Olten
Maler Jörg Binz mit seiner ersten Ausstellung – sein Freund Pedro Lenz hält dazu die Vernissage-Rede

Der einheimische Künstler Jörg Binz stellt erstmals im Kantonsspital Olten aus. Sein Freund, der Mundartautor Pedro Lenz, hielt die Vernissage-Rede.

Fabian Muster
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Maler Jörg Binz (links) mit seinem Freund und Vernissage-Redner, Mundartautor Pedro Lenz.

Maler Jörg Binz (links) mit seinem Freund und Vernissage-Redner, Mundartautor Pedro Lenz.

Bruno Kissling

D Emotion ir Kunscht

Liebe Jörg Binz,

sehr geehrti Damen und Herre,

liebi Aawäsendi,

liebi Kunschtfründinnen und Kunschtfründe,

härzlech gueten Oobe mitenang

und härzlech wüukomme do im Spitau Oute

wüukomme zu dere Vernissage,

wo ne breiten und vüufäutigen Iiblick git

i ds Wärk vom Outner Kunschtmoler Jörg Binz.

Für e Jörg Binz

isch ds Spitau ke frömden Ort,

är kennt das Huus nid nume

aus Usstelligsort,

aber es isch nim zwiifulos lieber,

dass er hütt und dohie

sini Büuder cha usstöue,

aus wenn er wäge körperleche Bräschte

im Spitau müesst verwiile.

Es Spitau isch e guete Platz

zum Kunscht usstöue

und zum Kunscht aaluge.

Und am Jörg Binz sini Kunscht

isch immer e guete Grund

zum e Vernissage bsueche.

Eigetlech müesst i hütt am Oobe

mindeschtens drü Rede haute,

eini, für die, wo der Jörg-Binz kenne,

eini für die, wo der Jörg Binz nid kenne

und eini für die, wo meine,

si kenni der Jörg Binz.

Der Binz isch drum e Künschtler,

wo mäng eine meint z kenne,

wöu er vilecht mit nim

irgendnöimen ir Stadt,

irgendeinisch ire Nacht,

es Glas Wi het dörfe ha.

Mäng eine meint,

är kenni der Binz,

wöu me nen aube

uf der Stross gseht

oder im Hammer-Migros

oder im Café Ring,

wo ner übrigens gägewärtig sogar

ar einte Wang hanget

portraitiert vo sim Outner Molerkolleg,

em Vincenzo Cosentino.

Mäng eine meint,

är kenni der Binz,

wöu der Binz ne vilecht

meischtens grüesst ir Stadt,

aber grüesse heisst no nüt,

z Oute grüesse vüu,

z Oute grüesse fasch aui,

z Oute grüessen eim ou die,

wo me nid kennt.

Drum sägenis jo:

der Jörg Binz gseh,

wi ner immer elegant

und immer ufrächt

dür Oute flaniert -

oder der Jörg Binz kenne,

das si zwöi paar Schueh.

Wär der Binz e chli wott kenne,

darf nid nume d Figur Binz kenne,

nid nume der Dandy gseh,

nid nume der Philosoph,

nid nume der Flaneur,

nid nume der Gniesser

und Charmeur und Bohèmien,

vor Ouge ha, nei,

wär der Binz wott kenne,

muess i sine Büuder läse.

Wär der Binz e chli wott kenne,

muess dri ine luege,

töif ine luege

i d Zerbrächlechkeit vo sine Büuder,

i d Melancholie, i truurig Humor

wo us mängem vo sine Büuder schiint,

wär der Binz wott kenne,

muess ine luege,

i d Zärtlechkeit vo sine Büuder

und i d Verletzlechkeit,

wo düre schiint,

dür aues won er macht.

Wär der Binz e chli wott kenne,

muess genau häreluege zum gseh,

wi der Binz zum Bischpüu

e Struusse-Vogu moolet

und de uf dä Struuss ueche

no ne Riterin mit Peitsche,

wi wenn er mit dere Ritere

nume wett ablänke vo däm Blick

vo däm iidringleche Blick vom Struuss,

wo der Betrachter fixiert,

und wo ne no meh verwirrt

aus di Riterin uf sim Rügge.

Immer wieder begägne mer

bim Binz sine Büuder

söttigne Verwirrige,

Eigenartigkeite, Details,

Verschiebige vor Norm,

Abgründ, Doppudütigkeite.

Und gliichzitig heimers jederzit

mit Büuder z tüe,

wo guet zuegänglech si,

wo jede cha verstoh,

wo Spontanität, Emotione

und Inschtinkt usdrücke.

Der Binz isch drum

ke berächnende Künschtler,

är isch nid e mou

e rächnende Künschtler,

wenn me bi ihm im Atelier,

es Büud gseht, wo eim gfaut

und frogt, was es choschtet,

cha eim der Binz meischtens

ke Priis für das Büud säge:

«I weiss doch nid!» seit er de,

so dass me grad merkt,

dass er sech no gar nid überleit het,

was er für das beträffende Büud

ungefähr chönnt verlange.

Är molet, wöu er muess,

nid wöu er öppis wott erreiche,

nid wöu er süsch nid wüsst was mache,

nei, är molet wöus ne tribt,

wöu er öppis gseht

oder öppis ahnet,

oder öppis gspürt,

wo ne zwingt,

en Usdruck z sueche.

Ohni jetz i d Details

vom Jörg Binz sire Chindheit

und sire Jugend wöue z go,

cha me säge, dass är zwifulos

zu dene Künschtler ghört,

wo scho ir Chindheit gwüsst hei,

dass es für si nume dä Wäg git.

En angere Pruef aus Kunscht,

wär für e Jörg nie i Frog cho.

Und ou wenn der Binz

en umgängleche Mönsch isch,

wo gärn lachet und gärn

mit sinen Arme kreistet bim rede,

isch er nie so emotionau,

so begeischteret oder so enttüüscht,

so glücklech oder so verärgeret,

wi wenn er über Kunscht redt.

Nie isch er so emotionau,

wi wenns um Kunscht geit.

I ha scho erläbt,

wi ner richtig verruckt isch worde,

zornig und hässig wöu öpper,

wo ke molerischi Begabig het,

einisch bi üs am Beizetisch

isch cho säubergmooleti Büuder

zum Verchouf aabiete.

«Fürchterlech!»,

het de der Binz gseit,

«ganz, ganz schlimm,

gang wägg mit däm Glump!»

«Lo doch dä!»,

han i denn dörte,

der Binz versuecht z beruhige,

«dä darf doch

mit sire Kunscht husiere,

das tuet doch niemerem weh!»

«Mou, mir, mir tuets weh!!

Lueg doch das aa,

das isch aus zäme lausig!

So öppis isch schlimm,

öpper muess doch däm säge,

dass er nid cha mole,

süsch molet dä no lang!»

Und genau eso,

wi der Moler Jörg Binz

wäge schlächter Kunscht

sehr emotionau cha wärde,

genau eso,

cha nen ou gueti Kunscht

sofort emotionau bewege.

Är wird de meischtens

ou bi Sache wo nim gfaue,

sehr schnäu sehr lut und seit

so Sache wi: «Irrrsinnnig!»

«Das isch eifach irrrrrrsinnnig!!»

Und wenn er vore Reis zrügg chunnt,

de redt der Binz nid wi angeri

über ds Wätter,

über ds Ässe,

über d Bierpriisen oder

über d Landschaft.

Nei, der Binz verzöut

vo den Usstellige,

vo de Galeriie,

vor Architektur

und vo de Musee,

won er isch go luege,

lot sech d Näme

vo de grosse Moler

uf der Zunge lo vergo

und seit immer wieder:

«Irrsinnig dä Bacon!

Irrsinnig dä Balthus!

Irrsinnig dä Velazquez!»

Är het grosse Reschpäkt

vor der Kunschtgschicht

und vor de grosse Moler,

aber gliichzitig gschpürt er ou,

dass sini eigeti Kunscht

nid wit wägg isch vo dere,

wo ne derewä ufwüeuht.

Der Jörg Binz weiss um sini Begabig,

töif im Innerschte weiss er,

dass er sehr guet isch

und är haderet trotzdäm

immer wieder mit em Schicksau.

Di chliini Differänz

zwüsche däm, won er sech vornimmt

und däm, won er uf d Liinwang bringt,

isch si ständig Motor.

Wär einisch ds Privileg het gha,

sech vom Binz dörfe lo z portraitiere,

het no öppis angers chönne feschtstöue:

Der Binz isch fasch nie zfride,

är ringt ständig mit sech säuber,

wi di meischte grosse Künschtler,

isch er ou vou vo Säubschtzwiifu und

ständig tribe vom Gedanke,

är müesstis eigetlech besser chönne.

Derbi, und das gseht jede säuber,

wo do dür di Usstellig louft

liebi Vernissage-Bsuecher,

derbi isch i dene Büuder aues

wo Kunscht usmacht,

Ästhetik, Form, Ärnschthaftigkeit,

Zwiifu, Ironie, Humor, Töiifi

Gheimnis und Schönheit - oder -

zums ir Sproch vom Jörg Binz säge:

Är isch eifach irrrsinnig!

Pedro Lenz

«Är molet, wöu er muess / nid wöu er öppis wott erreiche / nid wöu er süsch nid wüsst was mache / nei, är molet wöus ne tribt / wöu er öppis gseht / oder öppis ahnet / oder öppis gspürt / wo ne zwingt / en Usdruck z sueche.» So charakterisiert Mundartautor Pedro Lenz seinen Freund und Kunstmaler Jörg Binz in seiner Vernissage-Rede, die er gestern Abend vor rund 150 Gästen im Restaurant des Kantonsspitals Olten hielt. «Ich bin viel in seinem Atelier», sagt Lenz und bezeichnet ihn als einen der «interessantesten Maler», weil er auch das Abgründige darstellt.

Das macht Binz etwa in seinem Bild mit dem Titel «Die Geheimnisse des Mister X», auf dem er einen bekleideten Männeroberkörper mit einem nackten Frauenunterleib zeigt (auf dem Foto ganz links) und so den Interpretationen des Betrachters freien Lauf lässt. In seiner ersten Ausstellung im Kantonsspital Olten, die frei zugänglich ist und bis zum 14. Dezember dauert, gibt es einen Querschnitt aus seinem Schaffen zu sehen: 80 Bilder aus den 1970er-Jahren bis heute mit Techniken wie Aquarell, Bleistift oder Öl können in den Gängen und im Restaurant angeschaut werden. Darunter gibt es Aktbilder, Selbstporträts, aber auch ein Bild von seinem Freund Pedro Lenz.

Sie seien sich «auf Anhieb sympathisch» gewesen, sagt der 74-jährige Binz über den 21 Jahre jüngeren Künstlerfreund. Sie hätten einfach einen «guten Draht» miteinander, erwidert Lenz. Auch Letzterer hat ihn schon in einem Werk verewigt: Im Mundartroman «Di schöni Fanny» ist eine der beiden Maler-Hauptfiguren von Binz inspiriert.

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