Olten

Max Frischs Biedermann – aktueller denn je

Manuel Locher als Gottlieb Biedermann (in Anzug) und Brandstifter Jakob Müller als Hausierer Schmitz.

Manuel Locher als Gottlieb Biedermann (in Anzug) und Brandstifter Jakob Müller als Hausierer Schmitz.

Die Dachschadengesellschaft Olten führt in diesen Tag das Drama von Max Frisch «Biedermann und die Brandstifter» auf.

Nachdem sich die Schauspielgruppe in den vergangenen Jahren Stücken von Sartre oder Becket gewidmet hat, widmet sie sich dieses Jahr dem grossen Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Dieser hat den «Biedermann» im Jahr 1948 geschrieben, nur wenige Jahre nach Kriegsende. Die Uraufführung fand 1958 statt, in den ersten Jahren des Kalten Krieges.

Obwohl das Stück über fünfzig Jahre alt ist, lohnt sich der Gang ins Theaterstudio. Es hat an Aktualität und Brisanz nichts verloren, im Gegenteil. Der Bürger Biedermann, der Name ist Programm, nimmt zwei Brandstifter in seinem Haus auf. Diese machen von Anfang an klar, dass sie dieses in Brand setzen werden. Der Untertitel lautet denn auch: «Ein Lehrstück ohne Lehre».

Leichter Brandgeruch

Schon beim Betreten des Theaterstudios sticht einem ein leichter Brandgeruch in die Nase. Häuser brennen und der biedere Bürger Gottlieb Biedermann (Manuel Locher) regt sich auf über die Dreistigkeit der Täter. Diese nisten sich bei den späteren Opfern ein. Da meldet das Hausmädchen Anna (Elsa Eggli) den Hausierer Schmitz (Jakob Müller) an, welcher um Unterkunft bittet, die ihm natürlich auch gewährt wird. Biedermanns Frau Babette (Natalia Kurtj) möchte den ungebetenen Gast möglichst schnell loswerden.

Dies ist aber einfacher gedacht als gemacht. Später gesellt sich auch noch Eisenring (Christoph Stapfer) zu seinem Kollegen Schmitz. Die beiden hantieren ungeniert mit Benzinfässern auf dem Dachboden. Biedermann übersieht aber alle Zeichen, die klar und eindeutig sind. In weiteren Rollen sind Paloma Egger als Witwe Knechtling und Nicole Fierz als Chorführerin zu sehen.

In Frischs Stück wird das Geschehen durch einen Chor von Feuerwehrmännern kommentiert und begleitet. Auf der kleinen Bühne ist eine solche Inszenierung nicht möglich, so wurde denn der Chor auf zwei Personen verkleinert. Fierz und Egger verstehen es gekonnt, das Stück mit ihren Einsätzen zu umrahmen.

Ein Genuss

Es ist ein Genuss, den Schauspielern zuzuschauen. Müller agiert als leicht dümmlicher Komplize des Rädelsführers Eisenring. Stapfer verleiht dieser Figur Leben, ihre kalte Intelligenz und gezielt eingesetzter Charme machen einem Angst. Locher als Biedermann überzeugt nicht nur durch sein gekonntes Spiel. Auch seine Kleidung entlarvt ihn als Kleinbürger, gestrickter Pullunder, auf Hochglanz polierte Schuhe.

«Kleider machen Leute», so ist es in der Tat. Aber auch Natalia Kurth besticht als Babette Biedermann. Sie warnt zwar ihren Mann zuerst. Auch sie ahnt die bösen Absichten. Man nimmt Kurth die Zwiespältigkeit ihrer Figur ab. Und auch Elsa Eggli in ihrer Doppelrolle als Anna und Polizist überzeugt.

Das Theaterstück ist als Drama geschrieben, hat aber einige Szenen, die komisch, ja fast witzig sind. Angesichts des Hintergrunds, auch des heutigen, bleibt einem aber das Lachen im Hals stecken. Frisch schrieb das Stück in den Nachkriegsjahren, noch unter dem Eindruck der Naziherrschaft. Es ist eine eigentliche Parabel über die Gesellschaft, nicht nur über die damalige, auch über die heutige. Es soll zum Denken anregen. Wie gehen wir um mit den Brandstiftern in unserer Umgebung?

Lassen wir sie schalten und walten? Oder halten wir Augen und Ohren offen? Und wie läuft es denn heute? Hat der Westen nicht auch ein Stück Mitverantwortung an den heutigen Geschehnissen? Biedermann hilft beim Ausmessen der Zündschnur, westliche Länder beliefern Saudi-Arabien mit Waffen. Ein Schelm, wer Böses denkt. Kerstin Schulz hat das Stück inszeniert und auch Regie geführt. Das Nachspiel, das in der Hölle spielt, hat sie zwischen die Szenen eingebaut. Dies verleiht dem Stück eine zusätzliche Spannung.

Vorstellungen: Fr, 27. November, 20.15 Uhr; Sa, 28. November, 20.15 Uhr; Derniere: So, 29. November, 19.15 Uhr.

Vorverkauf: www.dsg-theater.ch/tickets; Abendkasse / Barbetrieb 1 h vor Beginn; Alle Aufführungen im Theaterstudio Olten.

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