Olten
Marion Rauber möchte in der Innenstadt eine Markthalle als Treffpunkt

Die 54-jährige Sozialdemokratin strebt eine zweite Amtsperiode als Oltner Stadträtin an. Sie tritt für eine belebte Innen- und Quartierstadt ein.

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Marion Rauber an ihrem Herzensort Munzingerplatz.

Marion Rauber an ihrem Herzensort Munzingerplatz.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Man könnte sie fast als Berufsoltnerin bezeichnen: Marion Rauber (SP) ist in Olten aufgewachsen und der Stadt treu geblieben. Die 54-jährige Stadträtin und Pflegefachfrau HF lebt in einer Partnerschaft, ist Mutter zweier erwachsener Kinder und bezeichnet Kulturengagements und Fasnacht als ihre Hobbys.

Warum wollen Sie auf dem Munzingerplatz fotografiert werden?

Der Platz ist so etwas wie meine engste Oltner Heimat. In dessen unmittelbarer Umgebung bin ich aufgewachsen. Und jetzt wohne ich wieder hier im Herzen der Innenstadt. Vor kurzem habe ich mir alte Fotos vom heutigen Platz der Begegnung, der eigentlichen Westverlängerung des Munzingerplatzes, angesehen. Dort war doch tatsächlich mal eine Wiese. Solche Feststellungen in der Rückblende wirken oft etwas bizarr.

Sie würden wieder gewählt: Welches Thema gehört nach Ihrer Ansicht aufs politische Tapet?

Mag sein, dass die Coronazeit die Optik und Bedürfnisse etwas verändert hat. Aber ich glaube, wir müssen nicht bloss die Innenstadt, sondern auch Aussenquartiere attraktiver machen, Begegnungen ermöglichen. Jetzt lässt sich erkennen, dass die Leute wieder vermehrt Angebote in unmittelbarer Umgebung suchen. Städtische Parkanlagen gewinnen an Bedeutung. Aber auch Plätze in der Innenstadt müssen noch vermehrt bespielt werden. Stellen Sie sich einen Biergarten auf dem Platz der Begegnung oder eine Markthalle auf dem Munzingerplatz vor. Wir müssen in dieser Richtung mutiger werden.

Die Coronakrise beherrscht derzeit unseren Alltag. Hätte der Stadtrat zusätzliche Unterstützungsmassnahmen neben Bund und Kanton etwa für Kultur- und Gastrobetriebe ergreifen müssen?

Die Stadt macht dies. Wir arbeiten an Lösungen für Mietreduktionen, bieten vermehrt Aussenflächen zur Nutzung an. Unterstützung ist aber abhängig von ausgewiesenen Mindereinnahmen. So ist auch zu prüfen, inwieweit vereinbarte Gelder gesprochen werden für Organisationen, welche ihren Leistungsaufträge aus Coronagründen nicht erfüllen konnten. Grundsätzlich aber gilt: Die Stadt verzichtet meist auf direkte finanzielle Unterstützung, aber sie erlässt etwa Gebühren oder Abgaben und versucht so ihren Teil dazu beizutragen.

Müsste Olten generell die Kultur und Sportvereine stärker unterstützen?

Ich glaube, die Stadt agiert diesbezüglich grosszügig. Obwohl man natürlich immer sagen kann, mehr wäre besser. Ich bin zum Beispiel Verfechterin einer Kulturfachstelle. Ich glaube, dort wären die Interessen breitester Kulturkreise am besten gesichert. Oft bekommen diejenigen etwas zugebilligt, die am lautesten rufen. Das ist nicht zwingend mein Kulturverständnis.

Die Stadt Olten muss in den nächsten Jahren mit dem Neubau Schulhaus Kleinholz und dem neuen Bahnhofplatz zwei wichtige Infrastrukturvorhaben stemmen. Ist dazu eine Steuererhöhung nötig?

Ja, und zwar projektbezogen. Ich bin überzeugt, dass die Steuerzahlenden tiefer in die Tasche zu greifen bereit sind, wenn sie konkret wissen wofür. Das Schulhaus Kleinholz ist eine schlichte Notwendigkeit, vom neuen Bahnhofplatz wird die Stadt vor allem hinsichtlich der Aareufergestaltung und der damit verbundenen dortigen Aufenthaltsqualität profitieren.

Das sagt der Mitbewerber

Nils Löffel, Stadtratskandidat Olten jetzt!

«Ich habe Marion als offene Stadträtin kennen gelernt, die den Austausch sucht und auch gerne bei einem Glas Wein über die Oltner Politik diskutiert. Als Sozialdirektorin hat sie neue Ideen eingebracht und gerade beim SIP-Projekt gezeigt, dass sie sich für ihre Anliegen einsetzt und sich treu bleibt. Auch wenn ich einer SIP kritisch gegenüber stehe, hat mich ihr Durchsetzungsvermögen in dieser Angelegenheit gefreut. Persönlich bin ich der Meinung, dass Olten das Potenzial hat, noch sozialer und integrativer zu sein und hier hätte ich mir von Marion gewünscht, dass sie diese Stossrichtung im Stadtrat noch stärker einzubringen schafft.»

Wie soll die Stadt die Ausfälle aus der Unternehmenssteuerreform kompensieren?

Wir wissen momentan noch wenig Konkretes über die Auswirkungen. Das Ziel der Stadt muss sein, den Finanzhaushalt mittelfristig ausgeglichen zu gestalten. Da lässt es sich nicht jährlich abrechnen. Eigentlich sehe ich durchaus noch brachliegendes Potenzial auf der Einnahmenseite: attraktiv sein für Firmen und Familien. Das bringt Zuzüger und damit Steuersubstrat. Deshalb rede ich erst mal nicht so gerne über STAF-Kompensationen via Steuererhöhungen oder Sparmassnahmen.

Welche weiteren Grossprojekte soll sich Olten in den nächsten Jahren leisten? Schulhaus Kleinholz mit oder ohne Dreifachturnhalle, Badi Garderobengebäude, neues Bühnenhaus Stadttheater, Personenunterführung Hammer?

Ich glaube, das Schulhaus Kleinholz ist gesetzt. Dessen Bedarf ist unbestritten. Und zwar mit einer Dreifachhalle, zu der ich stehe. Denn wenn bauen, dann wollen wir dabei auch die Vereine nicht vergessen. Das neue Bühnenhaus hat zweite Priorität. Wir müssen uns überlegen: Wollen wir ein Stadttheater oder nicht? Wenn wir eines betreiben wollen, gehört das neue Bühnenhaus zwingend dazu. An dritter Stelle sehe ich die PU Hammer. Es ist notwendig, das Gebiet Olten Südwest auch für den Langsamverkehr mit der Westseite der Stadt vernünftig zu erschliessen. Der Weg über die Rötzmatt ist alles andere als überzeugend. Und dann kommt leider das Garderobegebäude der Badi am Schluss. Obwohl ich natürlich weiss, dass die Badi sehr gut frequentiert und im Sommer ein Dauerbrenner ist.

Was soll mit dem Kunstmuseums-Gebäude geschehen?

Erstens: Ich bin dezidiert dagegen, die Liegenschaft zu veräussern. Für mehr als einen langjährigen Baurechtsvertrag bin ich nicht zu haben. Das ist für einen Investor bestimmt auch kein abschreckendes Szenario. Soviel zur Basis. Zweitens muss dort etwas Belebendes für die Innenstadt hinkommen: Hotel, Jugendherberge. Und was mir persönlich vorschwebt: eine Markthalle als Treffpunkt, als Veranstaltungslokal.

Im April wird an der Urne über den Weiterbetrieb des Krematoriums abgestimmt: Ihre Haltung dazu?

Investitionen in unseren schönen Waldfriedhof würde ich an anderer Stelle einsetzen wollen. Etwas für die Hinterbliebenen machen: die Modernisierung der Aufbahrungsräume, um in Würde Abschied nehmen zu können, andere Bestattungsformen ermöglichen. Jenseits Erdbestattungen und Urnengräbern hat sich in der Zwischenzeit vieles verändert. Das Angebot an Krematorien auswärts halte ich für ausreichend. Aber schlussendlich entscheidet das Stimmvolk.

Nach dem Aus des geplanten Ballsport-Centers im Kleinholz: Was soll auf dem ehemaligen Minigolfareal entstehen?

Das Ballsport-Center ist gescheitert, das bedaure ich sehr. Ich würde mir wünschen, dass dort eine Nutzung vorgesehen wird, die breitere Bevölkerungskreise anspricht. Parkplätze dagegen auf keinen Fall. Eine Pumptrack-Anlage wäre bestimmt ein passendes Projekt. Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass im Kleinholz und auch im Bornfeld viele Familien zugezogen sind. Eine Pumptrack-Anlage oder ähnliches käme den Bewohnern und Bewohnerinnen sicher entgegen.

Im Entwicklungsgebiet Olten SüdWest geht es nicht vorwärts: Der angepasste Gestaltungsplan, der ein durchmischteres Quartier vorsieht, steht wegen Einsprachen vor Verwaltungsgericht. Und in der Überbauung stehen rund 150 von 420 Wohnungen leer. Wie kann man das Quartier beleben?

Das Vorhaben ist wirklich schlecht gestartet. Aber mit dem neuen Masterplan ist Olten SüdWest meiner Ansicht nach auf Kurs: weg von der auf fossilen Brennstoffen basierten Heizung, neu sind variable Gebäudehöhen vorgesehen, mehr Grün in den Aussenbereichen, Balkone werden zum Standard. Ich glaube, auch die Erreichbarkeit des Quartiers ist von entscheidender Bedeutung; in Verbindung mit öffentlichen Bauten. Das Schulhaus Zementi ist bestes Beispiel dafür. Dadurch entsteht Leben. Auch das dortige Café Bloomell ist ein Zeichen der Einbindung. Ich könnte mir durchaus auch einen Laden dort vorstellen.

Marion Rauber

Seit 31 Jahren in politischen Ämtern

Marion Rauber ist seit 1990 politisch aktiv; anfänglich als Vorstandsmitglied der VPOD Spitalgruppe, später in der Kommission für Alters- und Gesundheitsfragen. Von 2001 bis 2007 war sie Mitglied des Gemeindeparlaments, während vier Jahren wirkte sie auch in der Geschäftsprüfungskommission mit. Zwischen 2005 und 2010 gehörte die heute 54-Jährige dem Oltner Bürgerrat an. Bevor sie 2017 zur Stadträtin gewählt wurde, nahm sie im Jahr zuvor noch einmal Platz im städtischen Gemeindeparlament. Zudem ist sie Vorstandsmitglied diverser Organisationen. Darunter findet sich die Oltech Olten-Gösgen-Thal-Gäu, die Freunde des Kunstmuseums Olten und die IG Aktives Alter.

Die Stadtverwaltung und ihre Tätigkeiten sollen bis 2040 klimaneutral sein. Was halten Sie davon?

Das Vorhaben ist sehr gut. Als Energiestadt haben wir das sogenannte Gold Label anzustreben. Natürlich hat alles seinen Preis und dieser muss transparent sein. Klimaneutralität ist allerdings nicht bloss auf die Stadtverwaltung zu beschränken. Das würde zu kurz greifen. Aber die Absicht ist aus heutiger Sicht zumindest ein grosser Anfang.

Olten kennen viele nur vom Umsteigebahnhof und hat vielfach immer noch einen schlechten Ruf. Welches wäre Ihr Gegenmittel?

Olten muss sich noch mehr zu einem attraktiven Wohn- und Lebensort für alle Generationen entwickeln. Dazu gehören für mich als Stadträtin nicht nur familienergänzende Angebote, sondern auch attraktive Freizeitangebote und kulturelles Engagement. Dazu braucht es auch eine positiv gestimmte Mitwirkung aus breiten Kreisen der Bevölkerung. Nur ein bisschen Motzen und ein vermeintlich schlechtes Image von Olten zu transportieren hilft da wenig weiter.

Sie hätten einen Wunsch frei für Olten. Welcher wäre das?

Alle sollen im positiven Geist an der Entwicklung Oltens als Lebens- und Wohnstadt mitwirken. Und vielleicht als zweiter Wunsch: Ich wünsche der Stadt noch ein paar Lottomillionäre (lacht).

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