Olten
Meerjungfrauen in der Badi: Der Schwimmversuch mit Flosse an den Beinen

Wie fühlt es sich an als halb Mensch, halb Fisch unter Wasser zu schweben? Ein Selbstversuch als Meerjungfrau in der Badi Olten.

Tijana Nikolic
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«Fischweib» ist ein weibliches Fabelwesen, das der Legende nach ein Leben lang nach Erlösung strebt. Ich fühlte mich jedoch ziemlich wohl in meiner Flosse.

«Fischweib» ist ein weibliches Fabelwesen, das der Legende nach ein Leben lang nach Erlösung strebt. Ich fühlte mich jedoch ziemlich wohl in meiner Flosse.

Hansruedi Aeschbacher

«Unter dem Meer, unter dem Meer! Niemand frittiert dich, brät und serviert dich hier zum Verzehr», trällert es in meinem Kopf, als mich meine Kollegin auf das Werbeplakat für einen Meerjungfrauen-Schwimmkurs in der Oltner Badi aufmerksam macht.

In meinem Kopf trommelt eine Krabbe auf Muscheln und Fische führen rhythmische Tänze vor. Ja, ich wollte schon immer wie Arielle, die Meerjungfrau, sein. Und schon bald stehe ich pünktlich um neun Uhr morgens in der Badi, bereit für das Abtauchen in eine magische Unterwasserwelt.

Gar nicht so einfach

Zu meiner Freude nimmt auch noch eine andere volljährige Meerjungfrau an diesem Kurs teil. Sabrina Ruppen aus Trimbach hat diesen Kurs zum 26. Geburtstag geschenkt bekommen. Ebenso «an Bord» die kleine achtjährige Kara Stoller aus Münsingen BE.

Da sich zwei weitere Teilnehmerinnen krankgemeldet haben, sind wir zu dritt schon vollzählig. «Das ist nicht schlimm. Wegen der Sicherheit sollten die Gruppen auch nicht unbedingt viel grösser sein. Mit sechs Teilnehmern ist die Gruppe bereits gross», erklärt Corina Pauli, die Leiterin dieses Schwimmkurses und Inhaberin der Bubble Lens GmbH. Sie versucht, mit ihren Meerjungfrau-Schwimmkursen möglichst viele Kantone abzudecken. «Der nächste Kurs findet in Bern statt. Und schon bald ist einer in Luzern geplant», so Pauli. Die Nachfrage sei überall sehr gross.

Die Schwimmkursleiterin Corina Pauli hilft Kara Stoller bei ihrer Verwandlung zur Meerjungfrau. hr. aeschbacher

Die Schwimmkursleiterin Corina Pauli hilft Kara Stoller bei ihrer Verwandlung zur Meerjungfrau. hr. aeschbacher

Hansruedi Aeschbacher

Zu Beginn begrüsst sie uns alle nett, und schon kann es losgehen. Das tiefe Becken bei den Sprungbrettern ist für uns reserviert. Eine schwarze Gummimatte liegt auf der Seite des Beckens bereit, auf der wir unsere Verwandlung zu Meerjungfrauen vervollständigen können. Zuerst steckt man die Füsse in eine speziell zugeschnittene Flosse, über diese wird ein Schutzstoff gespannt und zum Schluss ziehen wir lange hautenge einbeinige Leggins an. In Lila, Hellblau und Orange. Corina Pauli hilft uns allen beim Anziehen. Das ganze Outfit kann man sich auch für den Eigengebrauch kaufen. «Ich freue mich so auf den Kurs. Welches Mädchen wollte nicht schon mal Meerjungfrau sein», freut sich Sabrina Ruppen. Ich verstehe ganz genau, was sie meint und schmeisse mich in das kalte Wasser.

Atemlos durch das Wasser

Kara gleitet durch das Wasser, als ob sie nie was anderes gemacht hätte. «Ich habe schon ein paar Mal am Kurs teilgenommen. Es macht mir grossen Spass», lacht sie. Ihre Mutter und ihre Schwester sind als Zuschauerinnen dabei. Sabrina hat ihre Mutter und ihren kleinen Bruder mitgebracht. Ich meinen grossen Fotografen, Hansruedi Aeschbacher.

Corina Pauli bleibt in ihrem Neoprenanzug in unserer Nähe und lässt, zumindest Sabrina und mich, ein paar leichte Übungen machen. Es geht darum, überhaupt unter Wasser zu bleiben, ohne ständig von der Flosse oder der Luft in der Lunge nach oben gezogen zu werden. «Ihr müsst beim Abtauchen die Luft ausatmen, denn so werdet ihr im Wasser leichter», erklärt uns Pauli. Ich scheine immer viel zu viel Luft auszuatmen, denn ich ersticke fast bei jedem Untertauchen.

Zwischendurch sieht man nur meine Flosse aus dem Wasser ragen, während ich krampfhaft versuche, meinen Oberkörper unter Wasser zu halten. Währenddessen schwimmt Kara wie ein Delfin um uns herum. Sabrina kommt auch langsam in die Gänge. Jedoch fangen wir nach einer Weile langsam an zu frieren. Jetzt verstehe ich, warum Pauli einen Neoprenanzug anhatte. «Ich habe manchmal mehrere Kurse hintereinander. Ohne den Anzug würde ich erfrieren», sagt sie.

Unterwasser-Fotoshooting

Sie zeigt uns einige Bewegungen mit der Flosse und lässt uns dazu Längen schwimmen. Ganz liebevoll nimmt sie sich für jede von uns Zeit und beobachtet unsere Bewegungen im Wasser. Nach einer Weile funktioniert die Koordination bei mir besser und ich gleite und schwebe durch das Wasser.

Wer dieses besondere Erlebnis festgehalten haben möchte, kann auch ein Unterwasser-Fotoshooting bei Pauli buchen. Immer mehr Leute versammeln sich um unser Becken. Die Männer schmunzeln, die Frauen holen sich Broschüren zum Kurs. Nach ganzen zwei Stunden geht der Kurs zu Ende. Als ich meine Flosse ausziehe, fühlt es sich sehr komisch an, wieder auf zwei Beinen zu stehen. Nach weiteren Lektionen wäre meine Verwandlung zur Meerjungfrau wohl komplett.

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