Herr Wey, was halten Sie von den Enzo-Möbeln, die der Stadt Olten von Projektinitiant und «Kolt»-Herausgeber Yves Stuber nun geschenkt wurden?

Martin Wey: Die Sammelaktion fand ich sympathisch. Von Anfang an haben wir aber ganz klar kommuniziert, dass die Enzo-Möbel nicht auf der Kirchgasse zu stehen kommen können, weil diese wegen der Grösse und des Gewichts nicht ideal sind, um vom Werkhof herumgeschoben zu werden. Zudem wäre es ein Zusatzaufwand. Mit der Schützi und dem Fachhochschul-Vorplatz haben wir in einem ersten Schritt zwei geeignete Standorte gefunden.

Oltner Stadtpräsident Martin Wey fliegt auf einem pinkem Enzo-Möbel

Oltner Stadtpräsident Martin Wey fliegt auf einem pinkem Enzo-Möbel

Bei der offiziellen Übergabe der Enzo-Möbel an die Stadt kamen sie auf pinkem Modell geflogen: Stadtpräsident Martin Wey (l.) und Baudirektor Thomas Marbet bei der Übergabe am Samstag in der Schützi. 

Auf der Kirchgasse verteilt stehen aber bereits ein Dutzend metergrosse quadratische Blumentöpfe.

Dem Wochenmarkt müssen diese nicht weichen. Die entsprechenden Standorte der Blumentöpfe wurden zusammen mit dem Werkhof so bestimmt, dass diese nicht ständig herumgeschoben werden müssen.

Gäbe es dann analog dazu keinen Standort auf der Kirchgasse, zumindest ein oder zwei Enzo-Möbel probehalber für ein paar Wochen aufzustellen, ohne dass sie den Wochenmarkt und die weiteren Anlässe gross stören würden?

Aus bereits erwähnten Gründen sahen wir von der Stadt bis anhin keine Möglichkeit dafür. Seit letztem Samstag sind wir nun offiziell Eigentümer der Möbel, und können nun bestimmen, was mit ihnen geschieht. Die Kirchgasse als Standort könnte nun durchaus eine Option sein. Vorstellbar wäre auch, dass die beiden Standorte in der Schützi und beim Fachhochschule-Vorplatz nicht die einzigen bleiben müssen in der Stadt.

Ist die Stadt generell der Ansicht, es müsste auf der Kirchgasse mehr Sitzplätze ohne Konsumzwang geben als nur die vier Sitzbänke vor den Museen und die «Chilestäge»?

Die Diskussion um die Enzo-Möbel hat gezeigt, dass dies in der Bevölkerung ein Bedürfnis zu sein scheint. Ich werde die Idee von Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang im Stadtrat vorbringen, sodass wir hoffentlich möglichst noch vor den Herbstferien einen Probeversuch mit ein paar Sitzbänken auf der Kirchgasse starten können. Zu bestimmen wäre mit dem Werkhof und den Gastrobetrieben noch der genaue Standort.

In Bern und Zürich gibts bisher auch positiv verlaufene Versuche mit einfach verschiebbaren Bistrotischen und -stühlen. Wäre das auch was für die Oltner Kirchgasse?

Ein Versuch mit einfach verschiebbarem Mobiliar wäre sicher interessant und unkompliziert. Die Frage ist dabei natürlich, was passiert damit, wenn die Kirchgasse weniger belebt ist. Es birgt die Gefahr von Diebstahl und Vandalismus. Die Möblierung muss in meinen Augen schon eine gewisse Qualität haben, damit dem vorgebeugt werden kann.

Was halten Sie generell von Bürgerinitiativen, die auf eigene Faust Geld für eine Sache sammeln, diese dann der Stadt als Geschenk vermachen, wie dies bei den Enzo-Möbeln geschehen ist?

Solche Initiativen sind ein positives Zeichen, weil sich so Einwohner für das Wohl und die Schönheit der Stadt einsetzen. Wichtig bei solchen Aktionen ist aber, dass nicht einfach gesammelt und die Stadt dann vor vollendete Tatsachen gestellt wird, was diese mit dem Geschenk zu tun hat. Das heisst, die Initianten sollen mit den Stadtbehörden rechtzeitig Rücksprache nehmen, was bei der Enzo-Möbel-Aktion geschehen ist. Zudem ist es immer noch so, dass wichtige Kernaufgaben eigentlich die Stadt initiieren und finanzieren müsste.