Olten

«Man weiss nie, was einmal sein wird»

Barbara Frei Salvetti (links) und Beatrice Gehri, Beraterinnen Patientenverfügung.

Barbara Frei Salvetti (links) und Beatrice Gehri, Beraterinnen Patientenverfügung.

Das Rote Kreuz des Kantons bietet eine Patientenverfügung mit Rundumservice.

«Man weiss nie, was sein wird.» Ein häufig gehörter Satz, der letzten Endes für Vorkehrungen spricht. «Genau», sagt Beatrice Gehri, Regionalstellenleiterin des kantonalen Roten Kreuzes in Grenchen. In Händen hält sie eine von der kantonalen Sektion herausgegebene Patientenverfügung; so etwas wie der verbriefte letzte Wille einer Person, die in urteilsfähigem Zustand über jene versorgerischen Handlungen und Massnahmen bestimmen will, die im Falle eigener Urteilsunfähigkeit zu treffen sind. «Das können Fragen der unterschiedlichsten Art sein», so Barbara Frei Salvetti, Beraterin Patientenverfügung. Fragen zur Linderung von Schmerzen, Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, andere lebensverlängernde Massnahmen und Wiederbelebungshandlungen.

Differenziertes Bild

Nun, das ist an sich noch nichts Besonderes. Das SRK Solothurn aber geht noch einen Schritt weiter und führt beim Erstellen der Verfügung seit 2011 eine weitere Dienstleistung im Angebot: eine persönliche Beratung. «Wir wollen wissen, warum jemand eine Patientenverfügung schreiben will; nicht aus purer Neugierde unsererseits, sondern um die Wertehaltung der betreffenden Person in Erfahrung zu bringen», erklärt Beatrice Gehri. Auf diesem Weg nämlich will man einen Schnellschuss verhindern, der häufig mit der Bemerkung «Ich will am Schluss nicht an den Schläuchen hängen» eingeleitet und gleichzeitig auch abgeschlossen wird. «Diese Antwort erscheint uns zu undifferenziert», hakt Barbara Frei Salvetti nach. Sechs Eingangsfragen offenbaren deshalb diese persönliche Wertehaltung des Einzelnen. Gestreift werden darin etwa Aspekte wie Lebensqualität, Pflegebedürftigkeit, persönliche, religiöse oder spirituelle Überzeugungen, die unter Bezugnahme auf die einzelnen Fragen der Verfügung in sich schlüssig sein sollen. Eine der Beratungsaufgaben von Barbara Frei Salvetti, die fürs SRK in Olten aktiv ist. «Mich interessieren Menschen und ihre Hintergründe», erklärt sie ihre diesbezügliche Motivation. Im Sitzungszimmer auf der SRK-Geschäftsstelle an der Ringstrasse in Olten finden die Beratungsgespräche jeweils statt. Es sei hilfreich das Beratungsgespräch auf neutralem Boden zu führen, finden die beiden Frauen. Eine Fachperson überprüfe später die jeweilige Verfügung auf deren Inhalt, ihre formelle Gültigkeit und Verständlichkeit, so Beatrice Gehri. Bei Ungereimtheiten würden die Kunden kontaktiert.

Hinterlegen der Verfügung

Ist die Verfügung erst mal im Reinen, muss diese natürlich auch – nomen est omen – zur Verfügung stehen. Denn eine Patientenverfügung, um die Dritte nichts wissen, ist letztlich sinnlos. Dafür gibts stets eine bevollmächtigte Vertrauensperson und weitere, in der Verfügung genannte Ersatzpersonen. Aber auch hier tut sich das SRK hervor und bietet einen aussergewöhnlichen Service. Die Patientenverfügung kann beim SRK hinterlegt werden, damit sie im Notfall schnell gefunden werden kann. Im Gegenzug erhält der Kunde einen persönlichen Ausweis, der Dritte auf die bestehende Verfügung und deren Archivierungsort hinweist. «Mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet abzuklären, ob erstens eine Verfügung vorliegt und zweitens auch danach zu handeln», weiss Barbara Frei Salvetti.

Liegt die Verfügung erst mal im Archiv des SRK, so verstaubt sie keineswegs dort. Periodisch erinnert das SRK den Kunden an eine eventuell notwendige oder angebrachte Modifizierung; alle zwei Jahre empfehle sich eine Überprüfung, so das SRK. «Zumindest dann sollte die Verfügung angepasst werden, wenn sich Lebensumstände oder Gesundheitszustand verändert haben», sagt Beatrice Gehri. Allerdings sind Änderungen nicht beschränkt auf diese Zeitintervalle. «Verfügungen können jederzeit angepasst werden», so Gehri. Aktuell umfasst die Patientenverfügung des SRK satte 24 Seiten. Das erscheint als etwas viel. «Wir sind daran eine kompaktere Ausgabe zu schaffen, ohne allerdings den Inhalt zu verändern», sagt Gehri.

Wer sich des gesamten Pakets des SRK bedient (Beratung, Verfügung, Ausweis Erinnerungsservice und Hinterlegung), bezahlt dafür 210 Franken. Ohne Hinterlegung fällt der Preis um 70 Franken tiefer aus. Wer Ersteres wählt, hat nach Lesart der SRK die Garantie, dass behandelnde Ärzte im Bedarfsfall die persönliche Verfügung des Patienten jederzeit telefonisch anfordern können. Denn jederzeit kann auch der Verlust der Urteilsfähigkeit eintreten.

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