Lostorf
Lostorfer Gemeinderat hält an diebischem Vogelfeder-Sammler fest

Der Lostorfer Bauverwalter hatte sich unrechtmässig aus Museen Vogelfedern für seine Sammlung angeeignet. Der Gemeinderat hält dennoch an ihm fest. «Der Gemeinderat hat ihm fachlich das Vertrauen ausgesprochen», so Gemeindepräsidentin Ursula Rudolf.

Merken
Drucken
Teilen
Der 40-Jährige stahl Federn aus Museen in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Der 40-Jährige stahl Federn aus Museen in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Keystone

Der Bauverwalter habe Gemeindepräsidentin Ursula Rudolf am 1. Dezember über die Angelegenheit informiert, sagte diese im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom Dienstagabend. Während der Woche vom 3. bis 7. Dezember hätten verschiedene bilaterale Gespräche stattgefunden, und aufgrund «des Ausmasses der Vorwürfe» habe sie dann den Gemeinderat am 10. Dezember orientiert. An jener Sitzung habe der Bauverwalter «offen und ehrlich orientiert», so Rudolf.

Er stehe zu seinen Verfehlungen und sei sich bewusst, dass er sich die Vogelfedern unrechtmässig angeeignet habe. Zudem sei er «bemüht, so viel wie möglich zur Schadensminderung beizutragen». Ferner sei er sich bewusst, «dass es sich bei diesem fanatischen Sammeln von Vogelfedern um ein Suchtverhalten handelt. Er hat sofort Hilfe gesucht und sich einer Therapie unterzogen».

Das Vertrauen ausgesprochen

Der Gemeinderat - es seien alle ordentlichen Mitglieder präsent gewesen - habe in der Folge dem Bauverwalter fachlich das Vertrauen ausgesprochen und «ohne Gegenstimme beschlossen, an unserem Bauverwalter festzuhalten». Die Gemeinde sei zu keinem Zeitpunkt geschädigt worden. Er habe seine Arbeit «korrekt und mit Fachwissen» ausgeübt. Rudolf wertete die Berichterstattung im Blick als «skandalös»; es sei keinerlei Rücksicht auf Persönlichkeitsrecht genommen worden.

Es stehe «eine ganze Familie mit kleinen Kindern im Fokus, die alle mitleiden und die ganze Angelegenheit verarbeiten müssen». Sie bat die Bevölkerung, diesen Aspekt bei den Diskussionen zu berücksichtigen.

Der Bauverwalter selber mochte zu dieser Angelegenheit keine Stellung beziehen und verwies auf das derzeit laufende Verfahren.

Der 40-Jährige hatte seit 2007 Vogelfedern - insbesondere von seltenen Raubvögeln - aus mehreren Museen in der Schweiz, Deutschland und Österreich entwendet. Er hatte sich als Wissenschaftler ausgegeben und kam so an die Exponate heran. Der Wert der gestohlenen Vogelfedern: Fast 5 Millionen Franken. (bw/ldu)