«So schön ist Blasmusik»: Die beschwingte Polka mit der Erkennungsmelodie des Grand Prix der Volksmusik eignet sich ausgezeichnet als Auftakt zu einem volkstümlich gemütlichen Unterhaltungsabend. Gleich im zweiten Stück nahm die Musikgesellschaft Gunzgen dann das Motto ihres Frühjahrskonzerts auf – zur «Maifest Polka» passte die Saaldekoration der Rüeblihalle mit dem Maibaum perfekt.
Das kleine Blasmusikjuwel mit der teilweise anspruchsvollen Stimmführung legte einen recht hohen Massstab an. Dirigent Marcel Heutschi vertraute darauf, dass sich die anfängliche Nervosität seiner Musiker legen und die Spielfreude Oberhand gewinnen würde. Unter den mehr als ein Dutzend Werken, die inklusive mehrerer Zugaben am Samstagabend erklangen, dominierten denn auch beliebte Blasmusik-Polkas und bekannte Medley-Arrangements, über die sich die Musikantinnen und Musikanten sichtlich freuten.
Virtuoser Solist mit Witz
Für musikalische Höhepunkte des Abends sorgte der junge Euphonist Fabian Bloch, der sein Instrument absolut virtuos beherrscht. In der Bravourpolka «Das Supertalent» zeigte der aus einer Wisner Musikerfamilie stammende Solist die weiche, wunderschöne Tonfülle des Blechblasinstruments, das vor allem in Brassbands, aber auch in einigen klassischen Werken eingesetzt wird. Als Dirigent der Musikgesellschaft Winznau könne er sicher sagen, ob die Gunzger gut seien, fragte Brigitte von Arb, die durch den Abend führte, den 30-jährigen Musiker. Spontan sagte er schelmisch lachend: «Ich nehme den Joker!», um dann rasch hinzuzufügen: «Nei, nei – s tönt wie’s sett.»

Im witzigen «Egerländer Tenorhorn Rag» vermischten sich bei Blochs zweitem Auftritt Ragtime, Swing und Polka, Bloch brillierte mit schnellen Läufen und oszillierenden Klängen. In seiner zweiten Zugabe demonstrierte er ohne Begleitung, wie raffiniert und ungewöhnlich das Euphonium in einer modernen, auf sein professionelles Können zugeschnittenen Komposition klingt. Fabian Bloch entlockte dem Baritoninstrument brummig tiefe Basstöne, dem Alphorn ähnliche Klänge und raue Koloraturen.

Von München nach Tirol

Vom Mai in den Oktober, von lieblichen Maienklängen ans Oktoberfest: Nach der Pause trug der grössere Teil der Musikgesellschaft Gunzgen samt Dirigent Marcel Heutschi Lederhosen oder Dirndl. Doch die musikalische Reise war in München noch nicht zu Ende, sondern führte schliesslich mit einem Umweg über die bravourös vorgetragene, tschechische Konzertpolka «Gedanken-Sprünge» zum gespielten und sogar gesungenen volkstümlichen Lied «Dem Land Tirol die Treue» als viel beklatschte Zugabe.

Höhepunkte dieser internationalen Musikexkursion aber waren zweifellos zwei Arrangements, die nicht im Polkastil gehalten waren. Zum einen war dies die Blasmusikversion von «Help Yourself», ein Oldie und Number-One-Hit von Tom Jones, sowie der bunte «Schlager-Hit-Mix», den Manfred Schneider seinerzeit für die deutsche Bundeswehr-Big-Band kunstvoll arrangiert hatte. Die Musikgesellschaft Gunzgen legte sich ins Zeug und erntete für ihre überzeugende Darbietung langanhaltenden Applaus.