereit rund um Jahr und Uhr

Die Feuerwehr gilt gemeinhin als jene Blaulichtorganisation, die während 365 Tagen und 24 Stunden ausrückt. Nicht nur bei Bränden. Bleibt der Lift stecken – Feuerwehr. Bricht die Kuh durch die Abdeckung in die Jauchegrube – Feuerwehr! Weiss die Katze nicht mehr zurück vom Baum – Feuerwehr! Herznotfall – Feuerwehr! Insassenbefreiung aus Auto – Feuerwehr! Neben den technisch-taktischen Veränderungen und Anforderungen innerhalb der Organisation haben sich auch die Einflüsse von aussen entwickelt.

Sozialen Medien oder Zaungäste mit Handys etwa sind zu Dauerbegleitern der Einsatzkräfte geworden. Das sei manchmal auch ärgerlich, erzählt Hengarnter. Wer ein Vierteljahrhundert Feuerwehrdienst absolviert hat, hat auch besondere Momente in Erinnerung. Sie liegen alle doch relativ weit zurück. Für Philipp Hengartner etwa war der Umzug der Feuerwehr von der Konrad- an die Werkhofstrasse einer
der markantesten Momente. «Ein Einschnitt», meint er. «Von der City an die Peripherie. Auch schon 18 Jahre her.»

Für von Arx dagegen war ein Verkehrsunfall an der Solothurnerstrasse in Olten mit 4 Toten eines der einschneidenden Erlebnisse. «Das war 1998; an einem Sonntagmorgen um 01.30 Uhr. Unfallursache: Raserei.» So etwas bleibt ebenso hängen wie das Erlebnis Kaderlis. Als junger Feuerwehrsoldat nahm er 1993 an den Trauerfeierlichkeiten zum Tode des damaligen Kommandanten im Amt, Heinz Studer teil. «Es war ausgesprochen eindrücklich, wie gestandene Männer am Grab sich der Tränen nicht erwehren konnten», so der Dienstälteste aus dem Trio.

Auch die Kontakte werden vermisst

Und jetzt? Ende Dezember verlassen die drei eine ihnen lieb gewordene Institution. «Ich werde sicher die Kontakte vermissen», räumt Kaderli ein. «Es war schon grossartig, mit einem Schlag einem Beziehungsnetz von mehr als 80 Personen anzugehören.» Männer und Frauen mit Berufen der unterschiedlichsten Richtungen gehören diesem Netzwerk an. «Jede und jeder kann so quasi von den anderen Angehörigen der Feuerwehr profitieren», sagt Hengartner.

Und auch der einstige Chef der Theaterwache glaubt, dass die sozialen Kontakte in der Feuerwehr den Reiz der Aufgabe ausmachen, spricht gar von der «Feuerwehrfamilie». «Ich vermute aber, dass ich auch die Einsätze vermissen werde; die damit verbundenen Überraschungen und ihre Herausforderungen», bilanziert von Arx.