«Uf dr Froburg hed im Junker si Frou trunke vo däm feine Wasser, und vo dr Stung ewägg ischs ere besser ganga. Jede Tag isch jetzt der Junker sälber zu däm Brunne gritte und het für si Frou früsches Wasser gschöpft, bis si wieder ganz gsung gsi isch, und mit ihm sälber het chöne häre ritte. Zidhär het die Quelle der Name Junkerebrunne. (...)» Dies schreibt Schriftstellerin und Sagensammlerin Elisabeth Pfluger in ihrem Buch «Solothurner Sagen». Und genauso steht es in schwarzen Lettern auf einer kleinen Metall-Tafel neben dem Holzbrunnen mit dem Namen Junkerbrunnen im Wald des Bumelochs in Starrkirch-Wil geschrieben.

«Dieser Mythos hat mich schon immer fasziniert und seither nie wirklich losgelassen», erzählt Alice Zaugg mit leuchtenden Augen. Die 18-jährige Maturandin kam bereits in ihrer Kindheit regelmässig hierher, um vom Junkerbrunnenwasser, welchem heilende Wirkung nachgesagt wird, zu trinken. Und damit ist sie offenbar nicht die Einzige.

Nach wie vor spazieren manche Leute gezielt zum Brunnen, um Wasser zu holen. «Ich habe mir dann irgendwann die Frage gestellt, ob an dieser Sage tatsächlich etwas dran ist. Schliesslich gehen diese Leute ja aus einem bestimmten Grund zum Brunnen», erklärt Zaugg.

Das hat sich Alice Zaugg zum Thema ihrer Maturaarbeit gemacht. Daraufhin hat sie die Hahnenwasser aus den Gemeinden Olten, Starrkirch-Wil und Dulliken mit dem Junkerbrunnenwasser in Bezug auf die chemische Zusammensetzung und den Geschmack verglichen. Dafür hat sie einerseits eine Umfrage bei den Brunnenbesuchern und andererseits eine Blindverkostung mit einem Önologen, also einem Fachmann auf dem Gebiet des Weinbaus, durchgeführt.

Die befragten Brunnenbesucher, die laut Zaugg vor allem aus den umliegenden Gemeinden Dulliken und Starrkirch-Wil und aus praktisch allen Altersklassen stammen, haben angegeben, dass sie das Junkerbrunnenwasser als besser als ihr eigenes Hahnenwasser wahrnehmen. «Viele haben ausgesagt, dass es frischer und weicher schmecke», berichtet Zaugg. «Und einige sogar, dass sie das Wasser ihrer Gesundheit wegen trinken.»

Auch die Degustation des Önologen bringt ein interessantes Ergebnis zutage: Er hat aus insgesamt sieben Wässern, darunter auch Hahnenwasser aus Dulliken und Starrkirch-Wil, das Junkerbrunnenwasser als Testsieger auserkoren. Es schmecke «erfrischend, samtig und vollmundig», meinte er.

Schmecken tut es also den Leuten, aber wie schlägt sich das Brunnenwasser in der chemischen Analyse? Um dies festzustellen, wurde das Wasser in einem Labor der Universität Basel bezüglich verschiedener Faktoren wie dem pH-Wert und dem Sauerstoffgehalt untersucht. Dabei hat Alice Zaugg herausgefunden, dass es sich beim Junkerbrunnenwasser um ein hartes Wasser handelt. Das bedeutet, dass das Wasser viele Mineralien, wie zum Beispiel Kalzium, Magnesium oder Nitrat, beinhaltet und somit ganz und gar nicht weich ist, so wie es teilweise bei der Umfrage angegeben wurde.

Ob denn nun ein Wasser mit vielen Mineralien oder eines mit wenigen gesünder ist, kann Alice Zaugg nicht sagen: «Darüber sind sich auch die Wasserexperten nicht einig. Wünschenswert ist zum Beispiel, dass der Nitratgehalt möglichst tief ist.» Dies ist, wie die 18-Jährige herausgefunden hat, beim Junkerbrunnenwasser der Fall. «Der Nitratgehalt ist mit 16 Milligramm pro Liter nicht besonders tief. Das Gesetz lässt allerdings einen Wert von 50 Milligramm pro Liter zu.»

Ob die junge Frau denn auch zufrieden mit ihren Ergebnissen ist? «Ja, das bin ich. Ich habe herausgefunden, dass sich das Junkerbrunnenwasser chemisch gesehen nicht erheblich von den regionalen Hahnenwässern unterscheidet. Und somit sicherlich gesund, aber nicht ausserordentlich gesund ist.» Wieso sich das Wasser dennoch einer regen Beliebtheit erfreut, kann Alice Zaugg nicht abschliessend sagen: «Wahrscheinlich liegts an der Sage.»